Höhepunkte kommen in der Regel immer am Schluss eines Programmes oder einer Sitzung, wie die der Wirsberger "Schürzenjäger", die sich am Montag zum 60. Mal im Gasthof Hereth trafen. In einer feucht-fröhlichen Runde glossierten sie nicht nur das Ortsgeschehen und die Ereignisses der "Schürzenbrüder", sondern nahmen auch die Nachbarn aus Neuenmarkt ganz schön auf`s Korn, als es um die bevorstehende Schließung der Sparkassen Zweigstelle in Neuenmarkt ging, die künftig gemeinsam mit der Wirsberger Zweigstelle als Neubau im Luftkurort errichtet wird. Der "Frankensima" war bereits um 9 Uhr in den Startlöchern und Sitzungspräsident Karl-Heinz Krüger sagte auch warum: "Er wollte sich in Untersteinach nicht bei abgekochten Wasser waschen, deshalb hat er das bei uns gemacht."

Mit dem lautstarken Eingangschoral "Ein Prosit der Gemütlichkeit" ließ Philipp Simon Goletz die Sitzung endlich musikalisch beginnen, denn die "Schürzenjäger" warteten bereits voller Ungeduld. Sitzungspräsident Karl-Heinz Krüger zeigte an, dass der gemütliche Landgasthof der Familie Hereth kurzerhand in den Gasthof "Zum Wilden Mann" umfunktioniert wurde. Das dazu gehörige Schild, das sonst während der Sitzung im Gastzimmer hing, hatte man allerdings vergessen.

Den Schürzenjägern machte das aber rein gar nichts aus, denn sie fühlten sich vom ersten Augenblick an zu Hause und spätestens beim traditionellen Schürzenjägerlied "Trink` mer auf die Schürzenjäger" sangen sie aus einer Kehle "Prost Herr Nochber, heit is` schee, woll`n mer auf die Kerwa geh`, Kerwasmondoch is`, ihr Leit, do is Schürzenjägerzeit. Heit, do semmer super drauf, Musikanten, spillt an auf, aufgepasst, Du lieber Wärt, dass der kaaner heit verdärrt. Schee gewaaft is aa gered`t, mancher ko`s und mancher net."

Und eines ist beim "Kerwas-Mondoch" in Wirsberg so sicher wie das Amen in der Kirche: Es wird richtig "schee gewaaft". Der Franke würde sogar zum Ergebnis kommen: "Es is halt a saublöds Gewaaf!" Genauso wollen und lieben es aber die Besucher der Sitzung, die am Montag zum 60. Mal stattfand. Fritz Hereth ist seit Jahren zusammen mit Karl-Heinz Krüger der Spiritus-Rector der "Schürzenjäger" und hat die Entwicklung von kleinauf mitgemacht, denn er ist als Sohn der Gastwirtseheleute Hereth mehr oder weniger in der Gaststube aufgewachsen: "Ich war schon bei der Gründung am Kirchweih-Montag im Jahr 1957 dabei, die bei uns im Rübenkeller stattfand. Viele Bilder, die damals Georg Putze machte, zeigen, dass die Schürzenjäger auf den Rüben saßen, um ihre Sitzungen vorzunehmen." Das Markenzeichen der Sitzungen war und ist bis heute: "Des scheena Gewaaf", wie Fritz Hereth berichtete.

Und es war sogar ein Neuenmarkter, der die "Schürzenjäger" aus der Taufe hob, und damals hatte es noch daneben den "Waafenverein" gegeben, der in der Gaststätte Göring sein Stammlokal hatte. Der frühere Postbeamte Fritz Hahn, der in Wirsberg einen kleinen Garten unterhielt, war es, der die "Schürzenjäger" salonfähig machte. Fritz Hereth: "Der Post-Fritz war zusammen mit meinem Vater der Macher und es wurden nicht selten die kühnsten Sachen gemacht, als man zum Beispiel einen Ochsen aus dem Stall holte und die "Schürzenjäger" darauf reiten durften." Heute natürlich nicht mehr vorstellbar und bei allen Sitzungen wurden ausnahmsweise gemeindliche Themen behandelt. Und gesungen wurde damals wie heute das fränkische Liedgut.

Neu sind freilich inzwischen die "Wirsberg-News" wie etwa die vom Wirsberger Rathaus: "Die Schürzenjäger bedauern, dass die neu installierte Webcam am Rathaus zu hoch eingestellt ist und nur die Straße und den Himmel über Wirsberg zeigt Die Schürzenjäger sind der Meinung, dass die Webcam mehr in Richtung des Hereth`schen Biergartens einzustellen ist, um am heimischen PC zu erkennen, ob ein Bierverleger zu Besuch ist." Und auf dem News-Ticker war auch eine Nachricht der beiden Bürgermeister von Wirsberg und Neuenmarkt aufgelaufen: "Aufgrund des fortgeschrittenen Alters der beiden Bürgermeister von Neuenmarkt und Wirsberg haben die beiden Gemeinderatsgremien für die nächsten Kommunalwahlen den Antrag für "Betreutes Wählen" eingereicht."

Der Höhepunkt kam dann auch wirklich zum Schluss, denn Sitzungspräsident Karl-Heinz Krüger hatte nach der Ursache für die Neuausrichtung der Sparkassenfilialen gesucht: "Für das Schließen der Sparkasse in Neuenmarkt war auch die Tatsache entscheidend, dass es in unserem Lieblingsort kein Wirtshaus mehr gibt. Somit gibt es auch keinen Karttisch mehr, bei dem Wechselgeld benötigt wird."

Und eine Besonderheit haben sich die "Schürzenjäger" noch ausgedacht: Das neue Sparkassengebäude soll vom TSV-Sportheim angestrahlt werden, damit die Nachbarn aus Neuenmarkt auch nachts sehen, wo ihr Geld liegt.

Zu den Stammgästen zählten in den letzten Jahren immer die beiden Vertreter der Kulmbacher Brauerei, Thorsten Müller und Klaus Harreis. Thorsten Müller: "Es ist immer wieder schön, dem Schürzenjägerpräsidenten und auch dem Frankensima bei den schönen Lieder und Anekdoten zuzuhören." Natürlich müssen die Bierverleger auch was "aushalten". Klaus Harreis: "Ich bin schon das 12. Mal dabei und das Aushalten ist überhaupt kein Problem. Es ist immer wieder schön, weil es zugleich eine alte Tradition ist, die es andernorts gar nicht gibt."

Der frühere Hotelier Werner Herrmann chauffierte dann die "Schürzenjäger" mit seinem schmucken Oldtimer-Traktor und einem geschmückten Wagen durch die Straßen des Luftkurortes: "Ich wurde vor drei Jahren offiziell als Schürzenjäger aufgenommen, war aber früher schon öfter dabei. Ich bin ja ein gebürtiger Wirsberger und es gehört einfach dazu, dass am Kirchweih-Montag saublöd daher gewaaft wird. Wir haben jetzt festgestellt, dass der Nachwuchs an Blödmännern fehlt, aber es war eine tolle Geschichte heute, auch zum Schluss mit der Übergabe einer Eisenbahn mit dem Sparschwein. Das hat mir besonders gefallen."