Kulmbach

Vivavoce: "Wir schenken uns nix"

Vivavoce begeisterten das Publikum in der Kulmbacher Stadthalle.
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Neben stimmlicher Qualität beeindruckten starke       Ausdruckformen beim Konzert von Vivavoce.Horst Wunner
Neben stimmlicher Qualität beeindruckten starke Ausdruckformen beim Konzert von Vivavoce.Horst Wunner
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Sie kamen ganz plötzlich auf die Bühne, ohne Vorwarnung, originell, und mit dem was sie bekannt gemacht hat: mit bestens geschulten Stimmen und einer großen Portion Hintergründigkeit, ein bisschen Ironie und Frivolität. Untermalt mit Nachdenklichkeit und Sinnieren über Verlorenes. Vivavoce, das fränkische  A-cappella-Quintett, war genau die richtige Einstimmung auf das Fest.

Nicht zu sentimental, nicht zu sehr im Schmalz dieser Tage, gelang dieser schmale Spagat zwischen Poesie, Seelenheil und einer Portion unbekümmerter Frechheit vortrefflich. Die über 400 Besucher jedenfalls honorierten das mit stehenden Ovationen und "erzwangen" zwei Zugaben, die die sympathischen Künstler gern gaben.

Strahlende Stimmkraft

Die Tenöre David Lugert, Matthias Hofmann, Jörg Schwartzmanns, Heiko Benjes und Bass Bastian Hupfer sind eine Formation mit strahlender Stimmkraft und komödiantischer Darstellungslust. Sie vermochten gute zwei Stunden blendend zu unterhalten, das Publikum mitzunehmen in unterschiedliche Weihnachtsgefühle. Da wurden ganz hingebungsvoll "Maria durch den Dornwald ging" gesungen und zärtlich "You Raise Me Up" hoch oben von der Empore intoniert - und dann wieder das so dehnbare Weihnachtsglück persifliert.

Es ist dieses Spannungsfeld zwischen Besinnlichkeit und purer Unterhaltung, das die Gruppe ausmacht. Man sah sich zeitweise in eine große Kathedrale versetzt und dann wieder in einen vergnüglichen Ballsaal. Die Tenöre stiegen oft zum Himmel hinauf, holten den Glanz der Sterne zurück, klare Artikulation und feine Modulation lösten sich ab.

"Glühwein und Weihnachtsmarkt, ist das schon Weihnachten?", fragten sie sich und träumten in melodischer Beredsamkeit von einem Fest in anderer Form. Swingende Weihnachtsmedleys und Erhabenes, es war ein wunderschönes differenziertes Konzerterlebnis.

Im Improvisieren sind die fünf wahre Meister. Für Robert im Publikum, der Geburtstag hatte, textete man spontan ein Lied; ein Zuhörer - nach seinen Weihnachtswünschen gefragt - meinte überrascht lediglich "Ach godd, jo", was die fünf Sänger auf der Bühne zu einem spontanen und laut bejubelten Song ummünzten. Was uns noch gefiel: Die fein abgestuften Lautmalereien zu den Soli, es lag oft ein Hauch von Melancholie und ein bisschen Entrücktheit in der Luft.

Der angefressene Weihnachtsspeck war Ziel der Spaßvögel. Mit dem Titelsong "Wir schenken uns nix" aus dem neuen Programm mit "Wir schenken Geld für Brot für die Welt" gaben sie eine Richtung vor. Und sorgten in langen Passagen für absolute Ruhe bei den Zuhörern, so fasziniert und verinnerlicht lauschten sie den Melodien.

Manchmal kommt es unerwartet

Was ungewöhnlich war: Die Besucher schon zurück von der Garderobe und bereits beim Verlassen der Stadthalle, blieben im Foyer erstaunt stehen. Denn Vivavoce skandierte schon in Straßenkleidung noch Besinnliches für den Nachhauseweg, sagte ihren Zuhörern damit endgültig "Bye-bye".

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