Kulmbach
Behinderung

Wie geht man richtig mit Menschen um, die eine Behinderung haben?

Darf ich? Soll ich? Oder doch lieber nicht? Sebastian Müller aus Untersteinach, selbst mehrfach schwerbehindert, hat einfache Regeln zusammengestellt, um unbeschwert und ohne Berührungsängste mit diesen Menschen umgehen zu können.
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Sebastian Müller stammt aus Untersteinach, ist mehrfach schwerbehindert und als studierter Sozialpädagoge jetzt beim Büro "Leichte Sprache" in Regensburg tätig. Foto: Dagmar Besand
Sebastian Müller stammt aus Untersteinach, ist mehrfach schwerbehindert und als studierter Sozialpädagoge jetzt beim Büro "Leichte Sprache" in Regensburg tätig. Foto: Dagmar Besand
Reden Sie MIT den Menschen, nicht ÜBER deren Köpfe hinweg.

Das bedeutet, dass man Menschen mit Behinderung in der Anrede nicht übergehen und das Gespräch mit der Begleitperson suchen sollte. Sie können Menschen mit Behinderung auf die gleiche Art und Weise ansprechen, wie Sie das mit Menschen ohne Behinderung machen würden. Der Mensch mit Behinderung weiß über sich selbst am besten Bescheid.


Unterstützung anbieten, aber Reaktion abwarten.

Generell ist es höflich, wenn Sie Ihre Hilfe anbieten. In der Regel wird Ihr Hilfsangebot auch von den meisten Menschen mit Behinderung angenommen werden. Wichtig dabei ist allerdings zu beachten, dass Sie geduldig die Antwort der behinderten Person abwarten, bevor Sie Ihre Hilfe in die Tat umsetzen.
Akzeptieren Sie in diesem Zusammenhang bitte auch freundlich, wenn jemand Ihre Hilfe nicht in Anspruch nehmen möchte.


Kommunizieren Sie lieber zu viel als zu wenig.

Speziell für blinde oder sehbehinderte Menschen ist es hilfreich, wenn Sie ausführlich kommunizieren (z.B. bei der Begrüßung). Für diese Menschen ist es auch eine große Hilfe, wenn Sie beim Betreten eines Zimmers Ihren Namen sagen oder Bescheid geben, wenn Sie das Zimmer wieder verlassen. Ausführliche Kommunikation kann aber auch bei der Unterstützung von mobilitätseingeschränkten Menschen helfen. Hiermit kann vermieden werden, dass es aufgrund von Unwissenheit zu falschen Handgriffen kommt. Bei einem Gespräch mit behinderten Menschen sollte zudem darauf geachtet werden, dass Sie Ihren normalen Sprachstil beibehalten und nicht in die "Babysprache" verfallen.


Beachten Sie die Distanzzonen.
Auch im Umgang mit Menschen mit Behinderung ist es wichtig, die Distanzzonen zu beachten und einzuhalten. Fremden erwachsenen Menschen sollten Sie selbstverständlich nicht ohne weiteres den Kopf streicheln oder die Schulter tätscheln. Das bedeutet, Menschen mit Behinderung sollte mit dem gleichen Respekt gegenübergetreten werden wie allen anderen Menschen.


Keine Angst vor gewohnten Redewendungen.

Sagen Sie ruhig "Auf Wiedersehen" zu einem blinden Menschen und fragen Sie den Rollstuhlfahrer, ob er mit Ihnen ins Kino gehen möchte. An diesen gängigen Formulierungen stören sich Menschen mit Behinderung in der Regel nicht.


Der Dolmetscher bzw. Assistent hat die Nebenrolle.

Wenn ein Assistent oder Gebärdensprach-Dolmetscher bei einer behinderten Person dabei ist, wird Folgendes empfohlen: Sehen Sie beim Sprechen nicht den Assistenten oder Gebärdensprachdolmetscher an, sondern Ihren Gesprächspartner selbst und wählen Sie die direkte Anrede mit "Sie" bzw. "Du". Ihr Gesprächspartner hat die Hauptrolle, während der Assistent die Nebenrolle einnimmt. Dies fassen Assistenten bzw. Gebärdensprachdolmetscher nicht als Unhöflichkeit auf.

Suchen Sie Blickkontakt.

Sie schenken einem Menschen Ansehen, indem Sie ihn ansehen. Für schwerhörige Menschen ist dies allerdings nicht nur eine Höflichkeit, sondern auch besonders wichtig, um selbstständig kommunizieren zu können. Menschen mit Hörbeeinträchtigung sind nämlich beim Verstehen besonders auf die Gestik und Mimik angewiesen. Wer schon einmal eine Person bei einem Vortrag erlebt hat, die mit dem Rücken zum Publikum stand, kennt diesen Effekt.


Keine plumpe Neugier.

Hiermit ist gemeint, dass Sie Menschen mit Behinderung nicht mal eben so im Vorbeigehen fragen sollten, weshalb sie eine Behinderung haben. Derartige Nachfragen erfordern einen besonderen Gesprächsrahmen und gehören nicht unbedingt in Einstiegsbereiche von Bussen, U-Bahnen oder Zügen. Anstarren gehört überdies auch nicht zu den guten Umgangsformen und sollte deshalb auch gegenüber Menschen mit Behinderung vermieden werden.


Die Behinderung ist nur ein Merkmal von vielen.

Ein Rollstuhlfahrer ist ein Mann und vielleicht ein Angestellter, Vereinsmitglied, Vater, Fußballfan und Steuerzahler. Seine Behinderung ist nur ein Merkmal von vielen. Deshalb sollte darauf verzichtet werden, Menschen mit Behinderung auf ihre Beeinträchtigung zu reduzieren.

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