Kulmbach
Natur

Was tun, wenn der Eichenprozessionsspinner in Kulmbach auch im privaten Garten aktiv wird?

Eine Invasion der gefährlichen Raupen beunruhigt derzeit die Menschen im Landkreis. Was tun, wenn die Raupen auch im privaten Garten aktiv werden?
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Das Raupengespinst eines EichenprozessionsspinnersFoto: Boris Roessler/dpa
Das Raupengespinst eines EichenprozessionsspinnersFoto: Boris Roessler/dpa
Die Kulmbacherin, die sich telefonisch in unserer Redaktion meldet, ist ratlos: Erst vor wenigen Jahren sei sie mit ihrer Familie das neu gebaute Haus in einer ruhigen Wohngegend im Kulmbacher Süden gezogen, wo in den Gärten viele alte Eichen stehen. Auch im Garten jener Familie. "Jetzt haben wir Eichen-Prozessionsspinner-Raupen entdeckt", berichtet die Frau. Dass die Kinder nun nicht mehr in der Nähe des befallenen Baumes spielen sollten, ist ihr klar. Auch, dass sie sich um die Beseitigung der Nester kümmern sollte und dass das eventuell viel Geld kostet. Aber: "Was ist, wenn sich die Nachbarn nicht um befallene Bäume kümmern? Dann haben wir doch die Raupen in kurzer Zeit oder spätestens im nächsten Jahr wieder da!"

Die Familie ist kein Einzelfall. Auch aus Burghaig wird uns berichtet, dass viele Kinder nicht mehr zum Spielen ins Freie dürfen: Der Eichen-Prozessionsspinner hat sich in der Eichenstraße breitgemacht. Ein Kollege bittet um Entschuldigung dafür, dass er später zur Arbeit komme: In seinem Garten in Thurnau ist ebenfalls ein Baum befallen, der unmittelbar an einem öffentlichen Fußweg steht. Er muss jetzt erst einmal einiges regeln...

Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. In vor wenigen Jahren noch unvorstellbarer Geschwindigkeit breitet sich der Eichen-Prozessionsspinner, ursprünglich auf der iberischen Halbinsel zu Hause, in Deutschland aus. Vereinzelt wird schon von Kahlfraß an befallenen Bäumen berichtet. Besonders tückisch ist der unscheinbare Falter aber deswegen, weil seine Raupen mit feinen Brennhärchen besetzt sind, die leicht abbrechen, dann durch die Luft fliegen - und bei Hautkontakt schmerzhafte Reizungen oder auch schwere allergische Reaktionen auslösen können. Das hat unter anderem schon eine junge Frau aus dem Gemeindegebiet von Thurnau sehr schmerzhaft am eigenen Leib erfahren: Sie hatte sich nach dem Kontakt mit den Brennhärchen wegen einer so genannten Raupen-Dermatitis in ärztliche Behandlung begeben müssen.

Dass Städte und Gemeinden in der Region mittlerweile unzählige Bäume haben absuchen lassen, Wege gesperrt und Warnschilder aufgehängt haben, ist also kein purer Aktionismus, sondern eine dringend gebotene Vorsichtsmaßnahme. Was aber ist, wenn Bäume auf privatem Grund von den Schädlingen befallen werden? Wer ist für die Beseitigung der Nist-Gespinste verantwortlich? Und wer haftet, wenn etwas passiert?

Welche Pflichten haben private Grundstückseigentümer?

In einem Schreiben des Landratsamtes Kulmbach, das dieser Tage an die Städte, Märkte, Gemeinde und Verwaltungsgemeinschaften ging, wird unmissverständlich festgestellt, dass jeder Grundstückseigentümer selbst dafür verantwortlich ist, das von Gespinstnestern des Eichenprozessionsspinners keine Gesundheitsgefahren ausgehen. Eine Pflicht, tätig zu werden, gibt es nicht. Oliver Hempfling, der Jurist des Landkreises, stellt aber fest, dass die Kommunen als Sicherheitsbehörden bei Bedarf gefordert sind, Anordnungen zu erlassen. Es kann also sein, dass Grundstückseigentümer, deren Bäume oder Waldstücke sich in der Nähe von Spielplätzen, Schulgeländen oder Spazierwegen befinden, dazu verpflichtet werden können, tätig zu werden.

