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Wirsberg
Kerwatradition

Wirsberger Schürzenjäger blasen zum Sturm

Derb geht es zu im Vereinslokal, das für gewöhnlich Hotel-Gasthof Hereth heißt, am Kerwamontag aber kurzerhand zum "Gasthof zum wilden Mann" wird. Und Mann lässt da auch die Sau raus, nimmt nicht nur mit frivolem Witz sich und die Damenwelt, sondern auch die lokale Politprominenz auf's Korn.
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Schürzenjäger-Präsident  Karl-Heinz Krüger (links) bringt das rote Windrad von  Bürgermeister Hermann Anselstetter  (Philipp  Simon Goletz) beim Derblecken im "Gasthof zum wilden Mann" in  Schwung.  Fotos: Alexander  Hartmann
Schürzenjäger-Präsident Karl-Heinz Krüger (links) bringt das rote Windrad von Bürgermeister Hermann Anselstetter (Philipp Simon Goletz) beim Derblecken im "Gasthof zum wilden Mann" in Schwung. Fotos: Alexander Hartmann
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Es ist Schürzenjäger-Zeit in Wirsberg: Stammtisch-Präsident Karl-Heinz Krüger, der Zylinderhut trägt, schont Nichts und Niemanden. Wer auf der Straße durch die geschlossenen Fenster den Schlachtruf "Einmal Schürzenjäger, immer Schürzenjäger" hört, der weiß, dass die Uhren an diesem Montag anders ticken. "Kerwa, Kerwa, Kerwa ist heut'" tönt es aus den über 50 Kehlen, die zur Musik von Philipp Simon Goletz die Wirtsstube zum Tollhaus machen, und die - schon kräftig geölt - auch das vom Bayern-1-Barden komponierte Vereinslied "Der Schürzenjäger-Dorscht" intonieren.


Eine durstige Gesellschaft


Durscht, das wird deutlich, haben die Wirsberger. Karl-Heinz Krüger muss keine große Überzeugungsarbeit leisten, um neue Durstige als Stammtisch-Mitglieder zu gewinnen. "Trinke und spiele, denn nach dem Tod gibt es kein Vergnügen mehr", lautet der Wortlaut des Eides, den diese an der Vereinsfahne leisten. Der sie aber nicht davor bewahrt, selbst einmal zur Zielscheibe bissigen Humors zu werden. Einer, der es beim Derblecken immer abbekommt, ist zweiter Bürgermeister Karlheinz Opel.

Der Kerwasitzung fernbleiben - das kommt für ihn aber nicht in Frage. "Die wissen schon, dass ich was vertrage", sagt Opel, der diesmal selbst verschont wird und sich wie viele Schürzenjäger wundert, als plötzlich Bürgermeister Hermann Anselstetter auftaucht. "Der war noch nie da. Und ich mache schon 17 Jahre mit", weiß Philipp Simon Goletz, der sich mit einer Gesichtsmaske als Anselstetter-Double gibt. Die Menge tobt, als Krüger Ansel stetter (Goletz) ein kleines rotes Windrad übergibt und zum Sturm bläst.


Auferstanden aus Ruinen ...


Die Windkraft ist das Thema, das den Luftkurort bewegt. Und natürlich auch das Hochzeitsmuseum. Keine Frage, dass die Schürzenjäger auch die Museumspläne aufgreifen. Da fragt sich Karl-Heinz Krüger, was die Gemeinde aus den beiden erworbenen Häusern am Marktplatz machen will, verteilt dann aber schon mal fleißig Freikarten und reimt in Anlehnung an die DDR-Nationalhymne: "Auferstanden aus Ruinen ist das schöne Hochzeitsdorf."


Mit der Kutsche durch das Dorf


Durch das ziehen die Schürzenjäger nach dem Derblecken stimmgewaltig - mit einer von einem Traktor gezogenen Kutsche, auf der neben dem Präsidenten auch Zeilenverwalter Armin Kurz, Gabenpfleger Edgar Sachs und Philipp Simon Goletz Platz finden. Der Männerchor singt lautstark und zieht so auch die Blicke so mancher Frau auf sich, für die der "Wilde Mann" am Vormittag Sperrzone war.


Frauen lässt das kalt


Zum Derblecken eingeladen waren nur die Wirtinnen Hertha Anselstetter (Gaststätte Göringsbruck) und Ingrid Ellner (Gasthof Schorgasttal), die den Stammtisch am Nachmittag zum Umtrunk laden. Gern gesehen ist natürlich aber auch Lisl Hereth, die die Schürzenjäger seit 40 Jahren bedient. Mit den derben Sprüchen der Männer hat sie sich längst abgefunden. "Was ich heute höre, habe ich morgen wieder vergessen", sagt Hereth, die wie jeder Wirsberger weiß: Am Kerwamontag herrscht der absolute Ausnahmezustand.
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