Kulmbach
Entdecker-Tour (147)

Wer hat bei Kulmbach den Riesen-Trog aus dem Wald geklaut?

Das Verschwinden eines alten Sandsteintrogs im Ziegelhüttener Wald bei Kulmbachgibt noch heute Rätsel auf.
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Bis Pfingsten 1997 stand im Ziegelhüttener Wald dieser Sandsteintrog. Unbekannte haben ihn entwendet.privat
Bis Pfingsten 1997 stand im Ziegelhüttener Wald dieser Sandsteintrog. Unbekannte haben ihn entwendet.privat

Gerne zeigen wir in unseren Entdecker-Touren interessante Orte, an denen es auch etwas zu sehen gibt. Heute machen wir eine Ausnahme. Der Sandsteintrog, um den es geht, eine früher im Ziegelhüttener Wald stehende alte Salzlecke, wurde leider gestohlen. Vielleicht findet er sich heute in einem Vorgarten wieder.

Zwischen dem Pfingstwochenende 18 und 19. Mai und dem 2. Juni 1997 verschwand der ca. 1,50 mal 1,50 Meter große Sandsteinblock. Er dürfte etwa 1,5 Tonnen schwer gewesen sein. Ein Holzmacher hatte ihn noch am Pfingstwochenende bei einem Spaziergang gesehen. Als er zwei Wochen später sein Holz aufarbeiten wollte, war er bereits verschwunden.

Nicht weit vom Flugplatz

Das stattliche Teil stand in der Flur Kanzeldick auf der Höhe des Martersbergs, neben einem vielbegangenen Wanderweg nach Lehenthal, etwa 300 Meter vom Kulmbacher Flugplatz entfernt. Der Sandsteintrog war zwar noch nicht in der Denkmalliste aufgenommen, ist aber dennoch als historisches Stück äußerst wertvoll. Der Stein dürfte zur Tatzeit einen Wert zwischen 10 000 und 15 000 Mark gehabt haben.

Tiefe Reifenabdrücke in der Nähe des Tatorts deuteten darauf hin, dass er mit einem Kleinlaster mit Kranaufbau abtransportiert wurde.

Der markgräfliche Sandsteintrog stand dort 233 Jahre. Er ist etwa 40 Zentimeter hoch, die Wände sind 18 Zentimeter stark und an einer Ecke mit einer tiefen, keilförmigen Ablaufrinne versehen. Die vordere Wand trägt auf einem erhabenen Schild die Inschrift: FCMZB 1764, die auch Friedrich Christian Markgraf zu Bayreuth hinweist.

Der damals zuständige Revierleiter Wolfgang Hoh mutmaßte, dass der Trog im 18. Jahrhundert Teil eines Wildgeheges war. In dem Sandsteingebilde wurde ein Gemisch aus Wasser, Lehm, und Salz vermengt, das für das Rotwild lebensnotwendig ist.

Gesunder Lehm

Der Lehm verhinderte das rasche Auflösen und Verklumpen des Salzes durch Luftfeuchtigkeit oder Regen. Durch den Lehm wurde jedoch ebenfalls der gesundheitsfördernde Effekt der Mineralienaufnahme und der Darmreinigung erreicht, wie man es heute von Heilerden aus der Apotheke erwartet. Es gibt viele Tierarten, die mit der gleichen Absicht Erde aufnehmen. Die Verdauung wird gefördert und damit die Gesundheit. Die Bereitstellung von Salzlecken war also, wie auch heute noch, eine wichtige Maßnahme in der Wildpflege.

Warum stand nun diese Salzlecke gerade an diesem Platz?

Das Wild mochte den Ort

Die markgräflichen Jäger haben sie an einem Ort aufstellen lassen, den das Wild häufig besuchte. Wenn wir uns in der Umgebung umsehen, entdecken wir unmittelbar westlich eine etwa 50 Quadratmeter große Suhle. Es ist ein flacher Wassertümpel, entstanden in einer Mulde mit toniger oder lettiger Unterlage im Boden, so dass sich das Wasser dort längere Zeit halten kann.

Das Wild hat das Bedürfnis, besonders in der heißen Zeit, sich in dem feuchten Schlamm zu wälzen und abzukühlen. Solcher Abkühlung bedarf es vor allem in der Brunft- und in der Rauschzeit. Der Platz war mit Bedacht in der Nähe der Suhle gewählt.

Magische Zahlen?

Der Stein hat aber nach einer Vermutung von Lorenz Reinhard Spitzenpfeil noch eine andere Bedeutung. Im Jahre 1934 hat er ihn vermessen. Spitzenpfeil stellte fest, dass den Maßen bestimmte Bezugsgrößen zugrunde lagen, die in eine mathematische Ordnung eingebettet waren. Bis 1872 der Meter als Längenmaß eingeführt wurde, war für die Markgrafschaft das Nürnberger Zoll (zirka 2,5 Zentimeter) verbindlich. Spitzenpfeil fiel auf, dass die Wandung des Steins sieben Zoll und die Rundung zwölf Zoll betrug. Er deutete die Sieben als Zahl der Wochentage, die Zwölf als Zahl der Monate eines Jahres.

Leicht könnten wir ihm hierbei ein fantasiereiches Denken zusprechen. Wenn man jedoch erfährt, dass der Steinblock nicht quadratisch, sondern rechteckig ausgeführt wurde, gibt dies Anlass, nachdenklich zu werden. Die Länge beträgt 59 Zoll, die Breite 52 Zoll. Die erste Zahl soll mit zweimal 29,5 Zoll das Mittel der Monatstage im Jahresschnitt repräsentieren, die zweite entspricht der Wochenzahl eines Jahres.

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