Kulmbach
Diskussion

Wahl: Politiker diskutieren mit Kulmbacher Schülern

Die jungen Leute sprachen in der Podiumsdiskussion der Bayerischen Rundschau im Juz Klartext. Hauptthemen: Cannabis-Legalisierung und Flüchtlinge.
Artikel drucken Artikel einbetten
Von links: Oswald Greim (Linke), Michael Otte (FDP), BR-Redaktionsleiter Alexander Müller, Julian Seiferth (Juso), Rainer Ludwig (FW), Wilfried Kukla (Grüne), Patrick Kölbel (JU) und Gerd Kögler (AfD). Foto: Jürgen Gärtner
Von links: Oswald Greim (Linke), Michael Otte (FDP), BR-Redaktionsleiter Alexander Müller, Julian Seiferth (Juso), Rainer Ludwig (FW), Wilfried Kukla (Grüne), Patrick Kölbel (JU) und Gerd Kögler (AfD). Foto: Jürgen Gärtner
+11 Bilder
200 Jungen und Mädchen der beiden Gymnasien (CVG, MGF), von Fos und Bos sowie des beruflichen Schulzentrums nahmen im vollbesetzten Jugendzentrum kein Blatt vor den Mund. Vor allem in Richtung von AfD-Kandidat Gerd Kögler zielten viele Fragen. Auf den hatte es auch Juso-Kreisvorsitzender Julian Seiferth abgesehen. Die beiden lieferten sich am Montagvormittag heftige Wortgefechte. Aber der Reihe nach.

1. Die Themen: Was angesichts der Zielgruppe wenig überrascht: Rentenproblematik und Arbeitsmarkt blieben (außer von den Kandidaten von sich aus angesprochen) weitgehend außen vor. Dafür dominierte den ersten Teil des Treffens die Diskussion um die Freigabe von Cannabis. "Dazu gab es ein ganzes Paket an Fragen", erklärte der Jugendsprecher der Stadt, Torsten Grampp, der mit einem Team die Fragen auswertete. Und es ging um die Flüchtlingspolitik.

2. Die Diskussion: Es gab mehrere Möglichkeiten, den Kandidaten Fragen zu stellen. Zum einen ganz klassisch aus dem Publikum per Mikrofon. Zum anderen über Fragezettel, die vor der Veranstaltung verteilt und dann eingesammelt und ausgewertet wurden. Und - ganz auf das junge Publikum zugeschnitten - die Fragemöglichkeit über WhatsApp.

3. Die Teilnehmer: Eingeladen waren (vorzugsweise junge) Vertreter aller Parteien und Verbände, die am 14. Oktober bei der Landtagswahl antreten. Von der JU Kulmbach war das Patrick Kölbel und vom Juso-Kreisverband Kulmbach-Lichtenfels Julian Seiferth. Zudem mit auf dem Podium die Landtagskandidaten Gerd Kögler (AfD), Michael Otte (FPD), Rainer Ludwig (FW), Wilfried Kukla (Grüne) und Oswald Greim (Linke).

4. Frage Cannabis-Freigabe: Wie stehen die Politiker zu einer Legalisierung?

Michael Otte (FDP) findet auf der einen Seite den Aufwand für die Verfolgung von "kleinen Kiffern" für überzogen, sieht aber auf der anderen Seite die Gefahr des Einstiegs ins Drogenmilieu. "Wenn ich ehrlich bin, habe ich noch keine klare Meinung", räumte er ein.

Patrick Kölbel (JU) hält die "maximale Kriminalisierung wegen geringer Mengen" für bedenklich. Er steht als Arzt einer vollständigen Legalisierung aber kritisch gegenüber. "Man sollte besser fragen, warum Alkohol überall so leicht verfügbar ist."

Ganz klare Meinung dagegen von Oswald Greim (Linke): "Konsum und Besitz für den Eigenbedarf sollten straffrei sein."

Das sieht Gerd Kögler (AfD) überhaupt nicht so: "Ich möchte das ganz klar nicht." Er habe als Schulleiter selbst erlebt, wie die Schulkarriere eines Mädchens wegen Drogen ruiniert wurde.
Dass die Legalisierung kommen wird, davon zeigte sich Wilfried Kukla (Grüne) überzeugt.

Rainer Ludwig (FW) gab sich mit Blick auf den Einsatz von Cannabis in der Medizin zwiegespalten. "Das ist eine Droge. Ich bin generell gegen Drogen."

Und Julian Seifert (Jusos) ergänzte: "Da müsste man auch gegen Alkohol vorgehen."

5. Dann kamen die Fragen zum unvermeidlichen Thema Flüchtlinge und Integration, bei dem vor allen Juso Seiferth und AfD-Mann Kögler aneinander gerieten.

"Wir wollen die Flüchtlingszahlen reduzieren. Dafür steht die AfD", stellte Kögler fest. Er sagte aber auch, wer sich legal in Deutschland aufhalte, dem müsse man Perspektiven bieten. "Und dazu ist das Beherrschen der Sprache der Schlüssel." Das sei aber noch nicht alles: Auch das Akzeptieren des Werte- und Kultursystems und der Bräuche gehöre dazu. "Es darf nicht den Muezzin im Viertel geben, der sagt, was zu tun und zu lassen ist."

Das rief Julian Seiferth auf den Plan: "Das Konstrukt des Islams als Problem ist Quatsch. Der Bau einer Moschee gehört ebenso zur Religionsfreiheit wie der Bau einer Kirche." Man müsse Flüchtlingen die Möglichkeit geben, einer Arbeit nachzugehen. "Dann wird populistischen Argumenten das Wasser abgegraben, und die Menschen werden zu einem wichtigen Teil der Gesellschaft."

Eine Schülerin ging gar nicht mit der Ansicht des Jusos konform: "Wenn man nachts durch Kulmbach läuft, wird man begrapscht. Und es sind Flüchtlinge, die die Frauen anmachen."

Julian Seiferth bedauerte die Erfahrungen der jungen Frau: "Das ist furchtbar. Gegen diese Leute muss vorgegangen werden. Aber nicht, weil sie Flüchtlinge, sondern weil sie Sexualstraftäter sind."

6. Natürlich gab es noch viele weitere Fragen, die via WhatsApp oder Karte eingereicht wurden. Sie werden an die Kandidaten weitergegeben. Über deren Antworten werde noch berichtet, versicherte der Redaktionsleiter der Bayerischen Rundschau, Alexander Müller, der die Diskussion moderiert hatte. Er freute sich über emotionale, heftige, aber immer faire Beiträge.


7. Zu Beginn hatte Lisa Warzecha die Ergebnisse eines Demokratie-Seminars von Fos/Bos vorgestellt, das sie für Kreisjugendring und Bayerische Rundschau im Vorfeld durchgeführt hatte.

Ein Ergebnis: Nur für wenige Schüler komme es in Frage, in einer Partei mitzuwirken. Positiv dagegen: Nur wenige werden aus Protest nicht zur Wahl gehen. Einig seien sich die Schüler darüber: "In der Demokratie wird viel geredet und nur wenig entschieden."
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren