Kulmbach
Entdecker-Tour (93)

Wie aus dem "Schlappenmaurer" ein großer Kulmbacher Unternehmer wurde

August Levermann, auch "Schlappenmaurer" genannt, baute Ende des 19. Jahrhunderts ein großes Baugeschäft in Kulmbach auf.
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Das ehemalige Bürogebäude Levermann im SchießgrabenFoto: Erich Olbrich
Das ehemalige Bürogebäude Levermann im SchießgrabenFoto: Erich Olbrich
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Es dauerte lange, bis sich Kulmbach vom Weggang der markgräflichen Regierung nach Bayreuth im Jahr 1603 erholte. Erst durch den Anschluss an die Eisenbahn, die 1846 von Bamberg nach Neuenmarkt gebaut wurde, konnte dies wieder wettgemacht werden.

Ohne das Transportmittel Eisenbahn wäre die Entwicklung der Kulmbacher Industrie, gerade die der Brauereien und Mälzereien, nicht möglich gewesen. Aus der verträumten Kleinstadt entwickelte sich ein wirtschaftlich starker Standort. Viele Betriebe konnten sich in der Innenstadt nicht vergrößern, und so setzte ein regelrechter Bauboom ein. Brauereien, Mälzereien und andere Betriebe schossen in die Höhe. Um ihren Reichtum gebührend zeigen zu können, ließen die Besitzer sich große Villen und Stadthäuser bauen.

Rasanter Einwohnerzuwachs

Auch die Entwicklung der Einwohnerzahlen ging stark nach oben. Waren 1875 noch 5200 Einwohner gemeldet, wurden 1900 bereits 9500 gezählt.

In dieser Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs kam 1873 August Heinrich Friedrich Levermann nach Kulmbach. Er wurde am 27.März 1848 in Gadebusch bei Schwerin geboren. Obwohl er im deutsch- französischen Krieg 1870/71 verwundet wurde, ging er, so wie es damals üblich war, als Maurergeselle auf Wanderschaft. Diese führte ihn bis nach Rumänien.

Am Röhrenplatz niedergelassen

Als er am 23. August 1873 von Leipzig als Meister nach Kulmbach kam, hatte er sich sogar das Wissen eines Dombaumeisters angeeignet. Die Einheimischen nannten ihn wegen seiner langen Wanderschaft auch den "Schlappenmaurer".

Das Bürgerrecht der Stadt Kulmbach erhielt er am 10. Mai 1877. Am Röhrenplatz eröffnete er ein kleines Baugeschäft. Es könnte sich im Anwesen Röhrenplatz 5, dem späteren Gasthof März, befunden haben.

Er lernte Maria Brückner, Tochter des Büttnermeisters Karl Johann Brückner, kennen. Beide heirateten 1879. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Die beiden erstgeborenen Söhne verstarben bereits im Kindesalter. Es folgten Babetta (geboren am 12. März 1886), Anna (29. Juli 1888) und Heinrich (29.Juni 1901).

Mit der Mitgift seiner Frau und seinem fachlichen Können konnte Levermann sein Baugeschäft trotz der großen Konkurrenz durch Ernst Glenk, Konrad Gassner und Heinrich Arnet zu einem großen Unternehmen ausbauen. Bald vergrößerte er seinen Betrieb um eine Ziegelei in Seidenhof und um mehrere Steinbrüche in der Blaich, in Eggenreuth und in der Wolfskehle. Der in der Blaich ist auch heute noch zu finden.

Verwildeter Sandsteinbruch

Auch die Straße "Am Steinbruch" in Kauernburg an der alten Auffahrt zum Dörnhof weist darauf hin. Gegenüber der Plassenburg, beim Dörnhofer Plateau, befindet sich ein weiterer verwilderter Sandsteinbruch. Levermanns Sandgruben lagen zwischen Petzmannsberg und Burghaig.

Bis zu 500 Arbeiter beschäftigte er, auch gehörte er zu den ersten Telefonbesitzern in Kulmbach.

1878 errichtete er am Schießgraben 19 ein Wohn- und Büro-gebäude und im Hinterhof eine Steinbildhauerwerkstatt.

Dort befanden sich auch seine Pferdeställe. Zeitweise besaß er um die 20 Rösser, die er zum Transport der schweren Lasten, teilweise vierspännig, benötigte. Später, 1899, verlegte er das Stallgebäude in die Nähe des Bahnhofs.

Seltsame Hausnummer

Über dem Durchfahrtstor des Wohn- und Bürogebäudes befindet sich unser heutiges Ziel der Entdecker-Tour: Es ist ein kunstvolles Zunftzeichen, oben mit den Initialen A.L. für August Levermann und unten der alten Hausnummer 459 1/2. Beim Betrachten könnte die 2 auch eine 5 sein. Im alten Anschriftenverzeichnis von 1882 wird aber die Hausnummer als 459 1/2 angegeben.

Auf Levermanns Zunft verweisen Dreieck, Zirkel, Lineal, Senklot und der Theodolit, ein Vermessungsgerät.



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