Kulmbach
Landtagswahl 2013

Wahlkampf im Hundeknochen-Stimmkreis Kulmbach-Wunsiedel

Oberfranken schrumpft - und hat deshalb im neuen Landtag ein Mandat weniger. Auch im Wahlkampf in Kulmbach und Wunsiedel ist der Kampf gegen den Bevölkerungsschwund ein wichtiges Thema.
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Recht schmeichelhaft klingt die Bezeichnung ja nicht, die sich schnell für den neuen Landtagswahlkreis Kulmbach-Wunsiedel eingebürgert hat: Hundeknochen. Weil die Fläche auf der Landkarte das Aussehen eines abgenagten Knochens hat. Auch sonst fanden es die Kulmbacher und die Wunsiedeler wenig schmeichelhaft, dass aus ihren bislang zwei Stimmkreisen plötzlich nur noch einer werden sollte. In Oberfranken schrumpfe nun einmal die Bevölkerung, hieß es zur Begründung. Oberbayern dagegen wachse.

Deshalb gibt es jetzt dort den neuen Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen, wo sich Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) um ein Landtagsmandat bewirbt. Und die Oberfranken und die Oberpfälzer haben je ein Mandat weniger im Parlament. Popularklagen gegen den neuen Zuschnitt der Stimmkreise wurden vom Verfassungsgerichtshof abgeschmettert.

"Das war eine bittere Entscheidung", kommentiert SPD-Direktkandidatin Inge Aures die Zusammenlegung der Kreise. "Und Seehofer hat ja jetzt seinen eigenen Stimmkreis. Das war ganz mies." Deutlich zurückhaltender äußert sich der CSU-Kandidat Martin Schöffel: Die Entscheidung zur Zusammenlegung der Wahlkreise sei "nicht so glücklich" gewesen, "aber es hat sich nicht vermeiden lassen". Zwei Jahre intensive Präsenz vor Ort in allen Teilen des Wahlkreises habe sich bereits jetzt gelohnt, sagt der Abgeordnete. "Es ist wichtig, dass man sich kümmert, dass man sich sehen lässt bei den Menschen."

Schöffel kommt aus Wunsiedel, Aures dagegen war Kulmbacher Oberbürgermeisterin, seit fünf Jahren sitzt sie im Landtag. Mit den Menschen im Landkreis Wunsiedel komme sie gut zurecht, "die Verbindung ist gut und wird noch intensiver werden", sagt Aures. Der Tourismus im Fichtelgebirge brauche spezielle Unterstützung, betont sie. "Das A und O sind Arbeitsplätze. Nur dann bleiben junge Leute da." Ein großer Wunsch sei eine Fachhochschule für Marktredwitz, "da lassen wir nicht locker".

Auch Schöffel will sich für Forschungs- und Hochschuleinrichtungen im neuen Wahlkreis stark machen. "Wir brauchen Perspektiven für junge Leute und auch Zuzug in die Region."

Neben den Landkreisen Kulmbach und Wunsiedel gehören auch einige Gemeinden des Landkreises Bayreuth zum neuen Stimmkreis. Die drei Landkreise, aus denen sich der Stimmkreis nun zusammensetzt, hätten eine gewaltige Strukturveränderung hinter sich: Die Branchen Textil, Glas und Porzellan seien weitgehend eingebrochen, neue Industriezweige mussten sich entwickeln. "Deshalb ist es Aufgabe der Wirtschaftspolitik, diesen Wandel zu fördern", sagt Schöffel.

Der Bevölkerungsschwund bleibe wichtiges Thema: Wie sichert man die Infrastruktur? Wie hält man die ärztliche Versorgung aufrecht? Wie erhält man die Schulen? Der demografische Wandel hat der Region eben nicht nur ein Landtagsmandat gekostet, sondern hält noch mehr Probleme bereit. Im Landkreis Wunsiedel rechnen Experten im Zeitraum von 2008 bis 2028 mit einem Rückgang der Einwohnerzahl um 21,7 Prozent auf dann rund 61.400 Menschen.

Für die Grünen tritt im Wahlkreis Kulmbach-Wunsiedel Brigitte Artmann aus Wunsiedel an, die als engagierte Kämpferin gegen das tschechische Atomkraftwerk Temelin bereits große Popularität erlangt hat. Die FDP schickt Thomas Nagel ins Rennen, die Freien Wähler Martin Baumgärtner. Beide kommen aus dem Landkreis Kulmbach. dpa/lby
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