Untersteinach
Aussprache

Wasserversorgung: Untersteinacher zweifeln Zahlen des Ingenieurbüros an

Nach der Bürgerversammlung sollten die Untersteinacher Klarheit haben, welche Wasserversorgung sie wollen. Doch da herrschte noch mehr Verwirrung.
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Als Bernhard Herrmann das Wort ergriff und aus der Bibel zitierte, verließen viele Untersteinacher demonstrativ den Saal.Sonja Adam
Als Bernhard Herrmann das Wort ergriff und aus der Bibel zitierte, verließen viele Untersteinacher demonstrativ den Saal.Sonja Adam
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Topthema der Bürgerversammlung in Untersteinach war die künftige Wasserversorgung. Bürgermeister Volker Schmiechen hatte Sven Müller vom Ingenieurbüro Baur Consult eingeladen. Und der stellte sich den Fragen.

Untersteinach wird aktuell durch einen eigenen Brunnen und FWO-Wasser versorgt. Dieser Brunnen ist bis 2042 genehmigt. 3,8 Liter pro Sekunden dürfen entnommen werden, das entspricht einem Volumen von 116 800 Kubikmeter Wasser pro Jahr.

Die Gemeinde unterhält zur Sicherung der eigenen Wasserversorgung zwei Hochbehälter und ein Pumpwerk. Problematisch an der Situation ist, dass die Hochbehälter zu klein dimensioniert und zudem stark sanierungsbedürftig sind und ein Hochbehälter zu tief liege. Teile Untersteinachs bekommen das Wasser gerade einmal mit einem Druck von 1,5 bar.

Außerdem ist das Leitungsnetz marode. Fast die Hälfte des Wassers geht verloren. Sven Müller erklärte, dass das Leitungsnetz bei allen Varianten saniert werden müsse. Kosten: 1,9 Millionen Euro.

Für die zukünftige Wasserversorgung gibt es zwei Varianten, die zur Diskussion stehen. In einer Variante wird der Brunnen erhalten. Dann muss ein neuer Hochbehälter gebaut werden. Er muss, um auch die Löschwasserversorgung zu gewährleisten, mindestens 700 Kubikmeter fassen. Man braucht ein Drucksteigerungspumpwerk und man müsste den Brunnen sanieren.

Eine Alternative wäre es, den Brunnen aufzulassen und künftig das Wasser von der FWO zu beziehen.


Halbe Million für Umwandlung

Sven Müller betonte, dass die Kosten für die Umstellung der Wasserversorgung bei 455 000 Euro liegen würden, beim Erhalt des Brunnens müsse man mit rund 1,1 Millionen Euro rechnen. Allerdings sind die Betriebskosten bei einem Anschluss an die FWO höher. So betragen diese (bei der Abnahme von 125 000 Kubikmetern Wasser pro Jahr) 95 000 Euro bei einem Anschluss an die FWO, knapp 50 000 Euro beim Erhalt des Brunnens.

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung kommt zu dem Schluss, dass der Anschluss an die FWO Jahreskosten in Höhe von 188 500 Euro inklusive Preissteigerungen, Betriebskosten, Energiepreissteigerungen und Personalkosten verursachen wird - der Erhalt des Brunnens liege bei 209 000 Euro.

"Die Zahlen ändern sich ja schneller als das Wetter", kritisierte Helmut Bergmann (WGU Untersteinach): "Das Zahlenwerk, das uns das Ingenieurbüro da vorlegt, kann nicht stimmen", monierte Bergmann und betonte, dass er zu dem Schluss komme, dass der Anschluss an die FWO die Untersteinacher teuer zu stehen kommen würde. Zudem zweifelte Bergmann die vom Fachbüro veranschlagten Kosten für den Bau eines neuen Hochbehälters an. Er selbst hatte ein Angebot eingeholt und glaubt, dass ein 700 Kubikmeter fassender Hochbehälter schon für knapp 700 000 Euro zu haben sei.

"Wir sollten unser eigenes Wasser nicht einfach aufgeben", sprach sich Harald Wenig für den Erhalt des Brunnens aus. Auch Reinhard Weigel wehrte sich gegen das "Schlechtreden" des Presseckleiner Brunnens. Ulf Joachim Vollmer betonte, dass Brunnenwasser nicht mit Mikroplastik belastet sei - Oberflächenwasser, wie von der FWO, dagegen schon.

Sven Müller versuchte, zu erklären, dass es sich bei dem vorgelegten Zahlenwerk um Berechnungen nach dem komplizierten LAWA-System handele und dass mit Mittelwerten kalkuliert werde. Zinsen und Abschreibungen würden berücksichtigt. "Für mich sind die Zahlen nicht transparent", monierte auch Christian Lotter die Zahlen.

Bernhard Herrmann mahnte die Bürger, bei der Wasserversorgung nicht nur übers Geld zu reden. "Wasser hat mehr Wert, der Brunnen gehört zur Heimat. Wasser ist Vitalität vor Ort", sagte Herrmann. Als er dann aber aus der Bibel die Offenbarung des Johannes zitierte, verließen viele Untersteinacher demonstrativ den Saal. Herrmann zweifelte auch die Darstellung der Gemeinde und des Kreisbrandrats an, dass ein größerer Löschwasservorrat vorgehalten werden müsse und führte Richtlinie 405 des Deutschen Vereins für das Gas- und Wasserfach an. Diese sehe vor, dass Löschwasser auch aus Zierteichen oder Schwimmbädern entnommen werden könne, so Herrmann. Deshalb gäbe es keine Notwendigkeit, einen neuen Hochbehälter so groß zu bauen.

Am Ende herrschte auch bei den Sitzungsteilnehmern, die bis zum Schluss der dreieinhalbstündigen Sitzung ausgeharrt hatten, keine Klarheit, welche Art der Wasserversorgung besser wäre. Ob es einen Vollanschluss an die FWO geben wird oder ob der Brunnen erhalten werde, können die Bürger in einem Bürgerentscheid am 14. Oktober festlegen.



Ortsumgehung Untersteinach

Bei der Bürgerversammlung waren auch Baudirektor Fritz Baumgärtel und Alexander Siller vom Staatlichen Bauamt Bayreuth zugegen. Sie gaben Auskunft über den Baufortschritt der Ortsumgehung. Ab 17. August werde die neue Straße an die alte angebunden. Das gehe nur mit einer Vollsperrung. Das bedeutet, dass die Straße Richtung Himmelkron, Kupferberg drei Wochen lang voll gesperrt ist. Die Umleitung erfolge über die Autobahn. "Wir bitten, diese Kröte zu schlucken. Es geht nicht anders", sagte Baumgärtel. Bis Ende 2020 soll die Freigabe der Ortsumgehung erfolgen, Restarbeiten werden sich bis 2021 hinziehen.

Auch zu diesem Thema meldete sich Bernhard Herrmann zu Wort und mokierte sich über "die Mondlandschaft mit Musik". Der Baudirektor hatte die Anschlusstrompete gezeigt, die eher an ein Horn erinnere. Herrmann verurteilte die Zerstörung der Landschaft, die früher einmal Naturerholungsfunktion gehabt habe.


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