Kulmbach
Burggeflüster

Was ist mit den anderen?

Gebannt schaute die Welt die letzten zwei Wochen nach Thailand und verfolgte die spektakuläre Rettungsaktion der Jugendlichen aus der gefluteten Höhle.
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Menschen feiern die erfolgreiche Rettungsaktion.Sakchai Lalit/AP/dpa
Menschen feiern die erfolgreiche Rettungsaktion.Sakchai Lalit/AP/dpa
Es war ohne Frage eine Meisterleistung aller Beteiligten und eine riesen Erleichterung, als es gestern gelang, auch noch die letzten vier Jungs und ihren Trainer in Sicherheit zu bringen.
So dramatisch das Ganze war, so riesig war auch das Medienecho. Keine Stunde verging ohne neue Meldungen aus der Provinz Chiang Rai, ohne Live-Schaltung oder Interviews in Radio oder Fernsehen. Natürlich war es richtig und wichtig, darüber zu berichten, aber - diese Frage tauchte neulich bei einem Gespräch mit Bekannten auf - , warum wird nicht genauso ausführlich über die vielen anderen berichtet?
Zum Beispiel über ...
... die zwei Kinder, die jeden Tag (im Durchschnitt) auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken?
... die rund 500 Jungen und Mädchen, die sich täglich bereits im Mutterleib mit dem HI-Virus anstecken?
... die 6000 Mädchen, die Tag für Tag auf grausame Weise beschnitten werden?
... die 3,1 Millionen Kinder unter fünf Jahren, die jedes Jahr (8500 Kinder täglich, ein Kind alle zehn Sekunden) an den Folgen von Mangel- und Unterernährung sterben?
... die 48 Millionen Fünf- bis 14-Jährigen, die in Ländern südlich der Sahara Kinderarbeit nachgehen müssen statt in die Schule zu dürfen.
... oder die, die in Asien zur Prostitution gezwungen werden oder in Deutschland in erbärmlicher Armut leben? Diese traurige Auflistung ließe sich noch endlos fortführen.
Auch alles Kinderschicksale. Leider nicht ganz so hollywoodreif. Interessieren uns diese stillen Opfer deshalb so wenig?


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