Thurnau
Wirtschaft

vbw-Neujahrsempfang in Thurnau stand im Zeichen des Glücks

Happiness und Business sind eins, findet Christian Schmidkonz.Wie das geht, zeigte der Münchner Dozent 400 Wirtschaftsvertretern im Thurnauer Schloss auf.
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Wer das Glück anlächelt, dem lächelt es zurück, heißt es. Dass die Glücksforschung auch in der Ökonomie zu besseren Erträgen führen kann, zeigte Dozent Christian Schmidkonz beim Neujahrsempfang des vbw in Thurnau auf Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Wer das Glück anlächelt, dem lächelt es zurück, heißt es. Dass die Glücksforschung auch in der Ökonomie zu besseren Erträgen führen kann, zeigte Dozent Christian Schmidkonz beim Neujahrsempfang des vbw in Thurnau auf Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
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Des eigenen Glückes Schmied sein: Das soll funktionieren, behauptet jedenfalls die alte Spruchweisheit. Aber sein Glück finden am Arbeitsplatz - an der Werkbank, am Band, im Außendienst, vor dem Rechner beim Saldieren? Dass glückliche Mitarbeiter auch die produktiveren sind, ist mittlerweile anerkannte Lehrmeinung. Branchenriesen wie Google setzen sogar auf eigene "Chief Happiness Officer". Das Thema Happiness im Business ist offenkundig virulent. Wie aber kommt das Glück zur Ökonomie?

Einige Anhaltspunkte dazu erhielten gestern Abend die Gäste beim zwölften Neujahrsempfang der Bezirksgruppe Oberfranken der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) im Thurnauer Schloss. Hauptreferent war Christian Schmidkonz. Der 44-Jährige ist Professor für "Wirtschaft in Asien" und Studiengangsleiter des Masterstudiengangs "International Business" an der Munich Business School (MBS). Der studierte Volkswirtschaftler bietet über den "Erfolgsfaktor Glücklichsein" seit 2014 einen eigenen Kurs an.


Kurzer Kick oder tiefes Gefühl?

In seinen Untersuchungen verschmolzen Erkenntnisse aus der Philosophie, aber auch den Neurowissenschaften. Für Schmidkonz ist Glück mehr als der kurzlebige Kick, wie er sich bei einem guten Essen einstellt oder dem Begießen des Siegs des Lieblingssportclubs. "Wahres Glück wirkt darüber hinaus gesundheitsfördernd, lebensverlängernd, positiv ansteckend", lautet sein Credo. Sich im Job gegenseitig mit Glück buchstäblich zu infizieren, diene nicht nur dem Zugehörigkeitsgefühl, sondern verstärke die Einstellung zum Arbeitgeber - und spare Geld. "In den USA hat man berechnet, dass unglückliche Arbeitnehmer langfristig das Unternehmensergebnis schmälern. Die Rede ist von annähernd 550 Milliarden Dollar Verlust."

Was also tun? Laut Schmidkonz sind es drei Schlüssel zum Glück. Erstens: Achtsamkeit. "Der Mensch muss mehr im Hier und Jetzt leben statt im Gestern oder dem Morgen, sich ganz darauf besinnen." Soll heißen: nicht zu Hause an die Arbeit denken oder umgekehrt. Zweitens: Dankbarkeit. "Die Kunst ist: nicht das eigene Innere mit dem fremden Äußeren vergleichen. Es gibt immer etwas, dass andere haben oder können und man selber nicht." Drittens: Mitgefühl. "Gerade auf der Ebene des Führungspersonals in einer Firma ist das von großer Bedeutung." Wer sich als Mitarbeiter angenommen und ernst genommen fühle, empfinde laut Schmidkonz weniger Stress und könne selber besser motivierend wirken.

Das Glück im Miteinander zu finden, bewertet der Dozent als die höchste, weil nachhaltigste Form. Wer in seinem Tun nicht nur das Bewältigen einer Reihe von Aufgaben sieht, sondern eine höhere Sinn- und Werthaftigkeit darin erkennt, der sei ganz nahe an der Glücksformel.

