Laden...
Kulmbach
Wohnungsmarkt

Wohnungsmarkt in Kulmbach: Senioren tun sich schwer

Seniorenwohnungen sind in Kulmbach Mangelware. Irene Kinitz hatte Glück und fand über die Baugenossenschaft ihr Zuhause. Viele Suchende gehen leer aus.
Artikel drucken Artikel einbetten
Irene Kinitz ist glücklich in ihrer Baugenossenschaftswohnung mit Balkon in der Hollergasse. Foto: Dagmar Besand
Irene Kinitz ist glücklich in ihrer Baugenossenschaftswohnung mit Balkon in der Hollergasse. Foto: Dagmar Besand

Für Irene Kinitz war es wie ein Sechser im Lotto. Eine altengerechte Wohnung zu finden, barrierefrei in guter Lage und am besten noch mit netten Nachbarn, das ist für die meisten Senioren sehr schwer geworden. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Die Untersteinacherin hat dank der Baugenossenschaft Kulmbach das Richtige für sich gefunden: In der Hollergasse 5, einem Neubau mit 15 Wohneinheiten.

Die Wohnung ist nicht groß, etwas über 50 Quadratmeter, aber vorteilhaft geschnitten: Es gibt ein gemütliches Wohnzimmer mit Balkon und einer kleinen Küche, ein Schlafzimmer und ein großzügiges, barrierefreies Bad, im Keller noch Abstellfläche. "Das reicht. Ich habe hier alles, was ich brauche."

Die 66-Jährige wohnt zum ersten Mal zur Miete. In Untersteinach lebte sie im eigenen Haus, doch nach dem Tod ihres Mannes wollte sie dort nicht allein bleiben.

Lange Wartelisten

Viele sind auf der Suche, und nur wenige haben wie Irene Kinitz das Glück, das für sie Passende zu bekommen. "Es gibt bei weitem nicht genug Wohnungen in Kulmbach", sagt Udo Petzoldt, Vorstand der Baugenossenschaft. "Unsere Warteliste ist lang, 300 Leute aktuell. So schnell kann man gar nicht bauen, wie die Wohnungen gebraucht werden." Und es wird noch schlimmer, prophezeit Petzoldt: "Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in die Jahre kommen, dann brauchen wir noch viel mehr altengerechte Wohnungen. Die Demografie-Debatte wird die Klima-Debatte einholen, und beide werden dann nebeneinander hergaloppieren."

Eine Situation, die nach Ansicht des Baugenossenschafts-Vorstands vermeidbar gewesen wäre, hätte die Politik rechtzeitig die Weichen gestellt. "Es fehlt an Weitsicht. Wir diskutieren falsch und zu lang. Die Trends sind doch klar: Ein-Personen-Haushalte nehmen massiv zu, und das sind nicht nur junge Singles, sondern vor allem Ältere.Wir bereiten uns darauf vor, bauen viel in der Größenordnung 50 bis 60 Quadratmeter für ein bis zwei Personen."

1300 Wohnungen hat die Baugenossenschaft in Kulmbach. Etwa 150 davon sind altengerecht, behindertengerecht nur wenige, "weil da immense immense Anforderungen erfüllt werden müssen".

Petzoldt befürchtet, dass sich mit dem Uni-Campus die Wohnungssituation in Kulmbach verschärfen wird, gerade was den Markt an günstigen kleinen Wohnungen angeht. "Deshalb haben wir für einen Wohnungsgipfel plädiert. Der wäre einfach wichtig. Die Mietpreise werden steigen. Da wird mir himmelangst, gerade wegen der Menschen mit geringem Einkommen. Wir können das nicht auffangen, und auch die Städtebau nicht."

So viel wie möglich altengerecht

Seniorengerechte Wohnungen sind auch den Verantwortlichen der Städtebau GmbH ein Anliegen. Von den rund 500 verwalteten Wohnungen, davon 300 eigene, der Rest im Eigentum der Bürgerhospitalstiftung, ist allerdings nur ein Teil seniorengerecht. "Bei Sanierungen und Neubauten wird natürlich alles barrierefrei, teilweise auch rollstuhlgerecht gestaltet", betont Geschäftsführer Bernd Ohnemüller.

Wohnanlage nur für Senioren

Seniorengerecht und auch ausschließlich für Menschen ab 60 gedacht, ist die Luise-Fischer-Wohnanlage im Grünwehr mit 25 Wohnungen, dazu die Wohnungen im Grünwehr 11 und im Essighaus in der Spitalgasse. Das alte Gebäude Petzmannsberg 27 wird bald abgerissen. Anstelle der bisher zehn Wohnungen entstehen dort 13 neue, größer und barrierefrei. Noch hat der Bau nicht begonnen, doch die ersten Interessenten bewerben sich schon. "Die Nachfrage ist riesig", sagen Ohnemüller und Städtebau-Mitarbeiter Michael Münch. "Zur Zeit haben wir leider gar keine freien Wohnungen anzubieten."

Die Städtebau saniert gerade in der Dobrachstraße einen Wohnblock aus den 70er Jahren. Das Außengelände wird aufgeschüttet, sodass aus den früheren Balkonen im Halbparterre Terrassen werden, die barrierefreie Zugänge in die Wohnungen ermöglichen.

Um im Alter gut und zufrieden leben zu können, ist die passende Wohnung ein entscheidender Faktor, sagt Irene Kinitz.

Was man nicht kaufen kann

Ein Vorzug, den man nicht bauen und nicht mit Geld bezahlen kann, der aber unendlich wertvoll für die Rentnerin ist: "Wir sind eine tolle Hausgemeinschaft, alle per du. Wir helfen uns, wir treffen uns auf der Dachterrasse, es gibt kein böses Wort. In so einer Gemeinschaft fühlt man sich einfach wohl."

Kommentar: Wie wollen wir im Alter leben?

In jedem Lebensabschnitt haben wir andere Bedürfnisse. Als junge Leute wollen wir flexibel sein, die Wohnung muss nicht groß und darf auch unter dem Dach sein. Hauptsache günstig. Als Familie brauchen wir dann mehr Platz, gerne einen großen Garten dazu und auf dem Land.

Im Alter ist das Ganze dann wieder mindestens eine Nummer zu groß. Barrierefrei ist in diesem Lebensabschnitt nötig, und die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten, Arzt und Apotheke, Gaststätten und Veranstaltungen.

Derartige Wohnungen sind aber rar. Zu verstehen ist das eigentlich nicht: Die demografische Entwicklung ist keine Überraschung. Der Bedarf war vorhersehbar - und er wird weiter steigen. Schneller als man bauen kann.

Die Kulmbacher Baugenossenschaft und die Städtebau haben die Wichtigkeit der Aufgabe erkannt und handeln entsprechend, jeweils im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Es wird jedoch noch weiterer Anstrengungen bedürfen, damit langfristig ausreichend barrierefreier und dabei auch bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht.

Das wird nur mit gezielter Förderung seitens der Politik erreicht werden können. Dass die Aufgabe wichtig ist, daran besteht kein Zweifel - für ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter und für den sozialen Frieden.