Wonsees
Ausstellung

Wonseeser Künstler sucht den Menschen hinter der Gottesmutter

Der Wonseeser Künstler Klaus Weigand hat sich Gedanken gemacht, wie das wahre Leben der heiligen Jungfrau wohl ausgesehen hat.
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Klaus Weigand hat Maria und Jesus aus Ton gestaltet.privat
Klaus Weigand hat Maria und Jesus aus Ton gestaltet.privat

Die schwangere Maria besucht ihre Eltern. Während die Mutter sich freut, ist der Vater verärgert, schließlich ist Maria nicht verheiratet. Wer diese Szene in der Bibel sucht, sucht vergebens. Sie ist ausgedacht. Angeregt von Pfarrer Daniel Städtler haben sich ehrenamtliche Mitarbeiterinnen der Kirchengemeinde und der Wonseeser Künstler Klaus Weigand Gedanken gemacht, wie das wahre Leben der heiligen Jungfrau wohl ausgesehen hat.

"Maria wird immer verklärt dargestellt, überirdisch, übermenschlich, engelhaft schön. Doch was für ein Mensch war sie wirklich? War sie froh, stolz, verzweifelt?", rätselt Weigand.

Fiktive Momente

In seiner neuen Ausstellung "Maria - Heilige, Mutter, Mensch" steht die Mutter Jesu im Zentrum. In mehreren Szenen wird ihr Leben beleuchtet. Dabei soll hinter der heiligen Gottesmutter der Mensch zum Vorschein kommen.

Eigens für die Schau in der Kirche St. Laurentius hat Weigand neue Keramikfiguren kreiert. Mitarbeiterinnen setzen sie mit Naturmaterialien wie Holz, Moos und Sand in Szene.

Eine berühmte Szene

Neben fiktiven Momenten aus Marias Leben wird auch die Pietà zu sehen sein. Die berühmte Szene zeigt eine trauernde Maria, die den gekreuzigten Leichnam ihres Sohnes in den Armen hält. Doch auch hier gibt es neue Aspekte. "Ich habe mich gefragt, wie die Zuschauer damals reagiert haben", erklärt Weigand. Heute würden wohl alle mit dem Handy Fotos machen. Damals habe es sicher gespaltene Reaktionen gegeben von Schadenfreude bis Verzweiflung. "Manche hätten vielleicht gesagt: Es geschieht ihm recht, warum muss er sich so aufspielen. Andere vielleicht: Er war der einzige, der uns gegen die Römer hätte helfen können", mutmaßt der Künstler. Diese Emotionen habe er versucht, in den Gesichtern der Schaulustigen zu spiegeln.

Schon seit vielen Jahren fertigt Weigand aufwendige, detailreiche Tonfiguren für Bibel- und Krippenszenen. Der Großteil seiner Arbeiten ist in der Kunstgalerie "M 10" am Wonseeser Marktplatz ausgestellt. Sonderausstellungen finden immer wieder in der Kirche statt.

Erwartungshaltung übertrieben?

"Klaus Weigand erweckt biblische Geschichten zum Leben", lobt Pfarrer Städtler. Ihm zufolge stellt besonders der Evangelist Lukas Maria fromm und vorbildlich dar. "Unsere Absicht ist es, zu fragen, inwiefern Maria idealisiert wird. Welches Bild wird transportiert? Haben wir eine übertriebene Erwartungshaltung?", so der Pfarrer. Die Bibel biete in dieser Hinsicht keinerlei Differenzerfahrung.

Absicht der Ausstellung sei es nicht, die Besucher vor Tatsachen zu stellen, sondern zum Nachdenken anzuregen. Städtler nennt ein weiteres Beispiel: "Wie ging es mit Maria nach Jesu Tod weiter? Wer kümmerte sich um sie, als ihr Sohn Jakobus und die anderen Männer das Geschick der jungen Gemeinde lenkten? War sie krank, vielleicht sogar einsam?"

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