Kulmbach
Burggeflüster

Wieder mal nicht getraut

Wohin mit den Kippen? Einfach auf die Straße werfen? Unmöglich - findet unsere Autorin.
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Foto: Katrin Geyer
Foto: Katrin Geyer

Ich habe einen Traum. Einen klitzekleinen, ein wenig fiesen Traum. Der Traum wäre leicht wahr zu machen. Aber ich habe mich noch nie getraut.

Der Traum geht so: An einer Ampel, die Rot zeigt, steht ein Auto. Ich stehe dahinter, daneben, mit dem Auto, mit dem Fahrrad.... egal. Der Autofahrer hat das Fenster einen Spalt offen. Rauchschwaden quellen heraus. Ganz offensichtlich sitzt in dem Fahrzeug ein Kettenraucher, der selbst im Auto nicht auf seinen Glimmstengel verzichten kann. Plötzlich schiebt sich durch den Spalt eine Hand und schnippt die Zigarettenkippe auf die Straße, wo sie noch ein bisschen vor sich hin qualmt.

Da komme ich ins Spiel: Ich hebe die Kippe auf, werfe sie zurück ins Auto - und sage mit dem hinreißendsten Lächeln, zu dem ich fähig bin: "Ich glaube, Sie haben das was verloren." Aber ich traue mich nicht.

Ich habe mich auch nicht getraut, als neulich vor dem Eingang unseres Firmengebäudes plaudernd ein Grüppchen Männer im dunklen Anzug stand, einer mit einer Zigarette in der Hand. Kunden einer Nachbarabteilung vermutlich. Das schloss ich daraus, dass auch ein Kollege aus jener Abteilung dabeistand.

In dem Moment, als ich um das Grüppchen herumsteuerte um zur Eingangstür zu kommen (ist man früher nicht ab und zu mal ein bisschen zur Seite gerückt um Platz zu machen?).... in dem Moment also schnippte mir der Zigarettenmann seine Kippe direkt vor die Füße. Zu gerne hätte ich die Kippe aufgehoben und dem Mann mit einem netten Lächeln in die Hand gedrückt: "Sie haben da was verloren..."

Aber wie gesagt: Es handelte sich vermutlich um Kundschaft, und die will man ja nicht verprellen. Obwohl: Sind das angenehme Kunden, die ihren Dreck einfach auf die Straße schmeißen?

Vielleicht traue ich mich irgendwann doch mal.

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