Kulmbach
Gericht

Vorsitzende greift in Kasse des Fördervereins

Eine 36-Jährige, die den Förderverein einer Schule im Landkreis geführt hat, hat Geld vom Konto abgezwackt.Wegen Untreue in 25 Fällen wurde sie am Kulmbacher Amtsgericht zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt.
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Über 2500 Euro hat die Vorsitzende vom Konto des Fördervereins für sich abgezwackt. Symbolfoto: fotolia
Über 2500 Euro hat die Vorsitzende vom Konto des Fördervereins für sich abgezwackt. Symbolfoto: fotolia

Sie hätte den Verein führen sollen, hat ihn aber nicht nach vorne gebracht, sondern finanziell geschädigt: Eine 36-Jährige, die Vorsitzende des Fördervereins einer Schule im Landkreis war, hat in den Jahren 2017 und 2018 vom Vereinskonto durch 25 Abhebungen oder Überweisungen insgesamt 2514 Euro abgezwackt, um damit ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Sie sei in finanzieller Not gewesen, sagte die Frau, die sich gestern wegen Untreue vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten musste.

Abbuchungen auch in den Ferien

Aufgedeckt wurde die Straftat durch einen Zufall. Als die stellvertretende Vorsitzende des Elternbeirats ihre Bank aufsuchte, wurde sie von einer Angestellten auf das Minus im Vereinskonto angesprochen. Beim Blick in die Kontoauszüge sei ihr anschließend aufgefallen, dass Geld für anderweitige Zwecke abgebucht worden sei, sagte die Vertreterin des Elternbeirats im Zeugenstand. So seien 35 Euro an eine Apotheke geflossen, 100 Euro an einen Elektronik-Fachmarkt. "Kontobuchungen, die wir uns nicht erklären konnten." Besonders auffällig sei gewesen, dass in den Ferien Abbuchungen vorgenommen wurden.

Die Angeklagte sei, so die Zeugin, mit den Vorwürfen konfrontiert und zu einer Sitzung eingeladen worden. Sie hätte die Finanzen da offenlegen sollen. Nachdem die 36-Jährige den Termin nicht wahrgenommen hatte, wurde Anzeige erstattet.

Die Beschuldigte räumte die Taten ein. Durch ihren Verteidiger, den Kulmbacher Rechtsanwalt Frank Stübinger, ließ sie zu Beginn der Verhandlung mitteilen, dass sie aus Geldnot gehandelt habe. Sie habe auf das Konto zugegriffen, wenn sie klamm gewesen sei, so die Frau. Auch um Lebensmittel für sich und die Kinder bezahlen zu können.

Gewerbsmäßiges Handeln

Der Vertreter der Anklage, Alexander Schmidt, sprach vom gewerbsmäßigen Handeln, weil sich die 36-Jährige über einen längeren Zeitraum eine nicht unerhebliche Einnahmequelle verschafft habe. Er forderte eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Von einem gewerbsmäßigen Vorgehen im minder schweren Fall sprach der Verteidiger. Rechtsanwalt Frank Stübinger hielt eine Bewährungsstrafe von acht Monaten für ausreichend. Eine Geldauflage von 800 Euro sollte dem Förderverein zugute kommen.

Das Urteil

Richterin Sieglinde Tettmann verurteilte die wegen Veruntreuung und Betrugs vorbestrafte 36-Jährige zu einer einjährigen Freiheitsstrafe. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt. Sie sah keinen minderschweren Fall. Die Verurteilte muss zudem 600 Euro an den Verein Fähre zahlen oder alternativ 60 Arbeitsstunden leisten. Ein Geldbetrag von 2514 Euro wurde als Wertersatz eingezogen. Dieser soll dem geschädigten Verein zugutekommen, dem es so erspart, den Schadenausgleich in einem Zivilverfahren einzufordern. Die Richterin hofft, dass die Bewährungsstrafe der Frau eine Warnung ist: "Wenn noch was passiert, müssen die Kinder eine Zeit lang ohne ihre Mutter auskommen."

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