Kulmbach

Vögel füttern oder lieber nicht?

Wenn, dann richtig: Wer helfen will, muss sich an einige wichtige Grundregeln halten. Extra-Futter ist allerdings nur die zweitbeste Lösung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Zusätzliche Futterstellen nehmen Singvögel nicht nur im tiefen Winter gerne an. Doch nur wenige Arten profitieren. Fotos: Ingo Rittscher/LBV
Zusätzliche Futterstellen nehmen Singvögel nicht nur im tiefen Winter gerne an. Doch nur wenige Arten profitieren. Fotos: Ingo Rittscher/LBV
+1 Bild

Besand und Matthias LitzlfelderEin Futterhäuschen aufzustellen oder einen Meisenknödel aufzuhängen, gehört zu den beliebten Winterbeschäftigungen der Deutschen. So können heimische Vögel auf Balkon, Terrasse oder im Garten aus der Nähe beobachtet werden. Doch die Winter sind inzwischen milder als früher, auch der aktuelle zeigte sich bisher äußerst gemäßigt. Soll man da überhaupt füttern? Die Vögel können sich selbst versorgen, der Mensch sollte sich da raushalten, sagen manche. Andere verweisen darauf, dass aufgrund intensiver Landwirtschaft und häufig artenarmer Gärten zu wenig Nahrung da ist.

Deshalb spricht sich der Landesbund für Vogelschutz (LBV) inzwischen sogar für eine Ganzjahresfütterung aus. Das verbessere das Immunsystem der Tiere und reduziere Stress. "Es gibt aber noch zu wenig wissenschaftliche Studien darüber, welche Effekte vom Menschen angebotene Nahrung hat", so LBV-Pressereferentin Sonja Dölfel. "Doch das Füttern schadet auch nicht, wenn man sich an ein paar Regeln hält", sagt Erich Schiffelholz, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Kulmbach. Wichtiger als die Fütterung sei allerdings, den Singvögeln einen ihren Bedürfnissen angepassten Lebensraum zu bieten, betont er. "Dazu kann jeder Grundstücksbesitzer einen Beitrag leisten." Zusätzliches Futter hält Schiffelholz immer dann für sinnvoll, wenn die natürlichen Futterquellen weniger werden.

Grundregel Nummer 1: Hygiene! Offene Futterplätze müssen täglich sauber gemacht werden. Futterspender machen weniger Arbeit und sind eine gute Alternative, weil das Futter vor Regen geschützt ist und die Tiere nicht darin herumhüpfen und es mit Kot verunreinigen. "Ganz wichtig ist es, die Futterstellen an einem übersichtlichen und von Katzen nicht erreichbaren Ort einrichten", sagt Schiffelholz. Und: "Mehrere kleine Futterstellen sind besser als eine große. Salmonellen und Parasiten treten dann seltener auf."

Oft vergessen wird: Vögel haben nicht nur Hunger, sondern auch Durst. Vogeltränken in Sichtweite zum Futterplatz sind deshalb nötig. Auch hier ist Sauberkeit oberstes Gebot: "Stets auf frisches Wasser achten, die Schale gründlich reinigen."

Bedrohte Tierarten wie Kiebitz oder Feldlerche rettet man durch die Fütterung leider nicht. "Die kommen nicht an die Futterstellen." In Deutschland gibt es insgesamt rund 200 Arten. An den Futterplätzen findet man gerade mal zehn bis 15.

Was das Futter angeht, rät der Kulmbacher Experte, auf Qualität zu achten. "Auf den Packungen sind oft Empfehlungen der großen Naturschutzverbände zu finden. Bei billigen Mischungen würden oft Füllstoffe verwendet. Noch schlimmer seien die manchmal enthaltenen Samen der Beifuß-Ambrosie - auch Ambrosia genannt. "Die Vögel fressen die Samen nicht, sondern schmeißen sie nach unten, wo sie später keimen können." Die Pflanze ist bei Pollenallergikern gefürchtet.

Mit wenig Aufwand können Vogelfreunde übrigens Futter selbst mischen

KOMMENTAR

von Dagmar Besand

Am liebsten Natur pur Jahrzehntelang wurde uns gepredigt, dass wir nur in den härtesten Winterwochen die heimische Vogelwelt mit ein wenig Futter unterstützen sollten. Heute sprechen sich sogar namhafte Experten für eine umfassende Winterfütterung oder sogar eine Ganzjahresfütterung aus. Woher kommt dieser Sinneswandel?

Der Hintergrund ist ein trauriger: Die Fütterung ist vielerorts nötig, um den Schaden, den wir Menschen der Natur zugefügt haben, auszugleichen und den Vögeln das zu bieten, was sie sonst nicht mehr in ausreichender Menge finden.

Wir füttern also - und erfreuen uns nebenbei an dem munteren Treiben an den Futterplätzen. Positiv ist, dass das Vogel-Kino auch für Kinder großen Reiz hat und Bezug zur Natur schafft.

Die beste Unterstützung ist aber durch Natur pur im Garten, der dann selbst den Tisch für die Vogelwelt deckt. Als Problem erweist sich nur, dass Gartenbesitzer das Gute nicht unbedingt schön finden. Disteln samt ihrer Samenstände im Herbst stehen lassen? Bloß nicht! Dann hat man das "Unkraut" ja nächstes Jahr überall... Der Stieglitz, der sich die ölhaltigen Samen liebend gerne herauspicken würde, hat das Nachsehen. Und in pflegeleichten Kiesbeeten gibt es sowieso nichts zu futtern.

In vielen Gärten ist schon ein Umdenken zu beobachten, aber es könnten mehr sein. Der Garten ist schließlich kein Wohnzimmer und muss nicht picobello aufgeräumt sein. Im Gegenteil. Die von der Natur bevorzugte Ordnung ist: unordentlich! Nur dann finden kleine und große Lebewesen Nahrung, Verstecke, sichere Nistplätze.

Ein bisschen Hilfe von uns Menschen ist da willkommen - und einfach zu leisten: einheimische, früchtetragende Sträucher pflanzen, Samenstände stehen lassen, Totholz- und Steinhaufen anlegen, auf Laubbläser und Mähroboter verzichten, die massenhaft kleines Getier töten. Dann müssen wir nicht lange warten, bis wir neue Vogelarten beobachten können.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren