Kulmbach
Burggeflüster

Wo Worte wenig wirken

Manchmal verzweifelt man schon an seinen Zeitgenossen.
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Als meine Frau und ich kürzlich auf dem Radweg bei Rothenburg unterwegs waren, führte uns unsere gut beschriebene Route auch zum Hornauer Weiher, dessen Abflussgraben als Ursprung der Altmühl gilt.

Ein älterer Mann, kommunikativ und mit Handy "bewaffnet", war offenbar auf der Suche nach eben dieser Quelle, um dort ein "Selftie" zu machen, wie er uns wissen ließ. An der Stelle, an der er uns ansprach, war der Beginn des Flusses jedenfalls nicht - das ging klar aus unseren Unterlagen hervor, die uns auch beschrieben, wie man tatsächlich dorthin kommen könnte.

Mein Versuch, den Mann darauf hinzuweisen, scheiterte kläglich, denn immerhin wisse er genau, wo er suchen müsse, erklärte er uns. Und dabei hatte ich den Eindruck, dass meine Worte ihn gar nicht wirklich erreichten, weil er sich ja so sicher war.

Also wünschten wir ihm ganz freundlich noch einen schönen Tag, schwangen uns auf unsere Sättel und radelten weiter in Richtung Altmühl-Quelle. Unser Gesprächspartner aber schritt unverdrossen in die andere Richtung davon, frohgemut auf der Suche nach seinem "Selftie"-Motiv.

Mein Leben lang bin ich überzeugt davon gewesen, dass Worte wahrhaftig wirken. In jüngster Zeit wecken manche Gespräche bei mir tatsächlich leise Zweifel. Diese Begegnung jedenfalls war ein Beispiel dafür, dass mancher Zeitgenosse tatsächlich in seinem eigenen Kosmos schwebt - und offenbar durch Worte einfach nicht erreichbar ist.



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