Lochau

Windpark-Pläne sorgen für Debatte in Lochau

Windenergie, ja! Doch direkt vor der eigenen Haustür? Viele Bürger sind da kritisch. Auch in Lochau. Das ist bei der Bürgerversammlung deutlich geworden. Was eigentlich als Informationsveranstaltung mit Gedankenaustausch geplant war, entwickelte sich stellenweise zum erbitterten Wortgefecht.
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Die Windkraft-Karte im Bereich Lochau. Der rosa/weiße Teil war die ursprüngliche Planung. Wegen des Wasserschutzgebiets bei Alladorf wurde umdisponiert. Jetzt markiert der grün-weiße Bereich die Fläche, auf der die Windräder aufgestellt werden sollen.
Die Windkraft-Karte im Bereich Lochau. Der rosa/weiße Teil war die ursprüngliche Planung. Wegen des Wasserschutzgebiets bei Alladorf wurde umdisponiert. Jetzt markiert der grün-weiße Bereich die Fläche, auf der die Windräder aufgestellt werden sollen.
von Katharina Müller-Sanke

Das Thema ist hoch brisant. Der Regionale Planungsverband Oberfranken-Ost hat in der gesamten Region Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausgewiesen. Drei davon liegen im Gemeindegebiet Thurnau. Bei zwei Gebieten gibt es kaum Widerstand. Schon 2014 sollen sich beispielsweise bei Kleetzhöfe die ersten Rotoren drehen.
Die dritte Vorrangfläche hat es aber in sich: Bei Lochau, an der Gemeindegrenze zu Eckersdorf im Landkreis Bayreuth, sollen nach jetzigen Planungen elf Windräder aufgestellt werden - fünf auf dem Gemeindegebiet von Thurnau, sechs auf Eckersdorfer Grund. Was vielen Lochauern sauer aufstößt: Die bis zu gut 200 Meter hohen Räder würden praktisch halbkreisförmig um den Ort aufgebaut.

Die Firma Primus Energie hat die Planungen für den Windpark inne und bittet um Verständnis. Man halte den Regionalplan Oberfranken Ost voll ein, betont Matthias Schelter, Diplom-Geograph und Prokurist bei Primus Energie. Auch die Abstände zur Ortschaft seien mit mindestens 700 Metern genau im Soll.

Der Regionalplan legt fest, an welchen Stellen in der Region Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausgewiesen werden. Aufgrund der Ausweisung spezieller Flächen kann außerhalb dieser Vorranggebiete kein Windrad aufgestellt werden: So will man der "Verspargelung" der Landschaft entgegentreten.

So viele Flächen wie möglich

Dass der Regionale Planungsverband so viele Flächen wie möglich ausweist, kommt nicht von ungefähr. Das Vorhaben der Staatsregierung ist es, dass bis 2021 mehr als die Hälfte der verbrauchten Energie aus regenerativen Quellen stammt. Der Anteil der Windenergie soll dazu von 0,6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr auf fünf bis neun Milliarden erhöht werden. In acht Jahren sollen damit bereits bis zu zehn Prozent des verbrauchten Stroms aus Windkraft erzeugt werden. Ein ehrgeiziges Ziel. Denn, so rechnet Martin Füssel, bei der Regierung von Oberfranken zuständig für den Regionalen Planungsverband Oberfranken-Ost, vor, bayernweit müssen dazu noch 1000 bis 1500 neue Anlagen entstehen.

Dass in größeren Dimensionen gedacht wird, kommt auch der Firma Primus Energie zugute: Man müsse einen mehrere Millionen Euro teuren Generator bauen und kilometerlange Kabel verlegen, da müsse der Ertrag dementsprechend sein, sagt deren Vertreter.

Vielen Lochauern sind elf Windräder aber zu viel. Auch der Gemeinderat Thurnau hat in einer seiner letzten Sitzungen festgelegt, dass er erhebliche Bedenken bei elf Windrädern rund um Lochau hat, wie Bürgermeister Dietmar Hofmann (SPD) vor den Lochauern betont. Man habe dies auch bereits dem Regionalen Planungsverband mitgeteilt, der in seiner nächsten Sitzung Mitte Juli über das Thema beraten werde.

Eigentümer haben bereits zugestimmt

Wie viele Windräder es am Ende tatsächlich geben wird, steht in den Sternen. Eines ist zumindest klar: Genügend Lochauer sind auch für die Windräder, denn alle betroffenen Flächeneigentümer habe einer Verpachtung bereits zugestimmt. Und auch in der Bürgerversammlung meldeten sich Befürworter zu Wort.

Um herauszufinden, was die Lochauer wirklich möchten, wird es eine weitere Info-Veranstaltung geben - dann nur für die Lochauer, die ihre Meinung offen sagen sollen. Die Meinung der Bürger wird nämlich sehr wohl gehört, wie Bürgermeister Hofmann und Martin Füssel vom Regionaler Planungsverband feststellten. Die jetzt vorgelegten Pläne seien nur die Entwürfe der Firma. Diese liegen jetzt beim Landratsamt und warten auf ihre Genehmigung. Der Planungsverband hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Seit zwei Jahren läuft der Prozess. Auch die Firma Primus räumt ein: "Wir sind noch ganz am Anfang."
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