Kulmbach
Entdecker-Tour (73)

Was verbirgt sich in Kulmbach hinter den zwei Häusern mit einee Fassade?

Lesen Sie, warum Architekten aus Halle eines der schönsten Gebäude der Kulmbacher Langgasse geplant haben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Eines der schönsten Häuser der Langgasse wurde von Architekten aus Halle entworfen. Foto: Erich Olbrich
Eines der schönsten Häuser der Langgasse wurde von Architekten aus Halle entworfen. Foto: Erich Olbrich
+1 Bild
Wie kommen Architekten aus Halle an der Saale in die Bierstadt Kulmbach? Auf diese Frage kann man kommen, wenn man sich die wunderschönen Fassade des Hauses Langgasse 20/22 anschaut, in dem früher das Hauswarengeschäft Dörnhöfer untergebracht war und heute eine Fielmann-Filiale beheimatet ist.


In Stein verewigt


Dem Betrachter fällt in Höhe des ersten Stockes eine kleine Beschriftung auf. Sie enthält einen Hinweis auf ein Architekten-Brüderpaar aus Halle/Saale.

Bevor wir das Rätsel dieser Inschrift auflösen, wenden wir uns erst einmal den Architekten zu. Bruno Föhre und sein acht Jahre älterer Bruder Arthur haben wie kaum andere das Stadtbild von Halle geprägt. Ihre Firma arbeitete aber auch über die Grenzen der Stadt hinaus.


Neue Strömungen in der Kunst


Durch abwechslungsreiche Entwürfe und das Ringen um ein modernes Stadtbild, wurde der Betrieb rasch in ganz Mitteldeutschland bekannt. Neue Strömungen in der Kunst nahm vor allem Bruno bereitwillig auf, verarbeitete sie und zählte so zu den architektonischen Reformern. Brunos Offenheit für die moderne Kunst führte aber zum Bruch mit dem älteren Bruder Arthur und zur Trennung ihres Büros. Charakteristisch für Föhres Entwürfe sind ein geschlossener Grundriss, die möglichst natürliche Außengestaltung und eine frische Farbgebung.

Er greift Anregungen aus dem Darmstädter Jugendstil und aus dem englischen Kleinhausbau auf. Aber auch im Industriebau hat er sich einen Namen gemacht. Unter seinen Mitarbeitern waren Architekten, die es selbst noch zu bedeutenden Vertretern ihres Berufsstandes bringen sollten, darunter Emil Schmidt und Martin Knauthe.


Ein Haus - zwei Hausnummern


Aber nun zu unserem Haus in der Langgasse 20/22. Hier standen bis 1910 zwei kleine, langgezogene, unscheinbare Gebäude. In der Hausnummer 20 befand sich das Geschäft des Seilermeisters Christian Moser und in der Hausnummer 22 im hinteren Teil die Flaschnerei Louis Dörnhöfer. Im vorderen Teil, zur Langgasse hin, betrieb er einen Laden für den Verkauf von Haushaltswaren.

Beide fassten im März 1910 den Entschluss, ein repräsentatives Geschäftshaus zu errichten, das aber in der Mitte geteilt bleiben sollte. Nun kommt das Architekturbüro Arthur und Bruno Föhre ins Spiel. Arthur Föhre heiratete Elis, die Schwester von Louis und Karl Dörnhöfer. Letzterer war der spätere Tankstellen- und Autowerkstätten-Besitzer.


Auftrag vom Schwager


Gerne übernahm Arthur den Auftrag seines Schwagers Louis und dessen Nachbarn Moser, die Pläne für den Neubau des Geschäftshauses zu fertigen. War er doch auch mittlerweile der Patenonkel von Louis' Sohn Artur, dem Vater von Adolf "Adi" Dörnhöfer, dem letzten Inhabers des Hauswaren-Geschäftes in der Langgasse.

Zur Zeit der Planfertigung waren die Brüder Bruno und Arthur noch in einer Bürogemeinschaft vereint. Zur gleichen Zeit planten beide den besonders eindrucksvollen Wohnkomplex in der Halleschen Reilstraße und Kohlschüttstraße. Dort wie auch am Gebäude in der Langgasse sind Formen des Jugendstils mit für Kulmbach neuen, ausgefallenen Formen einer plastisch reichen Fassadengestaltung verwendet worden. 1980 konnte Artur Dörnhöfer durch den Erwerb des Nachbarhauses von Marie Schimmel, geb. Moser, vereinen, was äußerlich durch die Fassade bereits vereint war.


Ein offenes Auge lohnt sich


Er beauftragte den Sohn von Arthur Föhre mit dem Umbau des Eingangsbereiches und des Geschäfts. Dieser Sohn war ebenfalls Architekt und zwar in Neumünster und hieß mit Vornamen Arthur wie sein Vater.

Kulmbach hat hier in der Langgasse ein Haus, das auch in einer großen Stadt eine bedeutende Stellung einnehmen könnte. Gehen wir also mit offenen Augen durch die Straßen und betrachten nicht nur die Schaufensterauslagen, sondern auch die Giebel der Häuser.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren