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Untersteinach
Kommunalwahl

Wasserstreit: Die unendliche Geschichte

Drei Kandidaten, zwei Meinungen: Volker Schmiechen (SPD), Harald Kleiber (UBG) und Helmut Bergmann (FW-WGU) waren von der BR zum Wahl-Talk eingeladen.
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Die drei Untersteinacher Bürgermeisterkandidaten Volker Schmiechen, Helmut Bergmann und Harald Kleiber (von links) im Gespräch mit BR-Redaktionsleiter Alexander Müller.Foto: Ronald Rinklef
Die drei Untersteinacher Bürgermeisterkandidaten Volker Schmiechen, Helmut Bergmann und Harald Kleiber (von links) im Gespräch mit BR-Redaktionsleiter Alexander Müller.Foto: Ronald Rinklef
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Drei Bürgermeisterkandidaten, drei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten: Volker Schmiechen (SPD), seit 2014 Chef im Rathaus, und seine beiden Herausforderer Helmut Bergmann (FW-WGU) und Harald Kleiber (UGB). Wer von ihnen ist der beste Mann für das höchste Amt in der Gemeinde? Wer kann Probleme lösen, die Entwicklung der Gemeinde voranbringen? Bei der Podiumsdiskussion zur Untersteinacher Bürgermeisterwahl, zu der die Bayerische Rundschau am Dienstagabend in die Turnhalle eingeladen hatte, hatten alle drei Gelegenheit, darzustellen, was sie für die Gemeinde erreichen wollen.

Volles Haus in der Turnhalle

Rund 200 Besucher verfolgen gespannt, was die Kandidaten zu sagen haben. Themen, an denen sie sich reiben können, gibt es genug. BR-Redaktionsleiter Alexander Müller moderiert den Abend, achtet auf faire Spielregeln, dämmt ausschweifende Redebeiträge ein und lässt vorab eingereichte Zuschauerfragen einfließen sowie Gäste im Saal zu Wort kommen. Ziel: Es sollen nicht vergangene Streitigkeiten im Fokus stehen, sondern der Blick soll aufs Aktuelle und in die Zukunft gerichtet werden.

Ganz oben auf der Liste der kontroversen Themen bleibt trotzdem: der jahrelange Streit ums Wasser. Im Grunde ist das Thema ja längst abgehakt, macht Volker Schmiechen deutlich - durch einen Gemeinderatsbeschluss vom April 2019, bei dem sich die Räte einstimmig dafür entschieden haben, die Versorgung mit Trinkwasser durch die Kombination des eigenen Brunnens mit einer neuen FWO-Leitung sicherzustellen.

Lösung für das Gesamtproblem

Diese Lösung erhielt den Zuschlag, weil sie mit geschätzten Kosten von rund 620 000 Euro die günstigste ist, gleichzeitig das Löschwasserproblem löst und Vorsorge für den Fall trifft, dass der eigene Brunnen irgendwann nicht mehr ausreichend Wasser liefert. Im Vergleich zu dieser Variante hätte das teuerste Konzept inklusive des Neubaus eines großen Hochbehälters 2,2 Millionen Euro gekostet.

Doch der Streit mit der FW-WGU ist damit nicht beendet. Deren Bürgermeister-Kandidat Helmut Bergmann hat einen dicken Aktenordner vor sich auf dem Tisch, den er immer wieder konsultiert, um Schmiechen Kontra zu geben. "Wir sind bei der Wasserversorgung heute genauso weit wie früher", sagt er und kritisiert Bürgermeister, Gemeinderäte und Verwaltung. Er führt Wasserverlust-Zahlen der letzten 15 Jahre ins Feld sowie Beschlüsse aus dem Jahr 1991, stellt Kostenberechnungen zu diversen Versorgungsvarianten in den Raum, deren Vielfalt und Widersprüche auf die Zuhörer eher verwirrend als erhellend wirken.

Zurück zur Ist-Situation: Es gibt deutliche Wasserverluste im Untersteinacher Leitungsnetz. Diese seien zwar nicht so hoch, wie von der FW-WGU behauptet, sagt Volker Schmiechen, müssten aber freilich behoben werden. "Tatsächlich fördern wir aus unserem Brunnen Pressecklein nur knapp 100 000 Kubikmeter, nicht über 130 000, zweitens müssen wir laut Vertrag mit der FWO zwar 21 000 Kubikmeter Wasser bezahlen, nehmen aber zurzeit nur 6000 ab."

