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Kulmbach
Diskussion

Wie teuer wird das Taxi in Kulmbach?

Die Einführung des Mindestlohns macht der Branche Sorgen. Die meisten Taxi-Unternehmer befürworten eine Preiserhöhung um 25 Prozent, wenige ein moderates Vorgehen. Viele prophezeien Entlassungen. Und das Landratsamt muss entscheiden.
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Die Preise müssen steigen, sagen die Taxifahrer. Foto: Jürgen Gärtner
Die Preise müssen steigen, sagen die Taxifahrer. Foto: Jürgen Gärtner
Taxifahren muss teurer werden. Für Dieter Degelmann von Taxi Kerl steht das außer Frage. Um 25 Prozent müssten die Preise steigen, damit die Folgen des Mindestlohns aufgefangen werden können, fordert er. Das schmerze vielleicht den einen oder anderen Kunden, aber: "Seit zehn Jahren sind die Preise nicht mehr angehoben worden."

Drei Euro Grundgebühr werden bei einer Taxifahrt in den Landkreisgrenzen fällig, die ersten beiden Kilometer kosten dann 1,60 Euro. Jeder weitere Kilometer schlägt mit 1,50 Euro zu Buche. Degelmann fordert zudem Nacht-, Feiertags- und Festzuschläge. So wie bei den Nachbarn in Bayreuth. "Dort gibt es einen Nachtzuschlag und einen Festzuschlag bei den Festspielen." In Hof würden die Gebühren zum 1. Januar um 28 Prozent steigen, sagt er.

Für Degelmann ist der Mindestlohn "eine Riesenkatastrophe", die Kündigungen zur Folge haben könnte.
Zumal die Taxifahrer ihre Preise nicht wie andere Betriebe selbst festlegen dürfen, sondern das in der Zuständigkeit des Landratsamtes liegt. Das sieht selbst der Sachgebietsleiter Verkehrswesen im Landratsamt, Manfred Amschler, als kurios an. Er verweist mit Blick auf die Nachbarlandkreise auf ein "übliches Preisgefüge" in Kulmbach.

Den Wunsch nach einer 25-prozentigen Erhöhung habe jedenfalls bislang noch kein Unternehmer an ihn heran getragen. Lediglich eine geringe Anhebung sei vor etwa eineinhalb Jahren im Gespräch gewesen. Auch gebe es unterschiedliche Meinungen der Taxi-Unternehmer. "Manche wollen nur eine moderate Erhöhung", so Amschler. Er geht von einer zeitnahen Tarifänderung aus. Ob die noch in diesem Jahr erfolgen soll, kann er nicht sagen. "Wir müssen einladen und schauen, dass wir die unterschiedlichen Wünsche unter einen Hut bekommen."

Das sagen die Kulmbacher Taxiunternehmer zum geplanten Mindestlohn:

Harald Braun (Taxi Braun): In Kulmbach gibt es kein Nachtleben, da bekäme der Fahrer nach Einführung des Mindestlohns für eine Nacht mehr ausbezahlt, als er Umsatz macht. Die Tarife müssten um bis zu 30 Prozent steigen, und das ist noch wenig. Auch die Krankenkassen müssten für Patientenfahrten mehr zahlen, da reißt sich keiner mehr drum.

Monika Gräf (Taxi Gräf): Natürlich muss man die Preise erhöhen, um 25 Prozent wäre angemessen. Ob es Entlassungen geben wird, hängt damit zusammen, ob für die Bezahlung die Standzeiten mit eingerechnet werden oder nur die reine Fahrzeit zählt. Bislang fahren die Fahrer auf Provisionsbasis, anders kann man das eigentlich nicht machen.

Klaus Grünhagen (Taxi Kendzia): Eine enorme Preiserhöhung um 25 bis 30 Prozent wird nicht viel bringen, die kostet höchstens Kundschaft und ist in einer Kleinstadt wie Kulmbach schwierig umzusetzen. Eine moderate Anhebung ist in Ordnung, auch ein Nachttarif wäre nicht schlecht. Der Mindestlohn ist eine ätzende Geschichte, seit Jahrzehnten werden die Fahrer auf Provisionsbasis bezahlt.

Uli Müller (Taxi Union): Die Tarife müssen nicht nur um 25 Prozent steigen, sondern die Zahl der Taxis muss zugleich um 25 Prozent sinken. Es gibt einfach zu viele Konzessionen - auch in Kulmbach. Selbst wenn der Tarif steigt, sind es immer noch zu viele Fahrzeuge. Problematisch wird der Mindestlohn vor allem für Firmen mit vielen Angestellten.

Max Zier (Taxi Zier): Die Kosten steigen sowieso schon, wenn man dann noch mehr Lohn zahlen muss, bringt man als Unternehmer Geld mit. Eine Tarif erhöhung von 25 bis 30 Prozent ist realistisch. Zum Glück liegt unser Schwerpunkt auf Busfahrten, das Taxigeschäft läuft nur nebenbei. Wenn wir nur Taxis hätten, wären wir schon verhungert.

Der Vorsitzende des Landesverbands bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen, Frank Kuhle, sieht durch den Mindestlohn große Probleme auf die Branche zukommen, vor allem in den strukturschwächeren Gebieten. "Es gibt Landkreise wie Main-Spessart, da ist ein Taxi am Tag etwa 2,5 Stunden ausgelastet. Dort kann kein Unternehmer einem Fahrer 8,50 Euro für acht Stunden zahlen."

Doch wie soll das Dilemma gelöst werden? Da gibt es Kuhle zufolge nur zwei Möglichkeiten: weniger Fahrzeuge auf die Straße schicken - oder die Tarife erhöhen.

Letzteres sieht er als problematisch an: "Je teurer das Taxifahren wird, desto niedriger ist die Nachfrage." Also bleibe nur eine Verringerung des Angebots - und damit einhergehend ein Stellenabbau.

Rund 6000 Taxis sind nach Einschätzung von Frank Kuhle in Bayern unterwegs. Allein in der Landeshauptstadt München gebe es zwischen 8000 und 10 000 Fahrer, bayernweit seien es zwischen 40 000 und 50 000 - inklusive der Saisonkräfte, die nur zu besonderen Anlässen, beispielsweise dem Oktoberfest, im Einsatz sind.

Abschließend verweist Frank Kuhle auf Erfahrungen aus dem Ausland. In Holland sei schon vor vielen Jahren ein Mindestlohn eingeführt worden. Seitdem gebe es dort keine festangestellten Fahrer mehr, dort würden nur noch die Taxi-Unternehmer selbst am Steuer sitzen. Denn auf die habe die Einführung des Mindestlohns keine direkten Auswirkungen.

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