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Kulmbach
Entdecker-Tour (161)

Warum man in Kulmbach keinen Handstreich mehr machte

Die erste Seilbahn Kulmbachs gab es in Petzmannsberg. Mit ihr transportierte man Lehm zur nahen Ziegelei.
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Mit einer Seilbahn wurde aus Ziegelhütten der Lehm herangeschafft. Foto: Erich Olbrich
Mit einer Seilbahn wurde aus Ziegelhütten der Lehm herangeschafft. Foto: Erich Olbrich
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Petzmannsberg war ein Ortsteil der bis zum 1. April 1946 selbstständigen Gemeinde Metzdorf. Kirchlich gehörten die evangelischen Bewohner bis 1868 zu Melkendorf, danach zu Kulmbach. An der Dobrachstraße, im Bereich des alten VfB- Sportplatzes, befand sich bis zum Ersten Weltkrieg eine Ziegelei. Es ist etwas in Vergessenheit geraten, dass viele Häuser in Kulmbach und Umgebung mit Ziegeln aus Petzmannsberg und Lehm aus Metzdorf gebaut wurden. Dazu gehörte die gesamte alte EKU. Von dieser steht nur noch das alte Kantorat. Heute befindet sich im "Besenstiel" ein China-Restaurant.

Mit der Industrialisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts setzte in Kulmbach ein regelrechter Bauboom ein. Für zahlreiche Fabrikgebäude, Mälzereien und Brauereien, aber auch für die Villen der zu Reichtum gekommenen Besitzer wurden Ziegel gebraucht.

60 Beschäftigte in der Blütezeit

Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Johann Kunz einen Kalk- und Ziegelofen. Im Gewerbeverzeichnis von Metzdorf wird die Fabrik zur Herstellung von Dachziegeln und Mauersteinen 1891 erwähnt. In der Blütezeit fanden hier etwa 60 Menschen Lohn und Brot. Viele haben in der sogenannten Kaserne gewohnt, dem Gebäude der späteren Frottierweberei Stricker. Ihre Familie haben sie nur am Wochenende gesehen.

Andere sind täglich von Weißenbrunn zur Arbeit gelaufen. Sie mussten um drei Uhr früh losmarschieren und kamen erst spät wieder heim.

Harter Alltag

Die Tätigkeit in der Ziegelei war hart. Der Lehm musste mit der Hand gegraben, die Ziegelformen aufgefüllt und abgestrichen werden. Aus dieser Zeit stammt noch die Redensart "Keinen Handstreich mehr zu tun". Er stammt vermutlich von einem Arbeiter, der nach der Herstellung mehrerer tausend Ziegel völlig erschöpft sein Tageswerk beendete.

Das Gelände der Ziegelei umfasste die Senke zwischen Petzmannsberg und Ziegelhütten. Im Bereich des heutigen Neubaugebiets standen der Brennofen mit Schlot und mehrere Trockenhallen. Nördlich davon, dort wo einst das Bauunternehmen Weiß angesiedelt war, befand sich ein Stausee. Man hatte die Dobrach angestaut, um Strom für die Fabrikbeleuchtung zu produzieren. Auf dem Fabrikgelände gab es Remisen und Pferdestallungen, denn die Ziegel wurden mit Pferdefuhrwerken zu den Baustellen transportiert. Der Schlot des Brennofens war weithin sichtbar. In Richtung Ziegelhütten führte eine Drahtseilbahn, die mit einem Dieselmotor angetrieben wurde. Ziel waren die dortigen Lehmgruben. Die Seilbahn war von der Firma Ernst Pensel gebaut worden.

Qualität ließ nach

Die Qualität des gefundenen Lehms wurde mit der Zeit immer schlechter. Er enthielt viel Kalk, so dass die Ziegel beim Brennen platzten. Zwar hätte man mit einem Feinwalzwerk den Kalk zerkleinern können, damit er keinen Schaden mehr anrichten konnte. Doch auch die Wirrungen des Ersten Weltkrieges führten schließlich zur Aufgabe der Ziegelei.

Von dieser ist heute nichts mehr übriggeblieben. Lediglich die Straßenbezeichnung "Alte Ziegelei" - zwischen Dobrachstraße und Burghaiger Straße - in dem dortigen Wohngebiet erinnert noch an sie.

Vielen Dank an Stephan Tiroch für seine Recherchen und die Veröffentlichung in der BR am 4. August 2001.

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