"Es war, als hätte mein Vater dort gesessen und gespielt." Mechthild Freifrau von Künßberg ist berührt, begeistert, ja richtig beseelt vom Spiel Ingo Dannhorns beim Wilhelm-Kempff-Festival zu Ehren ihres Vaters in Thurnau.


In Thurnau und Positano gelebt


Der Pianist und Komponist Kempff stammt aus Potsdam und hat nach dem Krieg mehrere Jahre in Thurnau und später in der heutigen Partnerstadt Positano gelebt. Zum Auftakt des Wilhelm-Kempff-Festivals gab es für die Besucher einen Überblick über sein Lebens.

Der Abend ist besetzt mit zwei hochkarätigen Künstlern: Ingo Dannhorn ist ein "Enkelschüler" Kempffs am Klavier und seinem Werk damit in besonderer Weise verbunden. Er ist Preisträger unter anderem des Beethoven-Wettbewerbs in Wien und der "Sydney International Piano Competition" und unterrichtet an der "Yonsei University " in Seoul Klavier.


Ein "Rosenheim Cop" als Sprecher


Begleitet wurde er von Sprecher Max Müller, den viele aus der Fernseh-Serie "Rosenheim Cops" kennen. Müller ist ausgebildeter Opernsänger der Hochschule für Musik in Wien. Beide Männer gemeinsam hauchten Kempff an diesem Abend ein Stück Leben ein.

"Auch wenn es für mich als Kärntner gar nicht so leicht war, in einen Preußen hineinzuschlüpfen", lachte Müller nach dem Konzert. Doch er ist Profi genug, dass es ihm glückte. Beide Männer sind große Verehrer Kempffs und seiner Arbeit. Und das wurde in jeder Zeile und jeder Note deutlich. Müller zitierte aus Aufzeichnungen Kempffs zu verschiedenen Zeiten dessen Lebens.

Der geneigte Zuhörer erfuhr, wie der Wilhelm Kempff als Kleinkind bereits selbst übte, Klavier zu spielen und in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Die Zuhörer hörten von Konzerttourneen und von der schweren Zeit nach dem Krieg, die Kempff mit Frau und Kindern im Thurnauer Schloss verbracht hat.


Mal zart, mal stürmisch


Sie erfuhren von seinen Krankheiten, von seiner Sicht auf die Musik - und als Zugabe rezitierte Müller noch einmal die Friedensrede, die Kempff in den 1950er Jahren in Hiroshima gehalten hatte. Dazu und dazwischen spielte Dannhorn in unfassbar zarter, stürmischer und emotionaler Art die passenden Stücke zur jeweiligen Lebensphase: Beethoven, Liszt, Mozart und Schubert.

Kempffs Tochter Mechthild von Künßberg sowie Landrat Klaus Peter Söllner waren Schirmherren des Abends, und beide waren begeistert. "Das Wilhelm-Kempff-Festival kann sich ohne weiteres zur kulturellen Perle der Region entwickeln", freute sich Söllner.

Und auch die Künstler waren glücklich: Ein ausverkauftes Kutschenhaus und begeisterten Applaus der Zuhörer nach einem langen, aber nicht langatmigen Konzertabend: Was kann man sich mehr wünschen?