Weihermühle
Jugendbildungsstätte

Weihermühle: Die Enttäuschung ist in Kulmbach groß

Krisensitzung am Mittwochmittag im Dekanat Kulmbach. Die Mienen der Teilnehmer sind versteinert.
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Sie sind von der Entscheidung des Landeskirchenrats enttäuscht: (von links) Bürgermeister Robert Bosch aus Mainleus, Landrat Klaus Peter Söllner, seine Stellvertreterin Christina Flauder, Diakon Stefan Ludwig, Dekan Thomas Kretschmar. Foto: Jürgen Gärtner
Sie sind von der Entscheidung des Landeskirchenrats enttäuscht: (von links) Bürgermeister Robert Bosch aus Mainleus, Landrat Klaus Peter Söllner, seine Stellvertreterin Christina Flauder, Diakon Stefan Ludwig, Dekan Thomas Kretschmar. Foto: Jürgen Gärtner
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Der Grund für das spontan einberufene Treffen: die Entscheidung des Kirchenrats, dass die Weihermühle (Gemeinde Mainleus) keine Jugendbildungsstätte wird, sondern die Einrichtung nach Neukirchen im Landkreis Coburg kommt. Dekan Thomas Kretschmar: "Die Enttäuschung ist groß. Das tut weh."

Der Beschluss des evangelischen Landeskirchenrats fiel am Dienstag. In Neukirchen gibt es bereits eine Jugendbildungsstätte in Trägerschaft des Dekanats, die dann an die Landeskirche übergeht. Das Gebäude ist allerdings stark sanierungsbedürftig.

Die erforderlichen Investitionen dort sind nach aktuellen Berechnungen drei Millionen Euro höher als die, die am Standort in der Gemeinde Mainleus nötig gewesen wären. Eigentlich war das Kulmbacher Dekanat bislang sogar von einer noch größeren Differenz ausgegangen.

Doch diese Differenz habe sich nach neuesten Berechnungen durch die Finanzabteilung und durch Architekten verkleinert, erklärt Oberkirchenrat Michael Martin. Er betont, dass es bei der Entscheidung nicht allein ums Geld gegangen ist.

Ausschlaggebend für Neukirchen sei vielmehr der Umstand gewesen, dass es dort möglich ist, nahtlos an dem erfolgreichen Konzept der bestehenden Jugendbildungsstätte anzuknüpfen. Die Sanierung soll bei laufendem Betrieb erfolgen.

Gegen die Weihermühle spreche der noch notwenige Aufbau der Jugendbildungsstättenarbeit und die fehlende Anerkennung durch den Bayerischen Jugendring. Zudem hätte es bei einer Schließung des Hauses in Neukirchen bis zur Erweiterung der Weihermühle wohl drei Jahre keine Jugendbildungsstätte in evangelischer Trägerschaft in der Region gegeben.

Doch all diese Argumente überzeugen die Kulmbacher nicht. Landrat Klaus Peter Söllner (FW) sprach von einem merkwürdigen Verfahren, bei dem die Weihermühle wohl von vorneherein nur eine eingeschränkte Chance auf Erfolg gehabt habe. Kulmbach sei in einen Zweikampf mit Coburg geschickt worden, den man so nie wollte.

Und er zeigte sich überzeugt, dass sich der Landkreis beim Besuch des Kirchenrats vor wenigen Wochen bestmöglich präsentiert habe. "Es war sensationell, was Christina Flauder innerhalb von ein paar Tagen auf die Beine gestellt hat." Rund 50 Vertreter aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens hatten an dem Treffen teilgenommen und ihre Unterstützung versichert.


Kritischer Blick auf die Zahlen

Christina Flauder, ihres Zeichens Landessynodalin und stellvertretende Landrätin (SPD), zeigte sich vor allem von den neuen Kostenberechnungen für die Erweiterung der Weiher mühle überrascht. "Wir sind bisher von einer Investition in Höhe von knapp sechs Millionen Euro ausgegangen. Plötzlich sind es 8,5 Millionen", sagte sie mit skeptischen Blick auf die Zahlen.

Die Sanierung des Hauses in Neukirchen ist mit 11,5 Millionen Euro veranschlagt.

Bedauern auch beim Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch (CSU). "Das wäre eine große Chance für den Bildungsstandort Mainleus gewesen." Doch offensichtlich habe es Argumente gegeben, die mehr Gewicht hätten als drei Millionen Euro. Aber trotz der Absage habe die Diskussion etwas Gutes gehabt: "Die Weihermühle ist im Bewusstsein in der Region in den Vordergrund gerückt."

Das dürfte für Diakon Stefan Ludwig, zugleich Geschäftsführer der Weihermühle, nur ein schwacher Trost sein.

Zu der Entscheidung auch ein Kommentar:

Die Enttäuschung der Kulmbacher ist verständlich: Was hatten sich die Amts- und Würdenträger aus Politik, Wirtschaft, Bildung und Kirche ins Zeug gelegt, um den evangelischen Kirchenrat von der Weihermühle als besseren Standort für eine Jugendbildungsstätte zu überzeugen. Ende Juni waren Vertreter der Landeskirche zusammen mit Regionalbischöfin Dorothea Greiner zu Gast im Landratsamt. Die Kulmbacher zeigten sich von ihrer besten Seite - vergeblich.

Der Landeskirchenrat hat sich für Neukirchen als Standort entschieden. Ob es dabei eine Rolle gespielt hat, dass Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Oberkirchenrat Michael Martin Coburger Wurzeln haben? Das will niemand unterstellen.

Und mögen noch so viele Argumente für Neukirchen sprechen: Die Sanierung des Hauses im Landkreis Coburg ist drei Millionen Euro teurer veranschlagt als die Erweiterung der Weihermühle. Hat die Kirche so viel Geld übrig, dass sie einfach ein paar Millionen mehr aus dem Ärmel schüttelt? Dem Kirchensteuerzahler dürfte die Entscheidung nur schwer vermittelbar sein. Die Kulmbacher verstehen es sicher nicht.


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