Wo die zu finden ist, das wusste Landrat Klaus Peter Söllner genau. Er lud am Ende des Vortrags den Gastredner dazu ein, seine Studien hier vor Ort zu vertiefen. "Franken ist bekanntermaßen der Hort des Glücks überhaupt, und Oberfranken ist sein Zentrum. Da können die Chinesen und auch die Münchner noch was lernen." Der Beifall der 400 Gäste unterstrich, dass sie sich glücklich schätzten über diese Einordnung.


Kaeser: Zufriedenheit ein wichtiger Faktor für Erfolg

Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender der vbw-Bezirksgruppe Oberfranken, wies in seiner Rede darauf hin, dass neben den politischen Rahmenbedingungen auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter ein wichtiger Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen sei. "Je zufriedener und motivierter die Mitarbeiter sind, desto produktiver sind sie auch. Hinzu kommt, dass der Wettbewerb um Nachwuchstalente angesichts des demografischen Wandels immer intensiver wird." Wer als Unternehmen "zufriedene Mitarbeiter" vorweisen könne, der sei attraktiv und habe im Ringen um die Nachwuchstalente einen echten Vorteil.

Kaeser appellierte auch an die Politik: "Die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland ist gut, in Bayern ist sie sogar noch besser. Die Konjunktur war robust genug, den diversen Unsicherheiten, die vor allem im außenwirtschaftlichen Bereich existieren, zu trotzen. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir vor großen Herausforderungen stehen - etwa dem demografischen Wandel, der Digitalisierung sowie den zu geringen Investitionen in Deutschland. Wir brauchen jetzt einen klaren wirtschaftspolitischen Kurs und die richtigen Rahmenbedingungen." Die Bundesregierung habe in dieser Legislaturperiode kaum Initiativen zur Steigerung der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit unseres Landes auf den Weg gebracht, monierte Kaeser. "Stattdessen hat sie Entscheidungen getroffen, die das erfolgreiche Wirtschaften erschweren. Die Stichworte lauten: Mindestlohn, Frauenquote, die Regulierung der Zeitarbeit, Leistungsausweitungen im Gesundheits- und Pflegesystem sowie rentenpolitische Wohltaten." Ein schneller und konsequenter Richtungswechsel sei überfällig. Wir brauchen jetzt eine neue Wirtschaftspolitik."


Heberling mit Medienpreis geehrt

Er ist gebürtiger Kanadier, studierter Kommunikationswisseschaftler und hat fast ein Jahrzehnt lang beim Privatsender RTL2 unter anderem als Marketing-Direktor neue TV-Formate mitentwickelt. Die Rede ist von Conrad Heberling. Der heute in Österreich Lebende erhielt gestern den Johann-Georg-Wirth-Medienpreis 2017.

Thomas Nagel, Studienleiter der Akademie für Neue Medien, würdigte den Preisträger als Dozenten, "der jungen Menschen eine Perspektive gegeben und die Talentschmiede Akademie auch als Arbeitgeber für den Nachwuchs der Wirtschaftsjournalisten genutzt hat". Und obwohl er in Österreich beheimatet ist und an der Filmuniversität Babelsberg lehrt, engagiere sich Heberling in der Akademie für Neue Medien in überaus hohem Maße "und stets mit einem Zwischenstopp in Kulmbach mit seinem Flugzeug".

Nach seiner Zeit bei RTL folgten laut Nagel die Position als Europa-Geschäftsführer eines des größten Telenovela-Produzenten, der Dori Media Group in Zürich, sowie die Gründung und der Aufbau des Burda-Senders "Austria 9 TV. Anschließend wechselte Heberling als Vorstandsvorsitzender zum Deutschen Anleger Fernsehen (DAF). Seit 2015 ist er Eigentümer der D.A.F. TV GmbH mit Sitz in Wien. Heberling zeigte sich gerührt. "Ich bin sprachlos. Ob ich den Preis verdient habe, weiß ich nicht, aber ich nehme ihn in mit der größtmöglichen Bescheidenheit an." Die Verleihung fand im Rahmen des vbw-Neujahrsempfangs im Thurnauer Schloss statt.


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