Kulmbach
Ermittlung

So geht die Polizei bei Vermisstenfällen vor - ein Betroffener berichtet

Ein Polizist berichtet, wie bei Vermisstenfällen vorgegangen wird - und ein zwischenzeitlich Vermisster berichtet, wie er die Suche nach ihm erlebt hat.
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Bei Suchaktionen setzten die Einsatzkräfte unter anderem Hubschrauber als Hilfsmittel ein. Symbolfoto: Ronald Rinklef
Bei Suchaktionen setzten die Einsatzkräfte unter anderem Hubschrauber als Hilfsmittel ein. Symbolfoto: Ronald Rinklef

Es war eine großangelegte Suchaktion, die sich vor wenigen Tagen im Raum Trebgast/Himmelkron/Wirsberg abspielte: Mehrere Streifenwagen- und eine Hubschrauberbesatzung hielten Ausschau nach einem 44-Jährigen, der in der Nacht zum Mittwoch, 1. November, als vermisst gemeldet worden war.

Die Geschichte ging glücklich aus, der Mann meldete sich am Morgen bei der Polizei, nachdem er von der Suchaktion erfahren hatte. Der Einsatz konnte nach wenigen Stunden beendet werden. Da stellt sich die Frage: War eine derartige Suchaktion nötig, nachdem der Mann nicht einmal 24 Stunden verschwunden war?


Gibt keine Pauschalregel

Anders als oft angenommen, geht es bei Vermisstenfällen nicht um die Zeit, die eine Person verschwunden ist, sondern um die Priorität. "Am wichtigsten ist die Dringlichkeit, und dazu muss man die Hintergründe prüfen", erläutert Alexander Czech vom Polizeipräsidium Oberfranken. "Es gibt dabei keine Pauschalregel, man muss jeden Fall individuell betrachten", fügt er hinzu.

Die Ermittler unterscheiden zum einen, ob es sich um einen Erwachsenen oder ein Kind handelt. Ein Erwachsener kann sich frei bewegen ohne Rechenschaft abzugeben, und so wird erst überprüft, ob eine Gefährdung wie zum Beispiel eine konkrete Suiziddrohung besteht. "Ein Kind, das zum Beispiel allein in den Wald rennt, ist hilflos. Da muss sofort gehandelt werden", sagt Alexander Czech. Zum anderen müsse die Suche schnell gestartet werden, wenn jemand an psychischen Erkrankungen leidet, dement oder auf Medikamente angewiesen ist.


Umfeld überprüfen

Erste Instanz sei das Überprüfen des Umfeldes des Vermissten, erläutert der Polizei-Pressesprecher weiter. Meist ergebe sich durch Hinweise ein konkret eingrenzbares Suchgebiet, etwa ein Waldstück, ein Wohngebiet oder ein Stadtteil. Dieser Bereich werde dann intensiv von Einsatzkräften der Polizei und Feuerwehr durchkämmt. Außerdem werden Hubschrauber und Spürhunde eingesetzt.

"Gibt es keine dringlichen Hinweise auf Gefahr, werden erst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft, bevor die Öffentlichkeit um Unterstützung gebeten wird. Sie ist das letzte Mittel, denn man will das Persönlichkeitsrecht wahren", erklärt Alexander Czech. Zudem müsse man diesen Schritt gemeinsam mit der Familie des Vermissten abwägen.

Die Dauer, bis verschwundene Personen wieder auftauchen, ist unterschiedlich. Manche melden sich schon nach einigen Minuten bei der Polizei, berichtet Czech aus Erfahrung. Allerdings gehen nicht alle Fälle glimpflich aus. Manchmal müssen die Beamten auch die traurige Meldung herausgeben, dass der Vermisste tot aufgefunden wurde. Dies ist aber glücklicherweise die Ausnahme, sagt Czech.


Ein Betroffener berichtet

Wie fühlt man sich, wenn man erfährt, dass die Polizei nach einem sucht? Wir haben mit dem 44-Jährigen aus dem Landkreis, der in der vergangenen Woche im Mittelpunkt einer großangelegten Suchaktion stand, gesprochen:

Er habe nicht damit gerechnet, dass ihn jemand vermissen würde, berichtet er. Nachdem er am Abend zwei Bier getrunken habe, wollte er sich nicht mehr hinters Steuer setzten und nickte in seinem Fahrzeug ein. Als er einige Stunden später wieder aufwachte und zur Arbeit fuhr, folgte die Überraschung: unzählige Nachrichten und der Anruf eines Freundes auf dem Handy, er sei als vermisst gemeldet worden, und nach ihm werde gesucht.


Die Meldungen auf seinem Handy hatte er nicht gleich erhalten, weil er an seinem Schlafplatz keinen Empfang hatte. "Das war einfach Pech. Als ich mit dem Auto einige Minuten gefahren war, erhielt ich die ganzen Nachrichten", erklärt der 44-Jährige. Daraufhin meldete er sich bei der Polizei - und die ganze Suche nahm nach dem Schreck am Morgen ein glückliches Ende.



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