Kulmbach
Freizeit

Waterclimbing-Anlage fürs Kulmbacher Freibad: Mit Kran statt Hubschrauber hat's geklappt

Es brauchte einen zweiten Anlauf: Jetzt aber steht die neue Waterclimbing-Anlage im Kulmbacher Freibad.
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Zentimetergenau wird die Kletterwand eingepasst. Foto:  Katrin Geyer
Zentimetergenau wird die Kletterwand eingepasst. Foto: Katrin Geyer
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Erst gab's lange Gesichter, dann doch ein Aufatmen: Die neue Wasserkletterwand im Kulmbacher Freibad steht. Aber es brauchte zwei Anläufe, um die insgesamt mehr als 1,4 Tonnen schwere Konstruktion aus Stahl und Kunststoff an Ort und Stelle zu bringen.

Donnerstagfrüh, 6 Uhr: In der Nacht hat es geregnet, nun hängen die Wolken tief an den Hängen rund um Kulmbach. Auf dem Freibad-Parkplatz stehen etliche Arbeiter um die bereits vormontierte Kletterwand, die am Tag vorher dort angeliefert worden ist. Mit einem Hubschrauber soll das Bauteil nun durch die Luft zum neuen Springerbecken transportiert werden. Aber der Hubschrauber lässt auf sich warten. Er steht auf dem Kulmbacher Verkehrslandeplatz bei Neufang, und dort herrscht dichter Nebel. Immer wieder nimmt Timo Schardol von der baden-württembergischen Fluggesellschaft Helix, der der Hubschrauber gehört, telefonisch Kontakt mit Pilot Jörn Muth auf, der auf dem Flugplatz darauf wartet, dass sich der Nebel verzieht.

Angespannt wartet auch Christofer Born darauf, dass sich etwas tut. Der Nürnberger Produktentwickler hat die Kletterwand geplant und gemeinsam mit der Firma Bodan Schwimmbadbau aus Kressbronn am Bodensee gebaut. Aber zunächst vergeht nur die Zeit - nicht der Nebel. Sabine Leithner, Mitarbeiterin der Kulmbacher Stadtwerke, die die Bauaufsicht für die Neugestaltung des Springerbeckens innehat, entpuppt sich als gute Fee: Sie fährt zum Bäcker und besorgt einige Tüten voll mit Nervennahrung.

Kurz nach acht Uhr, nach zwei Stunden Warten, wird es dann spannend. Der Hubschrauber fliegt ein, landet punktgenau dort, wo das Seil liegt, mit dem die Kletterwand später am Hubschrauber hängen soll. Der Pilot und ein paar Helfer räumen ihr Fluggerät aus: Treibstoffkanister, ein Sitz, eine komplette Tür - alles, was unnötiges Gewicht ausmacht, muss weg.

Mittlerweile haben sich etliche Schaulustige eingefunden. Sie verfolgen gespannt, wie der Hubschrauber wieder abhebt, langsam nach oben steigt, wie sich die sieben Meter hohe und drei Meter breite Kunststoffwand langsam hebt, ausbalanciert mit starken Seilen. Und dann ist die Aktion auch schon wieder zu Ende. Der Hubschrauber landet wieder, die Seile werden abgezogen.

Ein hektischer Disput aller Beteiligten beginnt. Die neugierigen Zuhörer von den Medien sind dabei nicht erwünscht.

Die Kletterwand war zu schwer; der Transport wäre zu riskant gewesen, wird Stadtwerke-Chef Stephan Pröschold, der die Aktion ebenfalls mitverfolgt hat, später erläutern. Ein Berechnungsfehler der Konstrukteure? Ein Fehler des Disponenten, der den falschen Hubschrauber bestellt hat? Das bleibt zunächst unklar. Für Pröschold ist ohnehin nur wichtig, dass die Panne die Baukosten nicht in die Höhe treibt: Die Stadtwerke haben die 80 000 Euro teure Wasserkletterwand komplett samt Anlieferung und Montage gekauft.

"Wir haben einen Plan B", hat Sabine Leithner schon zuvor angedeutet. Der greift jetzt. Und alles geht auf einmal ganz schnell. Zwei Radlader der Firmen Dietz und Reso werden geholt.Die nehmen die Kletterwand an den beiden schmalen Enden an den Haken, transportieren sie so über die Unter e Buchgasse und die Baustraße hinunter ans neue Springerbecken. Zentimetergenaues Rangieren ist da gefragt, aber alles geht gut. Mit einem großen Kran wird die Kletterwand auf das bereits vorbereitete Fundament gehoben, mit riesigen Schrauben fixiert. Fertig! Großes Aufatmen bei allen Beteiligten.

In den nächsten Tagen wird die Anlage vom TÜV abgenommen. Auch der neue Sprungturm mit einem Ein-Meter-Brett, einem Drei-Meter-Brett und einem Fünf-Meter-Brett steht bereits. Nun muss noch das Umfeld fertiggestellt werden. "Mitte Juli", sagt Stephan Pröschold, "wird alles fertig sein."

Was ist Waterclimbing?

Waterclimbing ist ein geschützter Markenbegriff für die von Christofer Born entwickelten Kletterwände. Das besondere daran: Sie stehen an oder in Schwimmbecken. Die Kletterer springen, wenn sie die Wand nach oben geklettert sind, zurück ins Wasser.

Die Wand Auf einem Träger aus Stahl ist eine Kunststoffwand montiert, die sieben Meter hoch und drei Meter breit ist. Auf der Wand sind etwa 60 Klettergriffe aus Kunststoff angebracht, die so angeordnet sind, dass in drei farblich unterschiedlich markierten Routen geklettert werden kann. Die blaue Route gilt als leicht, die rote als mittelschwer und die schwarze als schwer.

Kletterzeiten Die Wand im Kulmbacher Freibad wird nur zu bestimmten Zeiten geöffnet und kann dann unter Aufsicht genutzt werden. Damit soll ein geordneter Betrieb gewährleistet werden.

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