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Kulmbach
Hilfsmittel

Wie die Kulmbacher Färber ihr "blaues Wunder" erlebtem

Die Handwerker der ehemaligen markgräflichen Färberei und Mang in Kulmbach arbeiteten früher mit vollem Körpereinsatz: Oben Bier einfüllen, dann kommt unten das raus, was den Waid sein Blau abgeben lässt. Und oft mussten sie noch bei Nachbarn "Nachschub" holen.
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Historische Aufnahme von der alten Dampffärberei Kaeppel
Historische Aufnahme von der alten Dampffärberei Kaeppel
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Am Ende des Oberhackens in Kulmbach steht ein wunderschönes Fachwerkhaus, die ehemalige markgräfliche Färberei und Mang. Anhand dieses Gebäudes befasst sich der Autor mit den Redensarten "blau machen" und "sein blaues Wunder erleben". Eindeutig geklärt ist die Herkunft nicht, eine der wahrscheinlichsten Deutungen kommt sicherlich aus dem Bereich des Färbens.

Das Blaufärben ist ein sehr interessantes Färbeverfahren. Bevor Indigo nach Europa eingeführt wurde, verwendete man den Färberwaid. Er wurde früher regional, speziell in Thüringen, großflächig angebaut und war für die Bauern eine gute Einnahmequelle.

Wenn blaugefärbt werden sollte, wurde bereits Tagen davor Urin gesammelt. Ohne Harnstoff würde der Waid die Färbestoffe nicht abgeben. Die Gesellen gingen oft mit Eimern von Haus zu Haus, damit auch eine entsprechende Menge zusammenkam.

Weil Alkohol die blaue Farbe noch verstärken sollte,hieß es, dass die Farbe mit dem Urin von Männern, die viel Alkohol getrunken haben, am besten werde. Das war natürlich ein willkommener Anlass für die Färber, in den Tagen davor möglichst viel zu trinken.

Passte das Wetter, wurde der Urin in Bottiche gekippt und der Färberwaid hinzugegeben. Die Brühe musste tagelang in der Sonne gären. Weil dabei natürlich auch Flüssigkeit verdunstete, musste immer wieder Urin nachgefüllt werden: Für die Färber gab es wieder reichlich Bier .

Am Sonntag oder manchmal auch erst am Montagmorgen wurden die Tuche etwa zwölf Stunde in die stinkende Brühe gelegt. Für die Färber gab es an diesem Tag nicht viel zu tun. Anschließend wurden die Stoffe aus dem Färbetrog genommen und unter dem vorspringenden Obergeschoss zum Trocknen aufgehängt.

Farbwechsel durch Oxidation

Jetzt konnte man sein "blaues Wunder" erleben. Die gefärbten Tuche kamen nämlich in einer dunklen Farbe aus dem Bottich. Durch Oxidation an der Luft färbten sie sich langsam um, von zunächst Gelb in Grün und schließlich in Blau.

Manchmal klebten die noch feuchten Tuche auf den Leinen aneinander. Damit der Sauerstoff auch an zusammengeklebte Stellen kam, fuhren die Färber mit langen Stangen dazwischen und schlugen die Stoffbahnen kräftig auseinander. Im Volksmund sagte man dazu: "Sie schlugen die Tuche grün und blau."

Die Färberei und Mang in Kulmbach hat eine sehr lange Geschichte. Bereits 1518 wurde das Gebäude vom Mangmeister Wolf Kyssling errichtet. Er hat damit den Grundstein für eine lange Färbertradition gelegt.

Das Lehenbuch verzeichnet, dass die Mang der Herrschaft Plassenburg zinsbar ist und von der Stadt weder mit Steuer noch Dienstbarkeit belegt werden darf. Natürlich wurde das Gebäude beim großen Stadtbrand im Jahr 1553 zerstört, aber "1560 ist das Dach der Schwarzferber Mang bereits wieder gedeckt", wie sich dem Häuserbuch von Richard Lenker entnehmen lässt. Bis in die 1930er Jahre wurde die Färberei und die angeschlossene Mang sogar bis in die 1950er Jahre betrieben.