Kulmbach
Entdecker-Tour (101)

Warum aus einem Busen in Weißenbrunn Bier sprudelt

Die "Jungferkättl" in Weißenbrunn ist eine besondere Brunnenfigur. Aus ihrem Busen fließt manchmal sogar Bier.
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Im Sommer ist die Weißenbrunner "Jungferkättl" mit Blumen geschmückt. Foto: Andrea Bohl
Im Sommer ist die Weißenbrunner "Jungferkättl" mit Blumen geschmückt. Foto: Andrea Bohl
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Das steinerne Wahrzeichen des Bierdorfs Weißenbrunn ist die "Jungferkättl", eine Brunnenfigur, aus deren Brüsten klares Quellwasser und manchmal sogar Bier sprudelt. Der Brunnen wurde ursprünglich nicht als Zierbrunnen geschaffen, sondern ganz praktisch zum Waschen und zur Wasserversorgung genutzt.

Der Patronatsherr Hans Ulrich von Redwitz war ein Wohltäter für Weißenbrunn. So hat er 1698 den Bau der Kirche und in den Jahren 1715 bis 1717 auch den Wunsch der Gemeinde nach einem Dorfbrunnen unterstützt. Die Familie von Redwitz mit Stammsitz in Redwitz an der Rodach ist ein weit verzweigtes, fränkisches Adelsgeschlecht, das bis heute besteht. Es gibt Namensträger im Freiherren- und Grafenstand.

Sandquader aus dem Steinbruch

1715 wurden die Sandquader für den Brunnen in den Weißenbrunner Steinbrüchen gebrochen. Es dauerte wohl noch bis 1717, ehe der Kronacher Bildhauer Johann Thümmlein mit dem Bearbeiten und Aufrichten der Brunnenfigur fertig war.

So wie der Zinsfelder in Kulmbach als Brunnenfigur bemalt ist, war das durchaus auch in Weißenbrunn bei der "Kättl" der Fall. Aus einer Gemeinderechnung geht hervor, dass die beiden Maler nach Fertigstellung der Arbeiten mit "Trunck und Brod" belohnt wurden. Es könnte sich bei ihnen um den Weißenbrunner Maler Wolff Christoph Hornung und seinen unehelichen Sohn Johann Peter Hornung gehandelt haben.

Die Figur bestimmt noch heute die rechte Hälfte des Weißenbrunner Gemeindewappens und wird dort farblich so dargestellt: Der untere Teil in Blau und der Oberkörper in Silber, aber ohne das Wappen derer von Redwitz, das die Brunnenfigur in der rechten Hand trägt. Dieses zeigt sich in Blau, darin drei silberne Balken, überdeckt von einem roten Schrägwellenbalken, darüber auf einem Balkenhelm ein rotes Einhorn.

Holz ersetzt Blei

Beim Brunnenbau wurden in der Figur bleierne Röhren verwendet. Seit 1973 dürfen Bleileitungen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr verwendet werden. Hölzerne Röhren, von der Weißbrunnquelle aus verlegt, versorgten den Brunnen fortan mit Wasser.

Aus den Erzählungen des Lehrers Stäudel erfahren wir, wie es bei der Eröffnungsfeier wohl gewesen ist. Der Schultheiß Matthes Birckner, Bäcker und Wirt zu Weißenbrunn, dankte dem Dorfherrn von Redwitz für das große Geschenk und mahnte die Untertanen im Anblick des schönen Wappens am Arm der Wasserjungfrau um Treue zum Adelsgeschlecht. Wobei: die Kosten des Brunnenbaus musste die Gemeinde selbst bezahlen.

1874 wurde auf Anregung von Christoph Schultheiß jr. sowie der Brüder Christoph und Heinrich Heublein - allesamt Brauereibesitzer - eine gusseiserne Leitung verlegt, denn aus dem Brunnen schöpfte man auch das Wasser für das Bierbrauen. Im Zuge dieser Arbeiten renovierte der Kronacher Bildhauer Köstner auch die Brunnenfigur.

Zum leichteren Befüllen der Wasserträger wurde zwischen den Brüsten ein starkes Wasserrohr eingesetzt. Es war damals durchaus üblich, sich sein Trink- und Brauchwasser aus dem Dorfbrunnen zu holen.

Ab 1925 wurde eine allgemeine Wasserleitung mit Hausanschlüssen in Weißenbrunn verlegt, der Brunnen verlor seine ursprüngliche Verwendung als Wasserplatz und Kommunikationszentrum.

Der Brauerei im Weg

Nach dem Ausbau der Ortsstraße 1932 stand der Brunnen zu nahe an der Straße und war der Einfahrt zur neuen Schultheiß-Bräu im Weg. So wurde er 1936 um etwa vier Meter nach Südwesten versetzt. Nun darf die "Jungferkättl" in Richtung Straße schauen. Für diesen Umzug musste auch die 1911 gepflanzte Luitpold-Linde weichen.

Bei besonderen Gelegenheiten wie der traditionellen Kirchweih im September erweist sich die "Kättl" übrigens als Spenderin eines kraftvollen Labtrunkes: Dann fließt aus den steinernen Brüsten der volkstümlichen Figur nicht Wasser, sondern Bier, und jeder, der Durst hat, kann ihn dort kostenlos löschen.

Aber wie kommt eine nackte Schönheit auf einen Dorfbrunnen in Weißenbrunn? Der Sage nach soll Katharina, eine Tochter der Dorfherren von Redwitz, ein besonders liederliches Leben geführt haben. Wegen einer verschmähten Liebe stürzte sie sich in einen Weiher und konnte im Grab keine Ruhe finden.

Doch das ist leider nur eine Sage, denn dafür gibt es keine Einträge in den Kirchenbüchern. Aber es könnte vielleicht doch so gewesen sein ...

Schön, dass es in Weißenbrunn den "Arbeitskreis Heimatpflege" rund um Gerhard Bohl gibt. Durch seine Arbeit bleiben Geschichte und Geschichten erhalten.



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