Untersteinach
Waldbaden

Heilsam für Körper und Geist: Wie Waldbaden funktioniert und was es so besonders macht

Die Neu-Untersteinacherin Anna Julia Weber lädt ab Oktober zu Waldbaden-Kursen ein. Die 30-Jährige spricht im Interview über die heilsame Wirkung für Körper und Geist.
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Anna Julia Weber meditiert auf einem Baumstamm. "Es geht darum, zu spüren, dass wir Teil der Natur sind", sagt die 30-Jährige. Foto: privat
Anna Julia Weber meditiert auf einem Baumstamm. "Es geht darum, zu spüren, dass wir Teil der Natur sind", sagt die 30-Jährige. Foto: privat
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Waldbaden. Wer da ein Bad in einem idyllischen Tümpel oder Weiher unter Baumkronen erwartet, sieht sich getäuscht. "Es geht um das Eintauchen in die Natur. Man lernt, den Wald zu riechen, zu sehen, zu fühlen und zu hören", sagt Anna Julia Weber, die ab Oktober Kurse in Untersteinach hält.

Im Interview spricht die 30-Jährige über ein Angebot, das bis dato vor allem Menschen in Asien fasziniert und heilsam für Körper wie auch Geist sein soll. In Japan kann man "Waldmedizin" sogar studieren.

Frage: Frau Weber, was versteht man genau unter Waldbaden?

Antwort: Den achtsamen Aufenthalt im Wald, die bewusste Begegnung mit sich selbst - und dem Wald. Es geht darum, dass Menschen wieder spüren, dass sie Teil der Natur sind. Mit dem Ziel, Körper und Geist zu heilen. Mit Waldbaden kann man zum Beispiel einer Depression oder Burnout vorbeugen.

Noch mehr übers Waldbaden: Auch die Kronacher Region hat der Trend aus Japan bereits erreicht.

Frage: Dem Waldbaden wird eine medizinische Wirkung attestiert?

Antwort: Es gibt viele Studien, die die heilsame Wirkung belegen. Durch das Einatmen der ätherischen Öle, die die Bäume abgeben, wird das Immunsystem gestärkt. Aufgrund der in der Waldluft enthaltenen Terpene produziert unser Körper verstärkt sogenannte Killerzellen, die gegen Krebs wirken. Auch Angstzustände nehmen durch den Aufenthalt im Wald ab, Stresshormone werden abgebaut, und die Vitalität steigt. Der Aufenthalt im Wald tut dem ganzen Organismus gut!

Frage: In Japan wird der Aufenthalt im Wald den Menschen in der Großstadt quasi "verordnet".

Antwort: In Japan wird zu "Shinrin Yoku", zu Deutsch "Waldbaden", intensiv geforscht. Dort kann man sogar "Waldmedizin" studieren. Man hat festgestellt, dass gerade die Stadtbewohner vom Eintauchen in die Natur profitieren. Menschliches Leben gibt es seit rund sieben Millionen Jahren - aber erst seit 200 Jahren leben wir in Städten. Dort herrscht Lärm und Hektik, auf die unser Körper eigentlich nicht eingestellt ist.

Frage: Was erlebt derjenige, der mit Ihnen Waldbaden geht?

Antwort: Ich sehe mich als Mittler zwischen Mensch und Natur. Es geht anfangs erst einmal darum, das Tempo zu drosseln. Dass fällt manchem gar nicht so leicht, der im Alltag ständig unter Strom steht. Wir wenden uns deshalb erst einmal den kleinen Dingen zu, schauen uns die Rinde an, probieren, wie sich Moos anfühlt, nehmen wahr, welche Geräusche wir hören, wie ein Tannenzapfen riecht.

Frage: Muss man sich körperlich anstrengen?

Antwort: Nein. Wir laufen, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben, um dann immer wieder Übungen einzustreuen. Bei einer meiner Lieblingsübungen bilde ich aus Stöcken einen Bilderrahmen, setze mich davor und schaue, was ich darin alles entdecke. Käfer, kleine Pilze, die wachsen, das Moos in seinen verschiedenen Farben. Man blendet andere Gedanken aus, kann richtig abschalten. Entspannen kann man bei verschiedenen Meditationsübungen. So lehnen sich die Teilnehmer an einen Baumstamm. Ich leite sie mit Worten dazu an, dass sie selbst zum Baum werden, dass sie Wurzeln schlagen, die sich weit verzweigen, dass sie wachsen. Auch diejenigen, die verkrampft an die Sache herangehen, spüren, dass sie mit der Natur verwurzeln, dass sie Kraft tanken.

Frage: Glauben Sie, dass das Waldbaden in Deutschland wie in Japan in der medizinischen Therapie an Bedeutung gewinnen wird?

Antwort: Es gibt bei uns schon die ersten Krankenkassen, die Interesse zeigen. Dass es wie bei Yoga als präventive Maßnahme angeboten wird, das kann ich mir gut vorstellen. Wir bräuchten dann aber eine einheitliche, staatlich zertifizierte Ausbildung, die es noch nicht gibt. Ich selbst habe Pädagogik studiert, meinen Bachelor in Waldpädagogik gemacht und Waldbade-Seminare besucht. Dass das Thema an Bedeutung gewinnt, zeigt die Tatsache, dass die Ludwig-Maximilians-Universität in München gemeinsam mit dem Kneippärztebund dazu ein Seminar anbietet, das auch ich besuchen werde. Nach einem fünftägigen Blockseminar und sechs Monaten Selbstlernzeit ist man zertifizierter "Wald-Gesundheitstrainer". Diese Ausbildung ist seit 2019 neu und findet mehrfach im Jahr statt. Sie ist nach meiner Einschätzung momentan die umfassendste und hochwertigste Ausbildung zum Thema Waldbaden.

Frage: Sie wohnen derzeit in Neustadt/Aisch. Wie kommt es dazu, dass Sie ab Herbst Kurse in Untersteinach anbieten?

Antwort: Mein Mann und ich haben in Hummendorf ein Anwesen gekauft und ziehen bald nach Untersteinach. Mir gefällt die Region, in der es viel Natur gibt - und den Frankenwald, der sich für das Waldbaden natürlich anbietet.

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