Kulmbach
Theater

Was ihr wollt und noch viel mehr mit den Kulmbacher Buschklopfern

"Die Buschklopfer" glänzen mit einer gelungenen Premiere ihrer Shakespeare-Inszenierung im Amtsgerichtsgarten
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Malvolio (Georg Mädl) glaubt, Gräfin Olivia (Carolin Wagner) habe ein Auge auf ihn geworfen.  Fotos: Uschi Prawitz
Malvolio (Georg Mädl) glaubt, Gräfin Olivia (Carolin Wagner) habe ein Auge auf ihn geworfen. Fotos: Uschi Prawitz
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Mit einer köstlich gespielten Shakespeare-Komödie haben die Buschklopfer am Samstagabend den Sommer eingeläutet. Bei bestem Premierenwetter präsentierten sie im lauschigen Ambiente des Amtsgerichtsgartens "Was ihr wollt", ein herrlich leichtes und unterhaltsames Stück für laue Sommerabende.

Die Aufführung startet unkonventionell. Die Akteure absolvieren letzte Vorbereitungsübungen auf der Bühne, halten kurze Schwätzchen mit den Zuschauern, lassen das Publikum an ihrem sonst im Verborgenen ausgeführten Schlachtruf "Einer für alle und alle für einen" teilhaben. Dann plötzlich - ein Gewitter zieht auf, freilich nur mit künstlich erzeugtem Zischen, Heulen und Prasseln. Die junge Viola (Silvia Canola-Haußner) wird nach einem Schiffsunglück völlig durchnässt an das Ufer von Illyrien gespült. Als Mann verkleidet tritt sie in den Dienst des Herzogs Orsino (Thomas Lindner), ihr Zwillingsbruder bleibt nach dem Unglück verschollen.

Täuschen und lachen

Es wäre kein Shakespeare, wenn es bei dieser einen Täuschung bliebe. Orsino, unsterblich in die Gräfin Olivia (Carolin Wagner) verliebt, wird von dieser nicht erhört, dafür bemerkt er wiederum nicht die schmachtenden Blicke der Viola alias "Cesario".

Als das urkomische Trio bestehend aus Sir Toby (Johannes Asen), Sir Andrew (Frank Walther) und dem Kammermädchen Maria (Cosima Asen) die Szenerie betritt, nimmt das Stück so richtig an Fahrt auf. Die beiden Herren, dem Alkohol nur allzu gewogen, sparen nicht an zotigen Sprüchen und deftigen Worten. Sie liegen im Clinch mit des Herzogs Haushofmeister Malvolio (Georg Mädl), ein spießiger Griesgram, wie er im Buche steht. Indem sie ihm mit Hilfe des Narren Feste (Christian Landendörfer) einen deftigen Streich spielen, bringen sie reichlich Verwirrung in das Liebesleben der noblen Herrschaften.

Die Buschklopfer haben ein durchweg gelungenes Stück auf die Bühne gebracht, das beste Unterhaltung garantiert. Regisseur Uwe Hoppe hat den Text dafür neu gefasst und aus dem Englischen übersetzt. "Insbesondere in Richtung Sprachgebrauch, wie er zu dieser Zeit üblich war, habe ich lange und aufwendige Recherchen betrieben", sagt er. Zum Schreiben sei er extra in Klausur gegangen, denn "der Prozess des Schreibens muss schnell gehen, um den Sprachfluss nicht zu unterbrechen."

Letztlich hat er die rhythmische Prosa gewählt, da sie ein bisschen "jetztsprachiger" sei. Derbe Floskeln und anzügliche Sprüche fanden ebenso ihren Einzug wie sinnige und unsinnige Lebensweisheiten. "Nach Mitternacht noch nicht im Bett sein bedeutet, früh auf sein", weiß der trunkene Sir Toby beizutragen.

Angstfrei ins Amtsgericht

Das Ensemble hatte bei den Proben wie bei der Aufführung großen Spaß, und der überträgt sich nahtlos auf das Publikum. Die kreativen Kostüme, allesamt von Heike Beetz von der Studiobühne Bayreuth maßgeschneidert, runden den Genuss ab.

Christoph Berner, Direktor des Kulmbacher Amtsgerichts, lässt es sich nicht nehmen, die Premierengäste persönlich zu begrüßen. "Dass Menschen mal zu uns kommen dürfen, ohne Angst zu haben, ist großartig", sagt er und wünscht dem Ensemble für die weiteren sieben Auftrittstermine viel Erfolg und vor allem gutes Wetter. Die Kulmbacher haben am 15., 16., 19., 22. (Lindenallee Himmelkron), 23., 29. und 30. Juni Gelegenheit, sich von der Shakespeare-Komödie "Was ihr wollt" bezaubern zu lassen. Tickets gibt es im Vorverkauf in der BR-Geschäftsstelle, Kressenstein 2.

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