Neuenmarkt
Eisenbahn

Zeitgeschichte auf Schienen

Das DDM hat zwei weitere Glanzlichter jetzt ganz offiziell als Dauerleihgaben erhalten: den "Kanzler"-Salonwagen 10242 und die Güterzuglokomotive 50 369.
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Inmitten des historisch bedeutsamen Salonwagens wurde die Unterzeichnung der Urkunde für die Dauerleihgabe durch Regierungspräsidentin  Heidrun Piwernetz und Bezirkstagspräsident Henry Schramm vorgenommen. Dahinter (von links) Landrat Klaus Peter Söllner, Bürgermeister Siegfried Decker und der bisherige Eigentümer Tobias Richter.Werner Reißaus
Inmitten des historisch bedeutsamen Salonwagens wurde die Unterzeichnung der Urkunde für die Dauerleihgabe durch Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und Bezirkstagspräsident Henry Schramm vorgenommen. Dahinter (von links) Landrat Klaus Peter Söllner, Bürgermeister Siegfried Decker und der bisherige Eigentümer Tobias Richter.Werner Reißaus
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Das Deutsche Dampflokomotiv-Museum ist um zwei historische "Glanzlichter" als Dauerleihgabe der Oberfrankenstiftung reicher: In einem Festakt erfolgte am Freitag mit der Unterzeichnung der Urkunde durch Regierungspräsidentin und der Vorsitzenden des Stiftungsrates, Heidrun Piwernetz, sowie Bezirkstagspräsident und Oberbürgermeister Henry Schramm in seinem Amt als Vorsitzender des DDM-Zweckverbandes die Übergabe des Salonwagens 10242 und der Güterzuglokomotive 50 369, die auf Wunsch des Besitzers mit dem Erwerb des Salonwagens verbunden ist. Es handelt sich dabei um die Version einer in der DDR rekonstruierten Lokomotive der Baureihe 50.

Als Tobias Richter, der bisherige Eigentümer der beiden Exponate, diese zum Verkauf anbot, hat sich die Oberfrankenstiftung entschlossen, den Ankauf zu tätigen und dem DDM als Dauerleihgabe für dessen Ausstellung zu überlassen.

Der Salonwagen 10 242 ist, wie Henry Schramm feststellte, eigentlich bereits ein alter Bekannter: "Er ist seit 2001 im Museum als Leihgabe beheimatet und seit 2004 neben der Schnellzuglokomotive 10 001 das zweite herausragende Exponat in der Dauerausstellung des Dampflokomotiv-Museums."

Nach seiner Außerdienststellung Ende der 1980er Jahre wurde zunächst der "Freundeskreis für Eisenbahnen" in Münster Eigentümer des Waggons. Er sollte als Grundstock für ein geplantes "Westfälisches Eisenbahnmuseum" dienen, diese Pläne scheiterten jedoch.

Abgestellt auf einem Nebengleis, verschlechterte sich sein Zustand zusehends. Im Jahr 2000 gelang es dem Privatmann Tobias Richter, großer Freund und Förderer des DDM, den Salonwagen zu erwerben. Mit Unterstützung durch die Oberfrankenstiftung veranlasste Richter die Aufarbeitung und Restaurierung in den Bahnwerkstätten in München-Neuaubing und Weiden.

80-jährige Historie

Wie Schramm feststellte, gibt es wohl kaum ein Eisenbahnfahrzeug, das so eng mit der politischen Geschichte Deutschlands der vergangenen 80 Jahre verbunden ist wie der Salonspeisewagen 10 242: "Er erlebte die dunklen Zeiten des Nationalsozialismus in Deutschland. Den überwiegenden Teil seines aktiven Dienstes verbrachte er aber als Kanzlerwagen für die Bundeskanzler der Bundesrepublik von 1955 bis 1982."

Der Bezirkstagspräsident verwies darauf, dass der Salonwagen dem Reichskanzler und selbst ernannten "Führer" Adolf Hitler als persönlicher Speisewagen diente. "Nachdem dieser 1941 einen sechsachsigen Speisewagen erhielt, soll der Wagen im Sonderzug des Auswärtigen Amtes und SS-Führers Heinrich Himmler gefahren sein. Einsätze im Sonderzug ,Amerika' des Führers sind aber auch noch nach 1942 belegt."

Vor den Russen gerettet

Anfang 1945 wurden die meisten der in Berlin stationierten Regierungswagen vor der Roten Armee Richtung Westen in Sicherheit gebracht. Nach Ende des Krieges fuhr der Speisewagen für den Hochkommissar der Britischen Besatzungszone, Bernard Montgomery, und erhielt 1946 eine geänderte Inneneinrichtung mit Schlafabteil und Badezimmer inklusive Wanne. Am 9. März 1953 erfolgte die Rückgabe des Wagens an die Deutsche Bundesbahn.

Aufgrund seiner hervorragenden Ausstattung wurde der Salonwagen 10 242 gemeinsam mit dem Salonspeisewagen 10 205 bis zu seiner Außerdienststellung 1988 ausschließlich für den Bundeskanzler reserviert und in Köln beheimatet. Schramm hob aus dieser Zeit die Reise von Konrad Adenauer im Jahr 1955 nach Moskau heraus. Unvergessen auch die Reise von Willy Brandt am 19. März 1970 in die DDR nach Erfurt. Dieses Ereignis, das sich im kommenden Jahr zum 50. Mal jährt, will das DDM mit einer Sonderausstellung entsprechend würdigen. Auch die englische Königin Elizabeth II. fuhr auf ihrem ersten Deutschlandbesuch mit diesem Wagen durch die Republik - für diesen Einsatz erhielt er sogar eine eigene Lackierung.

Über die bewegte Geschichte läuft zweimal täglich im Museum ein Film.

Ein Muss für das Museum

Dass es die Oberfrankenstiftung ermöglicht hat, die beiden wertvollen Fahrzeuge zu erwerben und damit dauerhaft für das Museum zu sichern, darüber ist der DDM-Zweckverband, wie Henry Schramm erwähnte, dankbar: "Sie werden nicht nur für das DDM, sondern auch für die gesamte Region zur Steigerung der Attraktivität beitragen." Schramm dankte aber auch Tobias Richter, der den Salonwagen zum Selbstkostenpreis abgab, denn es gab auch andere Interessenten.

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz betonte, dass die Oberfrankenstiftung gar nicht anders konnte, als diesen Ankauf des historischen Salonwagens zu tätigen. Piwernetz verwies darauf, dass der Freistaat Bayern auch das Museumsentwicklungskonzept 2020 mit 3,4 Millionen Euro zu Recht großzügig unterstützt: "Das Dampflokomotiv-Museum ist ein Highlight in unserer Museumslandschaft in Oberfranken."

Landrat Klaus Peter Söllner würdigte die Zusammenarbeit mit dem Bezirk Oberfranken und dankte hier nicht nur Bezirkstagspräsident Henry Schramm, sondern auch dessen Amtsvorgänger Günther Denzler: "Das Museum ist von nationalem Rang und hat eine Ausstrahlung in ganz Europa. Es ist gerechtfertigt, dass dieser Zweckverband mit dem Bezirk, dem Landkreis und der Gemeinde Neuenmarkt gegründet wurde."

Tobias Richter erinnerte an den unvergessenen Museumsleiter Volker Dietel, der ihm den Hinweis auf den Salonwagen gab, der eigentlich verschrottet werden sollte: "Es war auch das Ziel, damit die junge Generation an deutsche Geschichte heranzuführen, die eng mit der Eisenbahn verbunden ist."Rei.

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