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Hobby

Warum ein Wonseeser ungewöhnliche Krippen baut

Der Wonseeser Künstler Klaus Weigand denkt Bibelgeschichten weiter und kreiert ganze Krippenwelten mit ausdrucksstarken Charakteren.
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Mit Zahnarztbesteck vom Trödelmarkt bearbeitet Klaus Weigand seine Figuren. Foto: Adriane Lochner
Mit Zahnarztbesteck vom Trödelmarkt bearbeitet Klaus Weigand seine Figuren. Foto: Adriane Lochner
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Im Schein des warmen Lampenlichts sitzt Künstler Klaus Weigand an der Werkbank in seinem Wonseeser Atelier. Sorgfältig, mit viel Fingerspitzengefühl und Zahnarztbesteck vom Trödelmarkt formt er jede einzelne Locke am Kopf des Hirten.


Der Hang zum Außergewöhnlichen


Der Hang zum Außergewöhnlichen war es, der den 68-Jährigen dazu bewogen hat, sich Krippenfiguren zu widmen. Die Idee dazu sei ihm auf einem Weihnachtsmarkt in München gekommen. Er erklärt: "Alle Figuren waren identisch. Von Handarbeit ist da keine Rede mehr."
Zudem seien die Hirten oft in Prachtgewändern dargestellt. Weigand spricht von "verkitschten" Weihnachtskrippen.

Kunst war schon immer das Lieblingsfach des pensionierten Hauptschullehrers. Seinem kreativen Hobby ging er in seiner Freizeit nach, zunächst allerdings als Hühner-Kartooninst. Mit seinen "C.Art.Huhns" erlangte er überregionales Renommee. "Ich mache gerne Dinge, die niemand anderer macht", sagt Weigand und schmunzelt.


Nicht bemalt, aber bunt


Auch seine Krippenfiguren seien in einer Nische angesiedelt, denn er verzichtet ganz und gar auf das Bemalen. Bunt sind Weigands Werke trotzdem. Für Farbe sorgen rund 20 verschiedenen Tonsorten aus dem Westerwald. Das Mittelgebirge in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist europaweit bekannt für seine großen und vielfältigen Tonvorkommen. Von lachs- und lederfarben über strahlendweiß und extraschwarz bis hin zu braun-rot und "indian summer" heißen die Tontöne, aus denen Weigand Gewänder, Umhänge, Gesichter, Haare und sogar Augäpfel und Pupillen komponiert.

"Die Gesichter waren die größte Herausforderung", gibt der Künstler zu. Jahrelang habe er geübt, um seinen Figuren charakteristischen Ausdruck zu verleihen. Das Echte, das Reale sei ihm wichtig. Seine Figuren sind in Erdfarben gehalten, die Hirten sind arm und manchmal müde, die Kinder spielen mit den Schafen oder umarmen ihre Mütter. Kaspar, Melchior und Balthasar kommen nicht alleine, sondern haben, wie es sich für Könige gehört, einen ganzen Tross dabei mit Eseln, Kamelen und Elefanten. Josef sieht von der langen Reise nach Bethlehem etwas gebeutelt aus und manchmal kommt es sogar vor, dass Maria das Christuskind stillt. "Ich will die Betrachter zum Nachdenken anregen."


Bibel ist interpretierbar


Seiner Meinung nach ist die Bibel interpretierbar. In seiner Galerie in Wonsees hat er eine ganze Krippenwelt aufgebaut mit mehr als hundert Figuren. "Die Leute können sich hier ihre ganz individuelle Krippe zusammenstellen, je nachdem welche Figuren sie am meisten ansprechen", erklärt Weigand.

Die Requisiten, die er für seine Modellbauten nutzt, sind meist Fundstücke aus der Natur, etwa Hölzer, getrocknetes Moos oder Sand. "Wir sind oft draußen unterwegs", erklärt Weigand.


Schön ruhig und ländlich


Gemeinsam mit seiner Frau Christiane Böhm, ebenfalls Künstlerin, gehe er gerne wandern. Das sei einer der Gründe gewesen, warum die beiden vor etwa 17 Jahren aus Reinland-Pfalz hergezogen sind. In Wonsees sei es so schön ruhig und ländlich, gleichzeitig habe man eine atemberaubende Kulisse aus Felsen. Dort holten sich die beiden oft Inspiration für ihre Werke. Während Böhm sich eher auf abstrakte Skulpturen spezialisiert hat, bleibt Weigand seinen Tonfiguren treu.

Bei der Weihnachtsgeschichte ist für den Künstler noch lange nicht Schluss. Das ganze Jahr über veranschaulicht er Momentaufnahmen aus der Bibel, etwa das letzte Abendmahl, das Gleichnis vom verlorenen Sohn oder die Kreuzigung. "Bei mir ist Jesus nicht immer ein schöner, starker Held, sondern auch mal ein gemarterter Mann", sagt der Künstler.


Pfarrer ist ein großer Fan


Weigands Bibelinterpretationen haben bereits begeisterte Fans gefunden, etwa den Wonseeser Pfarrer Daniel Städtler, der den Künstler regelmäßig einlädt, Ausstellungen in der Kirche St. Laurentius zu machen, zuletzt im November zur Reformation und demnächst zur Passionszeit ab Februar. Dem Pfarrer zufolge ist es durchaus legitim, die Bibel zu interpretieren. "Ich finde, dass es Klaus Weigand gelingt, den Bibelstellen Tiefe zu verleihen", sagt Städtler. Oft handle es sich um hochkomplexe Szenen, die die Evangelisten nur mit drei Federstrichen andeuteten. Als Beispiel nennt Städtler Weigands "Steinigung der Ehebrecherin". "Man sieht jeder Figur an, was in ihrem Kopf vorgeht. Manche sind voller Hass, andere zweifeln".

Die Krippenkreationen des Wonseeser Künstlers sind in der Maternkapelle ausgestellt, einer Station auf dem Bamberger Krippenweg. In der Kirche St. Laurentius in Wonsees wird ab dem dritten Advent auch eine Weihnachtskrippe von Klaus Weigand zu besichtigen sein. Wer schon jetzt einen Blick auf die ausdrucksstarken Tonfiguren werfen will, kann jederzeit in der Galerie am Marktplatz 10 vorbeikommen.
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