Kulmbach
Entdecker-Serie (86)

Was der Patersberg-Turm mit einem tierischen Schweif zu tun hat

Vom "Schaudichum"-Turm auf dem Patersberg hoch ober über Veitlahm hat man einen grandiosen Rundblick.
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Der "Schaudichum"-Turm auf dem PatersbergErich Olbrich
Der "Schaudichum"-Turm auf dem PatersbergErich Olbrich
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Viele Menschen unternehmen gerne einen Spaziergang zum Patersberg, um von dort ins Kulmbacher Land zu schauen. Sehr schön ist der Blick auf die Plassenburg, kein Wunder, liegt doch der Patersberg mit seinen 528 Metern rund 100 Meter höher als das Burg-Rondell.

Unter seinem historischen Namen "Poderzagel" wurde der Patersberg bereits 1398 im Landbuch der Herrschaft Plassenburg erwähnt. "Poder" bedeutete im Altgermanischen "Pfad", und der "Zagel" bezeichnete den "Schweif von Tieren". Betrachtet man die Höhenlinien, so könnte der Bergrücken tatsächlich die Form eines langgestreckten buschigen Schwanzes haben.

Eine Idee Weltrichs

Johann Peter Apollonius Weltrich kam bei seinen ausgedehnten Wanderungen gerne in diese Gegend. Er war königlicher Rentamtmann in Kulmbach und ein geschätzter Naturforscher. In den Lindiger Sandgruben entdeckte er zum Beispiel Pflanzenversteinerungen, die nach ihm benannt wurden, die "weltrichia mirabilis".

Er kam auf die Idee, auf dem Patersberg eine Aussichtswarte errichten zu lassen. Dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr los und er konnte eine Reihe honoriger Bürger davon überzeugen. Wohlhabende Persönlichkeiten steuerten ansehnliche Summen bei. Bauern und Fuhrleute leisteten beim Baubeginn 1837 kostenlose Hand- und Spanndienste, auch Handwerker aus der Umgebung halfen mit.

"Tausende Blicke der Sehnsucht"

So konnte am 4. Oktober 1838 die fertiggestellte Warte der Öffentlichkeit übergeben werden. In der Eröffnungsrede sprach Weltrich von seiner Idee des Turmbaus: "Tausende Blicke der Sehnsucht ... werden von hieraus nach allen Richtungen nahe und ferne Orte und Gegenden der Heimat geliebter Freunde suchen."

Er gab der Warte, entsprechend Jean Pauls Eindeutschung des Wortes Belvedere (Schöne Aussicht) den Namen "Schaudichum auf dem Patersberg". Seine Rede beendete er mit: "Ich schließe mit dem freundlichen Zuruf an alle Gegenwärtigen und Nachkommenden: Schauet Euch um und seid fröhlichen Sinnes auf dem Patersberge!"

Grandiose Fernsicht

Zur Zeit des Baus waren die Bäume niedrig und man hatte eine grandiose Fernsicht. Der Turm ist so ausgerichtet, dass seine Lage den vier Himmelsrichtungen entspricht. Steigen wir heute auch noch die letzten Stufen hinauf zur kleinen Plattform, bietet sich ein toller Ausblick über die Höhen des Fichtelgebirges, den Rauhen Kulm und den Staffelberg. Erleichtert wird die Zuordnung durch angebrachte Wegweiser. Bei klarer Sicht sollen sich sogar die Türme von Schloss Banz und die der Veste Coburg zeigen.

Weltrich übergab seinerzeit den Turm samt Grundstück an den damaligen Eigentümer des Gasthauses "Zum Patersberg" und dessen Erben mit der Auflage, den Turm und seine Zugänge zu erhalten und zu pflegen. 1972 kaufte der Landkreis Kulmbach den Turm und das Grundstück einem Unternehmer aus Selbitz ab. Jedes Jahr feiert Veitlahm am Pfingstmontag die Patersberg-Kirchweih, früher am Turm, heute nur noch im Ort, wegen der Auflagen in den Bereichen Hygiene und Feuerschutz.

Der Zahn der Zeit nagt

Zwei Basaltvorkommen am Süd- und Osthang des Bergrückens hatten lange Zeit zu der Meinung geführt, dass der Patersberg vulkanischen Ursprungs sei. Heute weiß man, dass es sich um Lakkolithen handelt, vulkanische Erscheinungen, bei denen das Deckgebirge zunächst nicht durchbrochen wurde. Erst durch Erosion kam dann der bereits erstarrte Basalt zum Vorschein.

Am Gemäuer des Turms nagte leider auch der Zahn der Zeit.

Öfters musste er saniert werden. Bei der letzten großen Sanierung 2014 wurden rund 109 000 Euro investiert. Dekan Zinck ging auf die Eröffnungsrede Weltrichs ein und drückte sein Gefühl unter anderem so aus: "Schau dich um heißt: Gib der Sehnsucht nach Ferne und Weite in deinem Herzen Raum."

Schmierfinken am Werk

An der Südostseite des Turms auf dem Patersberg befindet sich eine Tafel, darauf steht: "Den Freunden dieser Landschaft, den Schöpfern der Anlagen: J. P. A. Weltrich, K. Rentbeamter, Kulmbach Friedr. Jahn, bürgerl. Rath, Kulmbach, widmen diese Tafel zum bleibenden Gedächtnis in Dankbarkeit Gesangverein und Gemeinde Veitlahm. Pfingsten 1894." Was hat es damit auf sich?

1882, nach einer Renovierung, soll sich hier Folgendes zugetragen haben: Zwei angesehene Kulmbacher Bürger, Friedrich Jahn, der an der Ecke Langgasse/Grabenstraße eine Schnapsbrennerei betrieb, und sein Freund, der Weißgerber "Krohers Fritz", verabredeten sich eines Tages, einen Spaziergang auf den Patersberg zu machen. Der instandgesetzte Turm sollte besichtigt werden.

Sie waren froh, als sie nach mühsamem Anstieg ihr Ziel erreicht hatten und sich auf einer Bank im Inneren des Häuschens ausruhen konnten. Plötzlich zuckte es Fritz Jahn in den Fingern, er zog seinen Bleistift und schrieb an die Tür: "Michl wors und Gerg, die stiegen auf den Patersberg ... zu dichten diesen Klapphorn Versch." Und da beide auch langsam Durst und Hunger verspürten, schrieb er noch darunter: "Und am Fuß vom Poterschberge, liegt ein Dorf mit einer Kärche, auch ein Wirtshaus ist darin, wers nicht glaubt, geh selber hin!"

Nach einigen Wochen machte sich auch Fritz Jahns Bruder, ein Apotheker, auf den Weg zum Patersberg, schließlich hatte er einen ansehnlichen Betrag für die Renovierung gestiftet. Aber als er das Türmchen betrat, schwoll ihm der Kamm, hatte doch jemand die neu gestrichene Tür vollgeschmiert.

Sein Entsetzen war groß, als er gar die Schrift seines Bruders erkannte. Nein, da hielt es ihn nicht länger mehr. Er suchte einen Stift und schrieb darunter: "Höre Michl, höre Gerg, wenn ihr wieder steigt auf den Patersberg, statt dass ihr hier die Zeit verdummt, macht, dass ihr wieder runter kummt."



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