Kulmbach
Burggeflüster

Von Pankow nach Prenzlauer Berg

Nicht wenige Menschen in Deutschland wünschen sich die DDR zurück. Dabei müssten sie froh sein, in Freiheit und Frieden leben zu dürfen.
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Bei jedem Spaziergang durchs Brandenburger Tor in Berlin erfasst mich ein spezielles Gefühl von Freiheit. Symbolfoto: Paul Zinken/dpa
Bei jedem Spaziergang durchs Brandenburger Tor in Berlin erfasst mich ein spezielles Gefühl von Freiheit. Symbolfoto: Paul Zinken/dpa

Es fällt mir im Gegensatz zu manchem Kollegen schwer, die Wende für mich mit einem, mit dem Erlebnis in Verbindung zu bringen. Zu viele Gedanken schwirren mir durch den Kopf, wenn ich 30 und noch ein paar Jahre mehr zurückdenke.

Da meine Mutter eine waschechte Berlinerin war, lebte ein Teil meiner Verwandtschaft in Berlin, und zwar in beiden Teilen der Stadt. Jeder Besuch im Osten war eine Tortur, jeder Grenzübertritt in die DDR zutiefst deprimierend, ja beinahe gespenstisch, jede Ausreise aus dem Arbeiter- und Bauernstaat dagegen wie eine Befreiung.

Nichts als Schikane

Die Schikanen waren für mich schwer verdaulich. Ich weiß noch, dass ich einmal bei der Einreise mit dem Auto bei Hof als Reiseziel wahrheitsgemäß "Ost-Berlin" angab. Beim Grenzer fiel die Klappe - im wahrsten Sinne des Wortes. Als er mich eine gefühlte Ewigkeit später noch einmal fragte, sagte ich "Berlin, Hauptstadt der DDR". "Nu, also, geht doch", kam im breiten Sächsisch zurück und ich durfte passieren.

Beim Bund habe ich dann 15 Monate lang als Radartiefflugmelder die Grenzen zur DDR und zur damaligen Tschechoslowakei bewacht, nicht ohne zuvor vom Militärischen Abschirmdienst (MAD) genauestens über meine Kontakte zu meiner Ost-Verwandtschaft ausgefragt worden zu sein.

Die Grenzen gibt es schon lange nicht mehr, ebenso wie die Kaserne in Naila, in der ich meinen Wehrdienst ableistete. Die dient heute als Bauhof.

Der Kreis schließt sich

Meine Mutter floh übrigens nach dem Krieg aus Berlin-Pankow nach Bayern, ihre kleine Schwester blieb und wurde später zur Ost-Berlinerin. Seit einiger Zeit lebt unser großer Sohn in Prenzlauer Berg - nur wenige Straßen weiter. Der Kreis schließt sich.

Bei jedem Aufenthalt in Berlin, bei einem Spaziergang vom Alex zum Brandenburger Tor und weiter Richtung Reichstagsgebäude empfinde ich tiefe Dankbarkeit, dass ich mich frei bewegen kann. Und Unverständnis, dass sich Menschen tatsächlich die DDR zurückwünschen. Seien wir froh, dass wir in Freiheit und Frieden leben dürfen. Alles andere gibt sich.

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