Hegnabrunn
Regenchaos

Unwetter: 2,5 Millionen Liter liefen in den Keller

Das Elektrohaus Wanderer in Hegnabrunn war von den Fluten am Samstag besonders betroffen. Chef Heinz Wanderer ist sicher, dass man das Unglück hätte abmildern können und macht der Gemeinde Vorwürfe.
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Juniorchef Markus Wanderer räumt auf. Fotos: Jürgen Gärtner
Juniorchef Markus Wanderer räumt auf. Fotos: Jürgen Gärtner
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2,5 Millionen Liter Wasser waren bei ihm im Keller, sagt Heinz Wanderer. Das Gebäude des Elektrohauses war bei dem Starkregen am Samstag bis zur Decke vollgelaufen. Der Schaden ist noch nicht zu beziffern, sechsstellig ist er auf jeden Fall. Aber Heinz Wanderer glaubt, dass das Unglück hätte vermieden oder zumindest abgemildert werden können.

Prozess läuft

Rückblick: 1992 hatte Wanderer die alte Schule erworben, wo heute das Elektrohaus mit dem Küchenstudio untergebracht ist. Doch vor dem Kauf sei ihm verschwiegen worden, dass aufgrund früherer Baufehler das Gebäude schon mehrfach unter Wasser stand. Die Baufehler habe er nach einer Überschwemmung 1993 auf eigene Kosten behoben. Vor vier Jahren gab es eine erneute Überschwemmung, da schoss das Wasser über Felder herab ins Gebäude und richtete Schaden in Höhe von 50 000 Euro an. Hier ist noch ein Prozess gegen die Gemeinde anhängig.

Sogar Stahltür verbogen

Und jetzt der dritte Fall, der für Wanderer zur Existenzbedrohung werden kann. Am Samstag strömte das Wasser in den Keller des Gebäudes, drückte Fenster und Türen ein. Heizung und Aufzug, Lagerbestände, Archiv, Möbel, Elektrogeräte und Ersatzteile - alles wurden von den braunen Fluten zerstört. Die Kraft des Wassers war so stark, dass sogar eine Stahltür verbogen wurde.

Wanderer zieht die Konsequenzen: Die Fenster im Keller werden zugemauert, die Schächte zubetoniert. Denn er ist sich sicher: "Solchen Starkregen wird es wieder geben. "

Für den Unternehmer trägt die Gemeinde Neuenmarkt mit Schuld an dem Unglück. Denn ein Oberflächenwasserkanal habe die Situation weiter verschärft. Der läuft nicht weit von seinem Grundstück in ein Rohr, das sich ein Stück weiter sogar noch verengt. Die Folge: Das Wasser staut sich zurück, der offene Kanal läuft über. Der Druck in der Leitung sei so stark gewesen, dass bei seinen Nachbarn, der Familie Günther, über deren Grundstück der Kanal weiter läuft, ein Kanaldeckel regelrecht in die Luft katapultiert wurde und das Wasser in einer Fontäne herausschoss.

"Problem seit Jahren bekannt"

"Das Problem ist seit Jahren bekannt", sagt Heinz Wanderer. Sein Wunsch wäre es, dass die Gemeinde entweder ein Regenrückhaltebecken anlegt oder den Oberflächenkanal an den Hauptkanal in der Hegnabrunner Straße anschließt.

Nun will er abwarten, wie die Gemeinde reagiert. Sollte nichts passieren, will er ebenso wie sein Nachbar rechtlich gegen die Kommune vorgehen. Was den Unternehmer aber freut, ist die Unterstützung durch Nachbarn, Wehren und THW ("Die hatten zwei Pumpen im Einsatz, die 9000 Liter in der Minute schaffen").

Bürgermeister Siegfried Decker (NG) weiß von dem Prozess im Zusammenhang mit der Überschwemmung vor vier Jahren und einem Schriftverkehr mit den Gemeindewerken. Die Forderung nach einem Regenrückhaltebecken sei für ihn aber neu. Das Thema Kanal liege schwerpunktmäßig bei den Gemeindewerken, bei denen Karl Pöhlmann Werkleiter ist.
Seitens der Gemeinde versuche man, den Bürgern zu helfen. So gebe es Überlegungen, auf Kosten der Kommune Sperrmüllcontainer aufzustellen und mit der Feuerwehr bei Härtefällen (Alte und Kranke) beim Ausräumen zu helfen. Auch könnte ein Spendenkonto angelegt werden. Decker wollte das Unwetter am Montag in der Gemeinderatssitzung ansprechen.


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