Kulmbach
Gericht

Weihnachten war in Kulmbach das Fest der Hiebe

Auf dem geschmückten Marktplatz kam es zu einer handfesten Prügelei. Die Wahrheitsfindung gestaltet sich schwierig.
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So schön und friedlich präsentiert sich der Kulmbacher Marktplatz im Winter. Trotzdem kam es  Weihnachten 2017 hier zu einer wilden Prügelei.  Das Geschehen wird jetzt vom Amtsgericht Kulmbach aufgearbeitet. Foto: Archiv/Jürgten Scheibe
So schön und friedlich präsentiert sich der Kulmbacher Marktplatz im Winter. Trotzdem kam es Weihnachten 2017 hier zu einer wilden Prügelei. Das Geschehen wird jetzt vom Amtsgericht Kulmbach aufgearbeitet. Foto: Archiv/Jürgten Scheibe

Stockfinstere Nacht, mehrere Beteiligte, aggressive Stimmung und Alkohol, viel Alkohol - das sind für ein Gericht nicht die allerbesten Voraussetzungen, um Licht ins Dunkel eines Tatgeschehens zu bringen.

Fest steht, dass Weihnachten 2017 für fünf Kulmbacher nicht das Fest der Liebe, sondern der Hiebe war. Auf dem schön geschmückten Marktplatz kam es am 23. Dezember zu einer wilden Prügelei. Das Ereignis wird jetzt vom Amtsgericht Kulmbach aufgearbeitet. Wer hat was gemacht, wer hat was gesehen? Die Wahrheitsfindung gestaltet sich schwierig.

Ein Trio ist wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung angeklagt. Die anderen Beteiligten sind Zeugen in dem Prozess, der am Donnerstag begann. Die Angeklagten streiten die Taten weitgehend ab. Sie wollen sich nur gewehrt haben. Die Frau räumte einen Tritt gegen die Schulter ein.

Kräftig gebechert

Als gesichert kann gelten, dass die beiden Gruppen, die sich bis dahin nicht kannten, zuvor bei verschiedenen Weihnachtsfeiern waren. Dabei wurde kräftig gebechert - bei den Angeklagten bewegten sich die Alkoholwerte zwischen 1,5 und 1,9 Promille. Gegen 3.30 Uhr traf man am Marktplatz aufeinander.

Die drei Angeklagten, eine Frau (34) und zwei Begleiter (23 und 24), befanden sich auf dem Nachhauseweg. Sie kamen aus der Oberen Stadt.

Highnoon am Luitpoldbrunnen

Derweil liefen drei Arbeitskollegen vom Oberhacken zu ihrem Auto, das am Marktplatz geparkt war. Der Fahrer war nüchtern und ärgerlich ("Ich wollte nur noch heim"). Er und ein zweiter Mann setzten sich gleich in den Wagen. Der Dritte (33) nicht - er wollte, wie er sagte, "noch fertig rauchen".

Warum die Streiterei losging, wusste keiner mehr. Angeblich haben die Angeklagten "rumgeblödelt" und russische Schimpfwörter ins Deutsche übersetzt. Davon soll sich der 33-Jährige, der ebenfalls russisch spricht, provoziert gefühlt haben. Es habe sich halt hochgeschaukelt.

"Wollt ihr was aufs Maul?"

Nein, meinte der Zeuge, die Angeklagten - hauptsächlich die Frau - seien aggressiv gewesen und hätten ihn und seine Kollegen gezielt beschimpft als "Abschaum" und "Wichser". Der 23-Jährige soll mit einem Glas in der Hand gedroht haben: "Was glotzt ihr so blöd? Wollt ihr was aufs Maul?"

Als sich die Situation zuspitzte, machte der zweite Kollege einen Fehler: Der 51-Jährige stieg wieder aus und soll zu schlichten versucht haben. Dazu kam es aber nicht. Im Gegenteil, die Streiterei eskalierte. Von dem, was dann passierte, wusste der Zeuge am Donnerstag gar nichts mehr. Er erkannte nicht einmal die Angeklagten wieder. "Ich war stark betrunken", gab er an.

Nur einer war nüchtern

Den Durchblick behalten hatte in dieser Nacht offenbar nur einer: der 46-jährige Fahrer. Er hatte kurz sein Handy gecheckt, das Geschrei mitgekriegt - "und als ich wieder rausschaute, lagen alle am Boden - außer der Frau." Er konnte die Täter auch identifizieren.

Nach seinen Angaben hatten sich zwei Paare gebildet. Der ältere Kollegen habe "die Backen voll gekriegt". Dessen Peiniger habe erst aufgehört, als das Opfer unter Schmerzen schrie, dass sein Bein gebrochen sei. Es war der Unterschenkel, wie sich herausstellte.

Drei Tritte gegen den Kopf

Der jüngere Kollege, so der Zeuge, sei von seinem Kontrahenten im Schwitzkasten gehalten worden. "Und die Frau trat zu, Minimum dreimal, gegen den Kopf", sagte der Zeuge, der die Polizei alarmierte und dafür sorgte, dass nicht mehr weiter geprügelt wurde: "Wer jetzt noch mal zuschlägt, um den werde ich mich kümmern."

Doch die Stimmung blieb aufgeheizt. Das bemerkten auch die Polizisten, die noch eine zweite Streife herbeiriefen. "Die Sache war sehr undurchsichtig", gab einer der Beamten an. Besonders die Frau und ihr Freund seien "sehr unkooperativ und aggressiv" gewesen. Das Paar sei in derselben Nacht noch mal aufgefallen und habe wenig später in der Pestalozzistraße Passanten angepöbelt. Nun beendete die Polizei den Spuk und nahm den 23-Jährigen in Gewahrsam.

Der Prozess wird fortgesetzt. Das Gericht will vor allem noch die anderen Polizisten befragen.

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