Harsdorf
Aufruf

Zirkus Bügler sucht ein Winterquartier

In Harsdorf stehen Ziege, Pferd und Lama im Tor - wie das? Der Zirkus Bügler hat auf dem Bolzplatz sein Lager aufgeschlagen. Bleiben kann er aber nicht.
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Der Zirkus Bügler gastiert noch auf dem Bolz- und Festplatz in Harsdorf. Am Mittwoch aber muss er weiterziehen.Nützel
Der Zirkus Bügler gastiert noch auf dem Bolz- und Festplatz in Harsdorf. Am Mittwoch aber muss er weiterziehen.Nützel
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Inmitten der Wagenburg in Blau und Gelb herrscht keine hektische Betriebsamkeit, eher gelassene Aufräumstimmung. Eine Zugmaschine parkt rückwärts in die Lücke neben dem Transporter für die Pferde. Neben den Lamas, die in der Herbstsonne dösen, lädt Ricky Heilig Heuballen für die Pferde ab. Das Zelt haben die Zirkusleute abgebrochen, die letzte Vorstellung war am Sonntag. Und jetzt? Silvia Heilig kennt die Situation. "Müssen wir uns mal wieder so langsam nach einem Winterquartier umsehen."


Fahrbare Heimstatt

Die Seniorchefin des Zirkus' Bügler dreht ihre Stiefelspitze in den weichen Boden auf dem Harsdorfer Festplatz, knotet die tiefschwarzen Haare hinter dem Kopf zusammen und stemmt die Hände in die Hüfte. Ihr Blick wandert über das Rondell, das ihrer Familie seit vielen Jahren Heimstatt ist. Eine fahrbare, beweglich und binnen weniger Stunden umzugsbereit. "Häuser oder Grundbesitz haben wir nicht. Was wir haben, haben wir dabei." Das sind - neben der Manege und dem Fuhrpark - vor allem die Tiere: Zwischen den Pferden und Lamas wuseln zwei kleine Hunde sowie Ziege Pinocchio umher. Für sie und die neunköpfige Familie bedeutet Zuhause, überall und nirgendwo zu sein.

Schwiegertochter Stefanie Heilig kennt das Leben beim fahrenden Volk. Bevor sie vor zwölf Jahren in den Wanderzirkus Bügler einheiratete, reiste sie mit dem Schaustellerbetrieb der Eltern durch die Republik. Mittlerweile ist die 30-Jährige fünffache Mutter. Während der Woche kümmert sie sich um ihre Kinder, näht die Kostüme, hilft bei der Versorgung der tierischen Artisten und werkelt an der Dekoration. In der Manege tritt sie als Feuerspuckerin in Erscheinung, stellt sich furchtlos für ihren Mann Ricky ans Messerbrett und jongliert Bälle.


Jonglieren mit Geld

Jonglieren müssen in der Zirkusfamilie alle - vor allem mit Geld. "Es wird nicht leichter", weiß Silvia Heilig. Gerne würde sie heuer noch einige Vorstellungen geben, denn Vorstellungen bedeuten Einnahmen. Auftritte - in dem Fall ohne Tiere - in Kindergärten oder Schulen sind möglich. "Futterspenden sind freilich immer gerne gesehen."

Die Wagen sind schon halb gepackt, das Zelt verschnürt und verstaut. Aus der Nachbarschaft blickt ein Mann neugierig auf die ungewöhnlichen Gäste. "Die Leute hier haben uns freundlich aufgenommen." Silvia Heilig lächelt. Es wird eine kurze Nachbarschaft werden, denn Harsdorf wird definitiv nicht zum Winterruheort der bunten Truppe. Laut Bürgermeister Günther Hübner hat der Zirkus Bügler bis einschließlich heute, Mittwoch, eine Genehmigung, das Areal zu nutzen. "Unser Bolzplatz ist ja noch bespielbar, insofern können wir die Erlaubnis nicht verlängern", sagt er. Auch eine andere Alternative könne das Gemeindeoberhaupt den Zirkusleuten nicht anbieten.

Absagen hat sich Silvia Heilig schon einige abgeholt. In Trebgast hatte sie angefragt, ob es nicht nahe des Badesees eine Bleibe gäbe. Von dort kam ebenso ein Nein wie aus Thurnau und von der Gemeinde Eckersdorf bei Bayreuth. Dennoch sagt sie zuversichtlich: "Es hat bisher immer geklappt. Ich werde es weiter probieren, einen entsprechenden Platz zu finden."


Fester Boden, Wasser und Strom

3000 Quadratmeter müssten es sein. "Ein halbwegs befestigter Untergrund wäre wünschenswert", sagt Stefanie Heilig. Eine Halle braucht es nicht. "Unsere Tiere haben ein festes Zelt, zudem sind sie die Temperaturen gewöhnt." Strom- und Wasseranschluss hingegen sind Voraussetzung. "Wir wollen nichts geschenkt und zahlen natürlich eine Miete dafür."

Betteln kommt für die Heiligs nicht in Frage. "Für unser Auskommen wollen und können wir selber sorgen. Aber für die Wintermonate sind wir auf einen festen Platz angewiesen." In dieser Phase werden die nötigen Wartungsarbeiten an den Fahrzeugen ausgeführt, die Kinder sind einmal für eine längere Zeit an einer Schule. Ansonsten gehen sie am jeweiligen Spielort in den Unterricht oder werden von einer Zirkuslehrerin betreut.

Und mit etwas Glück kommt es spätestens zu Weihnachten wieder zur Zusammenführung mit dem anderen Teil der Familie Bügler, Stefanie Heiligs Tante. "Wir haben es jedesmal geschafft, die Feiertage zusammen zu verbringen. Große andere Wünsche zum Fest habe ich gar nicht."

KONTAKT


Wer den Zirkusleuten ein Angebot für ein Winterquartier machen möchte oder Futter spenden will, kann sich per Mail bei Stefanie Heilig melden unter jason-julina@web.de.


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