Rugendorf
Ausbildung

Wirbel in Rugendorf: Steht die Schule vor dem Aus

Gerüchte über eine bevorstehende Schließung der Grundschule haben in Rugendorf für Aufregung gesorgt. Das sei kein Thema, beruhigen die Verantwortlichen.
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Die kleine Rugendorfer Grundschule leidet nächstes Schuljahr unter Schülermangel. Danach sind wieder mehr Abc-Schützen im Anmarsch.Archiv
Die kleine Rugendorfer Grundschule leidet nächstes Schuljahr unter Schülermangel. Danach sind wieder mehr Abc-Schützen im Anmarsch.Archiv
Wird die Schule in Rugendorf geschlossen? Stehen die Kinder am Nachmittag fortan ohne Betreuung da? Viele Fragen und Gerüchte kursieren derzeit, was die Schule in Rugendorf angeht. Doch vorerst ist Panik unnötig.

Hintergrund der Gerüchte ist, dass es Schwierigkeiten bei der Klassenbildung gibt. Die Rugendorfer Schule ist keine eigenständige Schule, sondern ein Außenstandort der Grundschule Stadtsteinach. In der Kombiklasse 3 und 4 im kommenden Schuljahr würden nach jetzigem Stand elf Kinder in Rugendorf unterrichtet. Die in Stadtsteinach angesiedelte 4. Klasse hätte dagegen 29 Kinder. Beides widerspricht den Vorgaben des Staatsministeriums.

Rein rechtlich dürfen in einer Klasse zwischen 12 und 28 Kinder sein. Und: Die Klassenstärke muss ausgeglichen verteilt werden. Dass die Verteilung von 11 und 29 nicht ausgeglichen ist, liegt auf der Hand. Wäre die Schule jetzt tatsächlich unter einem Dach, so würden einige Kinder von der großen Klasse in die kleine Klasse wechseln. Unter den gegebenen Umständen ist das nicht so einfach.

Schuldirektor Michael Pfitzner könnte natürlich Schüler einfach von Stadtsteinach nach Rugendorf stecken. Das will er aber nicht. "Über die Köpfe der Schüler und Eltern hinweg: Das ist für mich keine Option", betont er. Er hofft immer noch darauf, dass sich einige Eltern dazu entschließen, ihre Kinder in die Kombiklasse zu schicken. "Wir müssen weg gehen von dem Gedanken, dass die Rugendorfer Kinder in die Rugendorfer Schule gehen und die Stadtsteinacher automatisch in die Stadtsteinacher Schule. Wir sind eine gemeinsame Schule!" appelliert er.

"Manchen Kindern tun die Kombiklasse und die kleine Schule sehr gut", so Pfitzner. Der Schulstandort in Rugendorf ist eine extrem kleine Gemeinschaft. Nach derzeitigem Stand werden dort im kommenden Jahr in allen vier Klassen (zwei Kombiklassen) 29 Kinder unterrichtet - plus ein paar wenige, die hoffentlich noch dazu kommen. Die Klassen sind klein, und die Kombiklassen ermöglichen es, dass alter Stoff häufiger wiederholt wird: Es gibt mehr Gruppenarbeit und individuellere Betreuung. Pfitzner sieht viele Vorteile.

Vor allem auch für zurückhaltendere Schüler, denn Auseinandersetzungen mit den Größeren gibt es nicht. In Rugendorf geht es nur bis zur vierten Klasse. Pfitzner hält es für durchaus möglich, dass noch einige Eltern seine Einschätzung teilen. Bis Montag hätten sie noch Zeit sich für Rugendorf zu entscheiden.

Sollten sich keine Eltern mehr umstimmen lassen, so bedeutet das noch immer nicht zwangsläufig das Aus für die Rugendorfer Schule. Es wäre dann zum Beispiel möglich, dass nur die 1. und die 2. Klasse dort unterrichtet wird. Michael Hack vom Staatlichen Schulamt Kulmbach sieht das allerdings nicht ganz unkritisch. "Dann hätten wir nur eine Lehrkraft dort. Das birgt schon einige Schwierigkeiten. Dieser Lehrer wäre durchgehend Ansprechpartner für die Kinder. Er hätte nie Pause. Und wenn etwas passiert - einem Schüler oder auch der Lehrkraft selbst - ist kein Erwachsener zum Aufpassen mehr da." Dennoch ist diese Variante nicht ausgeschlossen.

Möglich wäre theoretisch auch der umgekehrte Fall: Dass zusätzliche Klassen nach Rugendorf kommen. Es gäbe allerdings noch eine weitere Alternative. Vor dieser haben viele Rugendorfer Angst: Der Schulstandort Rugendorf könnte für ein Schuljahr lang gar nicht beschult werden.

Hört sich erstmal dramatisch an - muss es aber gar nicht sein. Denn die niedrigen Schülerzahlen betreffen nur die vierte Klasse im kommenden Schuljahr. In den Jahren danach sind die Schülerzahlen voraussichtlich wieder recht stabil mit mindestens 13 Kindern in Rugendorf und rund 26 Kindern in Stadtsteinach. Pfitzner rechnet fest damit, dass danach wieder Unterricht in Rugendorf stattfinden würde.

Nachhaltige Angst um den Schulstandort Rugendorf ist derzeit daher nicht geboten, versichern Pfitzner und auch Michael Hack vom staatlichen Schulamt. Einige Eltern haben dennoch Angst, ihre Rugendorfer Kinder würden am Nachmittag nicht mehr betreut, wenn der Unterricht in Stadtsteinach stattfindet. Die Mittagsbetreuung in Rugendorf werde von der Gemeinde finanziert, betont Bürgermeister Ralf Holzmann. Wenn die Schule tatsächlich schließe, stehe auch hinter dem Hort ein dickes Fragezeichen, so Holzmann.

Klarer und auch unkomplizierter für den Schulstandort Rugendorf wäre es, wenn sich einige nächstjährigen Viertklässler für den Standortwechsel entscheiden würden. Das findet auch Sandra Zeitler von der Interessensgemeinschaft zum Erhalt der Grundschule Rugendorf: "Alle 29 Rugendorfer Kinder müssten nach Stadtsteinach. Oder aber es entscheiden sich wenigstens zwei oder drei Stadtsteinacher Eltern für Rugendorf und unsere kleine Schule. Dann könnten die Rugendorfer Schüler bleiben, wo sie sind, und unsere familiäre Schulfamilie kann ohne Unterbrechung erhalten werden." Dienstag wird entschieden, wie die vierten Klassen eingeteilt werden. Danach werden auch die weiteren Klassen verteilt.


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