Burghaig
Kritik

Was den Burghaigern gewaltig stinkt

Der Bauklotz, Straßen und Verkehr - bei der Bürgerversammlung der SPD in dem Kulmbacher Ortsteil bestand erheblicher Gesprächsbedarf.
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Schlaglöcher, Frostaufbrüche, Bodenwellen - die Lindenstraße in Burghaig ist in einem traurigen Zustand. Foto: Stephan Tiroch
Schlaglöcher, Frostaufbrüche, Bodenwellen - die Lindenstraße in Burghaig ist in einem traurigen Zustand. Foto: Stephan Tiroch
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In Burghaig hat sich einiges angestaut. Es besteht Gesprächsbedarf. Das ungeliebte Bauvorhaben gegenüber der Schule war die Initialzündung. Und jetzt machten die Burghaiger ihrem Ärger bei einer Bürgerversammlung Luft. Zielscheibe der Kritik: die Stadt.

Ins Sportheim der Fußballer eingeladen hatte die Kulmbacher SPD. Das Lokal war rappelvoll, es mussten immer mehr Stühle reingetragen werden. Das Bauprojekt von Maximilian Fießmann - am Dienstagabend nicht anwesend - bringt die Menschen auf die Palme. Wie vor vier Wochen, als über 150 Burghaiger gegen das moderne, viergeschossige Gebäude mit elf Wohnungen, Penthouse und Flachdach demonstrierten. Nach Ansicht der Kritiker zerstört das Haus mit seiner städtischen Bauweise den Dorfcharakter: "So ein Kasten passt nicht hierher."

Als merkwürdig bezeichnete es SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzender und OB-Kandidat Ingo Lehmann, dass das umstrittene Bauvorhaben zunächst von allen Fraktionen, auch von CSU und WGK, kritisch gesehen worden sei. Im Stadtentwicklungsausschuss sei man sich einig gewesen, "dass es so nicht gebaut werden soll, weil es nicht in den dörflich geprägten Stadtteil passt". Vorstellbar wäre gewesen: ein Pultdach und ein Stock weniger. Der OB habe mit dem Investor geredet - ergebnislos.

Das Projekt, so Lehmann, sei dann in der Oktobersitzung des Stadtrats unverändert präsentiert und mehrheitlich - "Gegenstimmen kamen von der SPD und von den Grünen" - genehmigt worden. Warum es vor dem Stadtratsbeschluss nicht wie in Höferänger oder Weiher einen Ortstermin in Burghaig gegeben habe, konnte keiner beantworten.

Ralf Kneitz, der die Protestversammlung am 8. November organisiert hatte, rief dazu auf, bei OB und Stadträten weiter Präsenz zu zeigen, "damit Burghaig so bleibt, wie wir es lieben". Er habe seither mehrmals im Rathaus angerufen und nach dem versprochenen Ortstermin mit Verkehrsschau gefragt. Er sei nur vertröstet worden. "Aber da dürfen wir nicht nachlassen", sagte er.

Erika Brose vermisste eine öffentliche Stellungnahme von OB Henry Schramm (CSU) zu dem Bauprojekt. Sie wunderte sich, dass der Oberbürgermeister, der bei der Demonstration verreist war, "sich nicht mehr zu dem Thema geäußert hat".

Matthias Meußgeyer, örtlicher SPD-Stadtrat aus Burghaig, kritisierte: "Manche im Stadtrat haben noch nicht verstanden, worum's den Bürgern geht." Er wundere sich über Äußerungen wie: Man müsse auch mal ein Gebäude akzeptieren, wenn es ein Stockwerk höher wird (Ralf Hartnack, WGK). Oder über Schramms Aussage, dass ihm angst und bange werde, weil Bauprojekte schlechtgeredet und schlechtgeschrieben würden und dagegen demonstriert werde. Meußgeyer: "Wir sind nicht in der Türkei und nicht im Putin-Land. Man darf auch mal dagegen sein."

Anwohner der Birkenstraße befürchten, dass in Burghaig ein weiteres Fiasko droht. Hier werde ein Grundstück versteigert, und es habe sich schon eine große regionale Baufirma dafür interessiert. "Das wird noch schlimmer als bei der Schule."

Ferner wurde kritisiert, dass die Eichenstraße, seit sie neu asphaltiert wurde, als Rennstrecke missbraucht wird. "Von Lindig runter kürzen viele ab, obwohl die Durchfahrt verboten ist. Motorrad- und Quadfahrer heizen dort durch. Da muss etwas passieren."

Gefährlicher Weg ins Wirtshaus

Nicht zufrieden ist man in Burghaig mit der Oberflächensanierung der Seidenhofer Straße. Alle waren sich einig, dass die Straße eine "Rennstrecke" geworden sei. "Rausgeschmissenes Geld", meinte Ralf Kneitz. Man hätte lieber etwas Gescheites machen sollen - mit Gehsteig und Beleuchtung. So sei es besonders für die Schulkinder gefährlich, früh bei Dunkelheit dort zu laufen. Auch für Dämmerschöppler, sagte Achim Schneider: "Der Weg nach Seidenhof zum Gerhard Vogel runter ins Wirtshaus ist lebensgefährlich."

Wie immer, so Matthias Meußgeyer, sei der SPD-Antrag im Stadtrat abgelehnt worden. Für Gehsteig und Beleuchtung sei kein Geld da. "Aber für ein Spartan Race haben ganz locker 500 000 Euro übrig", stellte Matthias Hahn fest.

"Eine Drecksstraße"

Die Versammlung war sich einig, dass das Geld bei der Lindenstraße besser angelegt gewesen wäre. Eine schlimmere Buckelpiste gebe es in ganz Kulmbach nicht. "Wir haben eine Drecksstraße, wir sind Steuerzahler, wir haben ein Recht auf eine ordentliche Straße", schimpfte eine Anwohnerin. Wenn der Stadtrat eine Prioritätenliste erstellte hätte, wo Vollsanierungen wie in der Lindenstraße gemacht werden müssen, "dann wüssten die Leute, wie sie dran sind", sagte Meußgeyer. Der SPD-Vorschlag sei abgebügelt worden. Laut OB brauche man so was nicht.

Verkehr und Parksituation in Burghaig seien unbefriedigend, hieß es. Jetzt schon komme das Müllauto mancherorts nicht durch. Und durch weitere Neubauten werde das Verkehrsaufkommen noch größer.

Auch durch den neuen Fahrplan des Stadtbusses sei für Burghaig eine Verschlechterung eingetreten. Es würden nicht mehr alle Haltestellen wie früher angefahren oder - laut Toni Steinl - zu unattraktiven Zeiten.

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