FWO-Wasser wird künftig genutzt

Das werde sich in Zukunft durch die Versorgung der Untersteinacher Hochzone über die Fernwasserversorgung ändern. Dann könne man die Vertragsmenge auch tatsächlich nutzen.

Die Lecks müssten gefunden und geschlossen werden. Das sieht auch Harald Kleiber so und zeigt sich in diesem Punkt inhaltlich ganz auf einer Linie mit Schmiechen: "Wir müssen die Sanierung anpacken. Aber daran wird ja bereits gearbeitet."

Wichtig ist aus Kleibers Sicht die Frage, wie die Investitionen in die Trinkwasserversorgung letztlich finanziert werden: "Die Grundstückseigentümer müssen es bezahlen. Was ist gerechter - eine Umlage nach Fläche oder nach Verbrauch?" Das müsse man entscheiden, wenn es so weit ist, entgegnet Schmiechen: "Wir werden nicht alles über die Gebühren machen können, es wird einen Zusatzbeitrag geben müssen. Aber 620 000 Euro sind definitiv leichter umzulegen als 2,2 Millionen."

Fragen aus dem Publikum

Etliche Rundschau-Leser haben im Vorfeld der Veranstaltung Fragen an die Kandidaten eingereicht. Eine davon stammt von André Pöhlmann und richtet sich an Helmut Bergmann. Ob er ernsthaft, wie in einem seiner Rundbriefe ausgeführt, dafür plädiere, selbst stark marode Straßen oberflächlich zu reparieren und sie später bei den nötigen Kanalsanierungen wieder aufzureißen, will er wissen. Bergmann bleibt dabei: Er hält das Überteeren der Löcher als Schnellmaßnahme für sinnvoll.

Aus dem Publikum meldet sich Kai Ehrhardt zu Wort. Der 19-Jährige möchte wissen, ob allein der gemeindeeigene Brunnen langfristig die Wasserversorgung sichern könnte - ohne Fernwasser. Bergmann ist überzeugt davon: "Wir leben in einer wasserreichen Region."

Volker Schmiechen möchte sich nicht darauf verlassen, dass das ewig so bleibt: "Wenn das Pressecklein einmal schwächer wird, kann es eng werden."

Was tut die Gemeinde für Senioren und Kinder?

Entrüstung im Saal: Auf die Frage, wie er die Angebote für Senioren im Ort einschätzt, sagt Helmut Bergmann (FW-WGU): "Für Senioren ist in Untersteinach nichts vorhanden."

Hat er eigene Ideen zum Thema? "Ich habe mal ein paar Leerstände rausgesucht", führt Bergmann aus. "Ins Büro der ehemaligen Tankstelle könnte man einen Kaffeeautomaten reinstellen. Da könnten sich die Senioren treffen."

Das ist enttäuschend

Zuhörerin Cornelia Wehner meldet sich zu Wort: "Das ist wirklich enttäuschend, dass ein Bürgermeisterkandidat nicht weiß, was bei uns alles gemacht wird."

Harald Kleiber (UBG) zeigt sich besser informiert: "Verschiedene Vereine sorgen für attraktive Angebote, auch die Gemeinde selbst." Statt zusätzlich eigene Dinge auf die Beine stellen zu wollen, hält er es für sinnvoller, mit den Vereinen zusammenzuarbeiten und Bestehendes zu fördern und auszubauen.

Volker Schmiechen (SPD) lobt ausdrücklich das Engagement der Vereine und verweist auf besondere Angebote, die sehr gut angenommen werden: Monatliche Ausflüge des Seniorenclubs, das Seniorentaxi, das Senioren jeden Donnerstag zum Einkaufen fährt, den gemeindlichen Seniorenspielplatz, der gern genutzt wird. "Da könnten wir sogar darüber nachdenken, noch einen zweiten zu schaffen."

Und wie sieht es mit der Kinderbetreuung aus? "Wir können uns glücklich schätzen, noch einen Schulstandort zu haben und müssen alles daransetzen, dass er erhalten bleibt. Auch die Kinderbetreuung ist auf einem guten Weg."

In Untersteinach gibt es Kindergarten, Krippe und Hort, ergänzt Schmiechen. In den Räumen der Schule habe man Platz für 50 Hortkinder, die Krippe von zunächst zwölf auf mittlerweile 24 Plätze aufgestockt.

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