Kulmbach
Unterhaltung

Zwei Künstler tanzen in Kulmbach über Schatten

Michaela Duhme und Alexander von Hugo verwandelten Gespräche in Seniorenheimen in einer stimmungsvolle Revue aus Stepptanz, Theater und Gesang.
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Eine unterhaltsame Nummern-Revue aus einer dramatischen Zeit zusammenzustellen, das wagten - durchaus hinreißend - Michaela Duhme und Alexander von Huge in der Spitalkirche. Foto: Klaus Klaschka
Eine unterhaltsame Nummern-Revue aus einer dramatischen Zeit zusammenzustellen, das wagten - durchaus hinreißend - Michaela Duhme und Alexander von Huge in der Spitalkirche. Foto: Klaus Klaschka
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Aus Gesprächen in Seniorenheimen eine Revue zu machen, ist sicher eine aparte Idee. Michaela Duhme und Alexander von Hugo hatten sich dafür mit Bewohnern verschiedener Einrichtungen in Coburg, Bayreuth und Auerbach in der Oberpfalz unterhalten und Gesprächsfetzen aufgezeichnet.

"Was geht in Menschen dieser Generationen vor? In Menschen, die meist funktioniert haben, die sich schuldig fühlen oder auch nicht schuldig fühlen, und die nach dem Krieg keine Zeit hatten zu sprechen?" Diese Frage stand im Hintergrund ihrer Recherchen. Das Resultat: die Bühnencollage "Wenn wir über Schatten tanzen" mit Stepptanz, Theater und Gesang, die am Sonntagabend im Rahmen des "Fränkischen Theatersommers" in der Spitalkirche zu sehen war.


Wünsche und Sehnsüchte


Aus den Gesprächen in den Heimen hätte auch ein Drama über eine verlorene Generation in Krieg, Flucht und Vertreibung von Brechtscher Dimension werden können. Duhme und von Hugo stellten aber nicht die Frage nach der Historie und den Hintergründen, sondern nach den - wenn auch teils nicht erfüllten - ursprünglichen Wünschen und Sehnsüchten der Menschen jener Zeit: "Was würden Sie tun, wenn Sie nochmal 20 wären? Tanzen Sie gerne?"

"Musiken aus der Jugendzeit unserer Gesprächspartner, die sie selbst erwähnten oder die uns berührten, sollen den Soundtrack bilden" hieß es im Programm. Und: "Wir hatten den Wunsch, mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen, um herauszufinden, wie universell Gefühle sind." Heraus kamen Musik von Friedrich Hollaender, Peter Kreuder, Franz Grothe und Benny Goodmann sowie Texte von Wolfgang Borchert, Irmgard Keun und Max Herrmann-Neiße.

Also ein Querschnitt aus der Unterhaltung in der damaligen Zeit, die es trotz aller schrecklichen und dramatischen Ereignisse ja trotzdem gab. Wobei der Ausschnitt aus Borcherts Monolog "Draußen vor der Tür" allerdings ein eher störender Fremdkörper war.


Bestechende Liebesszene


Unabhängig von all diesen ernsthaften Hintergründen und bedrückenden Erfahrungen ihrer Gesprächspartner filterten Duhme und von Hugo eine bestechend schöne Revue aus den Unterhaltungen, die sie selbst zusammenfassten, inszenierten und gekonnt präsentierten. Mit Stepptanz von vier Füßen in Vollendung, absolut gekonntem Gesang und hinreißend gespielten Szenen zwischen den musikalischen Nummern.

Sehnsuchtsvoll, träumerisch, grübelnd - eben aus dem gesamten Spektrum der universellen menschlichen Gefühle. Am bestechendsten vielleicht die Liebesszene, in der männliches Anschmachten beim weiblichen Pendent so gar nicht ankommen wollte. Oder als die Vorfreude auf eine Urlaubsreise in ein unbekanntes Land mit der Angst und Unsicherheit vor eben diesem wechselte.

"Wenn wir über Schatten tanzen" war eine hinreißend aufgeführte Revue aus einer Zeit, die historisch an sich gar nicht so hinreißend war - aber dennoch berechtigt ist: Denn trotz dramatischer Lebensereignisse bleibt immer noch die Eigenschaft der menschlichen Erinnerung, insbesondere die positiven Erfahrungen dauerhaft abzuspeichern und diese dann immer wieder abrufen zu können.
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