LKR Haßberge

Absolutes Politiker-Versagen: Das große Killen der kleinen Landkrankenhäuser

Den Blick fest auf die eigene Gemeindekasse gerichtet, zerren manche Kirchturmpolitiker aus der Region HS-MS (Hassberge-Süd, Maintal und Steigerwald) fleißig mit am Niedergang der Landkrankenhäuser. Jetzt ist das Krankenhaus Hofheim umgefallen worden...
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Foto: NewOpinion3
Den Blick fest auf die eigene Gemeindekasse gerichtet, zerren manche Kirchturmpolitiker aus der Region HS-MS (Hassberge-Süd, Maintal und Steigerwald) fleißig mit am Niedergang der Landkrankenhäuser.

Jetzt ist das Krankenhaus Hofheim umgefallen worden. Auch am Krankenhaus Ebern sägen sie. Gemeint ist der kurzsichtige Unterstützerkreis der sogenannten „Ein-Haus-Lösung“ in Hassfurt. Ein einziges Krankenhaus, das für den ganzen Landkreis zuständig sein soll.

Doch die hassbergselige Gemeinde dürfte das Hohelied auf das Hassfurter Zentralkrankenhaus zu voreilig quinkelieren. Denn ein Zentralklinikum in Hassfurt, das vollmundig den kompletten Landkreis versorgen soll, deckt eben nicht die Bedürfnisse nach wohnortnahen stationären Behandlungsmöglichkeiten ab.

Hassfurt ist auch nur ein kleines Mittelzentrum

Dazu kommt: Viele Verantwortliche im Landkreis überschätzen die Rolle von Hassfurt für den Kreis notorisch: Das Krankenhaus in Hassfurt wird zu keiner Sekunde zur zentralen stationär-medizinischen Anlaufstelle für den gesamten Landkreis werden, sondern immer ein Ortskrankenhaus bleiben, beschränkt auf den Hassfurter Nahbereich.

Und eben solche Ortskrankenhäuser sind auch für die Bereiche Hofheim und Ebern lebensnotwendig. Krankenhäuser mit der Versorgungsstufe 1 „dienen der Grundversorgung in der Fläche. In der Regel werden dort Fachrichtungen wie Innere Medizin und Chirurgie vorgehalten“, so sieht man es im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Mehr Fachrichtungen braucht es eigentlich auch im kleinen Hassfurt nicht.

Klassische Zipperlein sind weiterhin ein Fall für die Ortskliniken

Denn altersbedingte Zipperlein, Magenunwohlsein für Internisten und die Operation von Blinddarm, Gallenblase und Brüchen, das sind die klassischen Fälle für die Behandlung vor Ort. Zum Herausschneiden eines Furunkels braucht niemand ins Uniklinikum. Die Ärzte dort sollten ihre Zeit besser den von schwerer Krankheit heimgesuchten Patienten widmen können.

Wer unter einer schwierigen Krankheit leidet, der lässt sich sowieso weiterhin – wie bisher auch – in einem spezialisierten Fachklinikum behandeln. Das ist auch richtig so. Hier soll und darf in Hassfurt gar kein Angebot vorgehalten werden.

Heimische Bundestagsabgeordnete interessieren sich eher nicht

Apropos: Was kann man unseren Kommunalpolitikern vorhalten? Nicht wenige muss man fragen: Habt Ihr unsere heimischen Bundestagsabgeordneten genügend hart in die Zange genommen – in Sachen Krankenhausfinanzierung?

Es wird sich wohl kaum jemand an eine heiße öffentliche Debatte in dieser Angelegenheit erinnern können. Wo blieben die nachdrücklichen Worte von Dorothee Bär (CSU) oder Sabine Dittmar (SPD) für den Erhalt der kleinen Landkrankenhäuser? Es hat sie nicht gegeben. Am mangelnden Geld kann es übrigens nicht liegen:

Geld ist genügend vorhanden

„Der Staat kassiert in den kommenden Jahren weit mehr Steuereinnahmen als erwartet“, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 11. Mai 2017. Zusätzliche 54,1 Milliarden Euro sollen bis zum Jahr 2021 den Steuersäckel füllen. Es ist zwar genug für alle da, aber es kommt eben darauf an, wer wie viel vom Kuchen abbekommt.

Kleine Krankenhäuser wären unrentabel, hört man immer wieder. Wirklich? Es gibt so gut wie keinen freien Markt, kein Wechselspiel von Angebot und Nachfrage, das Preise für Krankenhausleistungen herausbilden könnte.

Wie hoch oder wie niedrig die Behandlungskosten von den Krankenkassen vergütet werden, ist in einem undurchsichtigen Gerangel unter Interessenvertretern ausgehandelt worden. Für die breite Öffentlichkeit sind diese Prozesse nicht nachvollziehbar.

Unrentable Häuser? – Wie rechnet man eigentlich?

Dass die festgezurrten Erstattungsbeträge mit den gestiegenen Kosten nicht mitgezogen sind, ist hinreichend bekannt. Deshalb kann niemand allen Ernstes von unrentablen Häusern sprechen. Würden nämlich die Leistungen angemessen bezahlt, dann wären die kleinen Krankenhäuser gar nicht unrentabel oder könnten zumindest kostendeckend arbeiten.

Das Übel besteht aus der chronischen Unterfinanzierung

Es ist das Problem der chronischen Unterfinanzierung, das angegangen werden muss. Krankenhäuser zu schließen, das ist keine Lösung, auch wenn den beauftragten Gutachtern dazu keine andere Meinung einfällt – oder einfallen soll. So dreht sich etwas im Kreis: Politiker zitieren aus Gutachten, deren Ergebnisse von der Politik herbeigewünscht worden sind.

Kirchturmpolitik? – In Hassfurt stehen sogar Zwillingskirchtürme

Kliniken vor Ort zu halten sei nur billige Kirchturmpolitik? Nein, man muss entgegnen: Hier wird ein abgewetztes Killerargument ausgepackt. Der Vorwurf greift nicht. Umgedreht wird ein Schuh draus: Kirchturmpolitik betreibt, wer in Krankenhäusern überflüssige Verlustbringer sieht und sie deshalb, zum Wohl der Gemeindekasse, einfach abstoßen will.

Das Eintreten für die lang bewährten und gut vernetzten Krankenhäuser in Ebern und Hofheim zählt dagegen zu den besten Investitionen in die Zukunft, die man sich vorstellen kann.

Kliniken müssen für die Menschen da sein!

Schließlich: Es ist nicht die Bevölkerung, die sich um das (finanzielle) Wohlergehen des Kommunalunternehmens „Hassberg“-Kliniken zu kümmern hat, sondern es sind die Krankenhäuser, die sich um das (gesundheitliche) Wohlergehen der Bevölkerung kümmern müssen. Dazu sind sie da. Einen anderen Sinn haben sie nicht.

Und um die finanziellen Angelegenheiten, darum müssen sich die Politiker kümmern. Sie müssen sich einfallen lassen, wie sie die reichlich sprudelnden Staatseinnahmen gerecht übers Land verteilen. Das kann so schwierig nicht sein.

Und wenn doch, dann wird man doch ein Bürgerbegehren in Betracht ziehen müssen.

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