Was passiert, wenn durch einen befallenen Baum eines privaten Besitzers ein Schaden entsteht?
Muss der Besitzer unter Umständen für Arzt- und Behandlungskosten aufkommen, wenn jemand nach Kontakt mit den Raupen-Härchen erkrankt? Dazu gibt es noch keine klaren Aussagen, sagt Stadtförsterin Carmen Hombach. "Mir ist noch kein Gerichtsurteil dazu bekannt."

Wo können sich Baumbesitzer im Fall des Falles fachlichen Rat holen? Gibt es jemanden, der die Bäume begutachtet und rät, was zu unternehmen ist?
Wer in Kulmbach verdächtige Gespinst-Nester an einer Eiche entdeckt, kann sich beim Ordnungsamt, beim Bauhof, im Rathaus oder bei Stadtförsterin Hombach (erreichbar über die Kulmbacher Stadtwerke) melden. Es gibt mehrere Mitarbeiter, die dann versuchen, sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. "Es geht dabei vor allem darum, festzustellen, ob es sich wirklich um Raupen des Eichen-Prozessionsspinners handelt", sagt Carmen Hombach. Für Laien bestehe durchaus Verwechslungsgefahr mit Gespinstmotten oder dem Schwarmspinner. Dessen Raupen allerdings bildeten keine Gespinste. In den letzten Tagen habe es schon viele Anfragen gegeben, so die Stadtförsterin. "Ich bin ständig unterwegs."

Wie gravierend ist das Problem einzuschätzen? Wie viele Eichen gibt es überhaupt im Stadtgebiet?
Im städtischen Baumkataster, das allerdings noch nicht vollständig ist, sind 200 bis 300 Eichen verzeichnet. Insgesamt dürften im Stadtgebiet (ausgenommen geschlossene Waldgebiete) etwa 500 bis 600 Eichen stehen.

In zwei bis drei Wochen verpuppen sich die Raupen und die Falter schlüpfen. Ist die Gefahr dann vorbei?
Auch wenn die Raupen sich verpuppt haben, geht von den befallenen Bäumen Gefahr aus - zwei bis drei Jahre lang! Wie Carmen Hombach erläutert, bleiben die Gespinste an den Bäumen hängen, auch wenn die Falter geschlüpft sind. Und solange sie hängen, können die gefährlichen Brennhärchen fliegen.

Was tut die Stadt Kulmbach, um die Gefahr für die Bewohner gering zu halten?
Die Stadt Kulmbach wird der Empfehlung des Landratsamtes folgen und eine Koordinierungsgruppe einrichten. Zudem soll ab dem nächsten Frühjahr die Raupen-Plage frühzeitig und flächendeckend bekämpft werden. In seiner nächsten Sitzung am Mittwoch wird der Stadtrat darüber beraten, ob die Stadt, dem Beispiel der Stadt Bamberg folgend, eine Spritze anschafft, um die Raupen zu bekämpfen.

Wie funktioniert so eine Spritze?
Jedes Eichen-Prozessionsspinner-Weibchen legt im Frühjahr etwa 200 Eier an den äußersten Triebspitzen der Bäume ab. Die frisch geschlüpften Larven, die erst im sogenannten dritten Larvenstadium gefährlich werden, fressen an den Blättern. Mithilfe der Spritze wird auf die jungen Blätter ein Stoff aufgebracht, der dazu führt, dass die Larven nicht mehr fressen. Sie sterben ab. Das Gift ist für Menschen ungefährlich. Allerdings ist das Zeitfenster, in dem dieses Verfahren Wirkung zeigt, Carmen Hombach zufolge sehr eng. Die Stadt Bamberg arbeitet deshalb in der heißen Phase der Schädlingsbekämpfung im Mehr-Schicht-Betrieb und auch am Wochenende.

Wie kann man sich schützen?
Grundsätzlich sollte man Befallsgebiete meiden. Wenn man sich doch in der Nähe befallener Bäume aufhalten muss, sollte man Nacken, Hals, Unterarme und Beine schützen. Raupen und Gespinste nicht berühren! Nach einem möglichen Kontakt sofort die Kleidung wechseln, Duschen und Haare waschen, Kleidung in der Waschmaschine waschen. Bekämpfung nur von Fachleuten durchführen lassen.
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