Heinersreuth
Silvester

Wenn das Jahresende für Tiere in Kulmbach zum Stress wird

Böllerknall und Silvesterkrach sind für viele in Kulmbach eine große Freude. Aber für Tiere ist die Feierei oftmals mit viel Stress verbunden.
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Rusty und Susanne Schilling wünschen sich ein Silvester ohne Böller-Krach.Foto: Stefanie Gleixner
Rusty und Susanne Schilling wünschen sich ein Silvester ohne Böller-Krach.Foto: Stefanie Gleixner
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2018 neigt sich dem Ende entgegen. Das alte Jahr wird verabschiedet und das neue mit Krach begrüßt. Viele Menschen freuen sich darüber, aber jene, die es nicht tun, haben meist Haustiere, denn für diese bedeutet der Jahreswechsel immer wieder Stress.

"Eigentlich beginnt es schon, sobald der Verkauf der Böller los geht. Die Ersten fangen dann gleich an, diese auszuprobieren, und für die Tiere beginnt die Zeit der Panik", sagt Susanne Schilling, Leiterin des Tierheims in Kulmbach.

Dann kommt es besonders häufig vor, dass Tiere von zu Hause weglaufen - besonders Hunde. Deshalb ist Susanne Schilling in der Silvesternacht auf Bereitschaft, um sich um die zu kümmern, die weglaufen sind.

"Zwischen 22 und 2 Uhr ist es am schlimmsten. Die Hunde sind von der Lautstärke so geschockt, dass sie ein richtiges Trauma erleiden können. Um dem Lärm zu entgehen und weil sie das nicht kennen, laufen sie weg", beschreibt Susanne Schilling.

Wenn die Vierbeiner gefunden werden, werden sie ins Tierheim gebracht oder von Susanne Schilling abgeholt. Dann heißt es warten, bis die Besitzer kommen. Manchmal kann das ein paar Stunden dauern. "Oftmals haben die Besitzer kein Verständnis und denken, dass ihre Tiere von selbst wieder heim gekommen wären oder sie nicht gedacht hätten, dass ihr Hund solche Angst hat", sagt Susanne Schilling. Dennoch lernen die Meisten aus solchen Erlebnissen. Es sei eher selten, dass ein und dasselbe Tier noch einmal im Heim abgegeben werde.

Was sollte man dann also als Hundebesitzer an Silvester machen? "Man sollte das Tier auf keinen Fall mit raus nehmen, wenn die Raketen geschossen werden. Das setzt sie noch zusätzlich unter Stress", erklärt Susanne Schilling. "Am besten bleibt man zu Hause und sperrt die Vierbeiner ein. Dann können sie auch nicht weglaufen." Viele Hunde würden sich meistens selbst einen Unterschlupf im Haus suchen - und dort solle man sie auch am besten lassen, bis alles vorbei sei.

So geschieht das auch mit den Hunden, die im Tierheim leben. Um 22 Uhr werden die Klappen der einzelnen Zwinger geschlossen, so dass sie nicht mehr herraus können. Wenn der Lärm dann am lautesten ist, schaut Susanne Schilling noch einmal, wie es den Vierbeinern geht: "Wenn ein Hund sehr unruhig ist, bleibe ich auch bei ihm sitzen, denn man sollte sie nicht alleine lassen bei zu großer Angst."

Der Besitzer sollte aber seine Emotionen auch nicht auf das Tier übertragen, denn dann macht man die Sache möglicherweise noch schlimmer. Verallgemeinern lässt sich das Verhalten von Hunden aber nicht. "Ich hatte einmal einen, dem hat das überhaupt nichts ausgemacht, aber es gibt auch solche, die sich unter die laufende Dunstabzugshaube setzen, damit sie die Geräusche von draußen nicht so stark wahrnehmen. Das ist immer vom Charakter des Hundes abhängig", sagt Susanne Schilling.

Aber nicht nur Hunde leiden unter dem Silvesterkrach. Auch Katzen, Kleintiere und Pferde reagieren gestresst. "Katzen sind dennoch meistens die entspanntesten Tiere. Die stecken das relativ cool weg", sagt Susanne Schilling.

Auch bei diesen gilt: Einsperren und Käfig abdunkeln. Bei Pferdebesitzern bleibt oftmals kein anderer Weg, als Silvester im Stall zu verbringen, denn auch Pferde wollen vor dem Krach weglaufen.

Ebenso sind die Tiere aus Wald und Flur dem Silvesterlärm und dem damit verbundenen Stress ausgesetzt. "Da ist von Sperling bis Hirsch in jeder Größenordnung etwas dabei", sagt Peter Müller, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins in Kulmbach.

"Durch den Silvesterkrach entsteht ein unnatürlicher Stressfaktor, den alle Tiere das gesamte Jahr über nicht haben und dadurch auch nicht kennen. Das löst dann Stressverhalten aus", erklärt Peter Müller.

"Die Ente beispielsweise schläft auf dem See und wird aus ihrem Schlaf gerissen und fliegt in den Himmel, wo die Böllergefahr nicht geringer wird", sagt Müller.

Der Stress ist demnach besonders bei den Tieren, die in der Stadt leben, größer, da dort mehr gefeiert wird als im Wald. "Rehe und Hirsche bekommen wesentlich weniger mit als ein Spatz und eine Ente."

"Die gesamte Tierwelt ist in dieser Nacht aus dem Häuschen. Alle verlassen ihre gewohnten Schlaf- und Nistplätze. Es dauert meist bis zum Morgen, bis sich die Tiere wieder beruhigt haben", meint Peter Müller.

Und es dauert auch spätestens bis zum Morgen, bis alle Hunde wieder zurück bei ihren Besitzern sind. "Ein bis zwei Hunde sind es fast immer, die bei mir abgegeben werden. Aber es kommen natürlich nicht alle zu mir. Einige werden direkt von ihren Besitzern gefunden oder kommen von selbst wieder nach Hause. Aber manche laufen auf die Straße und werden überfahren oder sie verirren sich und erfrieren, wenn es zu kalt ist", beschreibt Susanne Schilling.

"Wenn es zu dem Fall kommt, dass ein Hund oder eine Katze in der Silvesternacht davonläuft, dann am besten immer zuerst die Polizei anrufen. Diese verständigen dann mich, und wir können klären, ob das Tier bereits gefunden wurde", empfiehlt Susanne Schilling. "Am Halsband sollte auch die Telefonnummer der Besitzer stehen. Das erleichtert die Arbeit, und die Vierbeiner gelangen so schnell und unkompliziert wieder zu ihren Herrchen zurück. Am besten wäre es natürlich, wenn jeder die Böller und Raketen komplett weglassen würde."

Was Tierbesitzer an Silvester tun können:

- Sobald der Verkauf von Böllern beginnt, Tiere nicht mehr ohne Leine laufen lassen

- beim Gassi gehen Sicherheitsgeschirr anlegen, damit sich die Tiere nicht losreißen können

- Telefonnummer am Halsband befestigen

- am Silvesterabend sollten die Tiere im Haus bleiben, wenn nötig auch eingesperrt

- Gäste sollten keine Türen offen lassen

- Käfige von Kleintieren sollten abgedeckt und zugesperrt sein, damit sich die Tiere dort zurückziehen können

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