Kulmbach
Arztmangel

Warum will niemand mehr Landarzt werden?

Die Überalterung in der Ärzteschaft - ist sie schon ein konkretes Problem oder vorerst nur ein Drohgespenst der Zukunft? Die Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Kulmbach, Maria-Luise Rasch, sieht keinen Grund, über den aktuellen Stand zu klagen. Doch das kann sich bald ändern.
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Maria-Luise Rasch, Vorsitzende des ärztlichen Kreisverbands Kulmbach
Maria-Luise Rasch, Vorsitzende des ärztlichen Kreisverbands Kulmbach
Die Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands Kulmbach, Maria-Luise Rasch, sieht keinen Grund, über den aktuellen Stand der medizinischen Versorgung in Stadt und Landkreis Kulmbach zu klagen. Aber sie weiß auch: Schon in wenigen Jahren drohen ernsthafte Engpässe. "Noch sind die Verhältnisse bei uns relativ günstig, doch das Durchschnittsalter unserer Hausärzte liegt bei 58 Jahren, der oberfränkische Durchschnitt nur bei 53 Jahren. Und jeder, der heute einen Nachfolger für seine Praxis sucht, braucht sehr viel Glück, um den auch zu finden", sagt Rasch.

Wo werden im Landkreis zuerst massive Probleme auftreten? "Die Gemeinden im nördlichen Landkreis werden die Auswirkungen des Ärztemangels zuerst zu spüren bekommen, beispielsweise Presseck oder Marktleugast.
Dort wird es nahezu unmöglich sein, junge Idealisten zu finden, die eine Praxis übernehmen möchten."
Die Gründe für das fehlende Interesse der Nachwuchsmediziner, eine Landarztpraxis zu führen, sind vielfältig, doch ganz vorne steht die wirtschaftliche Unsicherheit gepaart mit unattraktiven Arbeitszeiten.

"Nicht planbar"

"Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind einfach nicht mehr planbar. Ich weiß heute nicht, was ich in einem halben Jahr verdient haben werde, weil ständig neue Regelungen getroffen werden und das Einkommen an Faktoren gekoppelt ist, die ich nicht beeinflussen kann, beispielsweise an die Budgets."

Dazu kämen viele praktische Schwierigkeiten, so die Allgemeinmedizinerin, die eine von derzeit 62 Hausärzten in Stadt und Landkreis Kulmbach ist. Die Arbeitszeiten auf dem Land seien "unkalkulierbar", weil viele Patienten zu betreuen sind. Eine 60-Stunden-Woche sei da keine Seltenheit. "Vor allem junge Ärztinnen, die sich auch um ihre Familie kümmern wollen, legen Wert auf geregelte Arbeit und gehen deshalb lieber in Kliniken, Versorgungszentren oder Gemeinschaftspraxen."

Nicht zu unterschätzen sei auch die Angst vor Regressforderungen - Strafgeldern, weil der Arzt beispielsweise sein Arzneimittelbudget überschritten hat. Selbst Investitionen für Praxisgründer seien schwierig geworden, weil die Banken restriktiv in der Kreditvergabe geworden seien. Das alles trägt nicht dazu bei, den Beruf des Landarztes attraktiv zu machen, macht die Ärztin deutlich.

Ist ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), wie es kürzlich von Kulmbacher Fach- und Hausärzten in Kooperation mit dem Klinikum gegründet wurde, eine sinnvolle Alternative, um die Probleme zu lösen? "Das ist ein gangbarer Weg, um die Zukunft der ärztlichen Versorgung zu sichern", meint Rasch. "Wenn Einzelpraxen politisch nicht mehr gewollt sind und nicht gefördert werden, kann auf diese Weise zumindest die Zahl der Arztsitze und damit die regionale Versorgung erhalten werden."

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