Untersteinach
Wasserstreit

Untersteinacher Bürgermeister sieht "Niederlage für die Demokratie"

Der Untersteinacher Bürgermeister Volker Schmiechen bedauert den Rückzug der FWO. Kommt der Bürgerentscheid dennoch?
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Die FWO wird kein zusätzliches Wasser an die Gemeinde Untersteinach liefern. Die Frage der künftigen Versorgung ist damit aber lange noch nicht beantwortet. Symbolfoto: Archiv
Die FWO wird kein zusätzliches Wasser an die Gemeinde Untersteinach liefern. Die Frage der künftigen Versorgung ist damit aber lange noch nicht beantwortet. Symbolfoto: Archiv
Soll der eigene Brunnen im Pressecklein erhalten bleiben, oder ist ein Anschluss an die Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) zweckmäßiger? Seit Monaten spaltet diese Diskussion Untersteinach. Jetzt ist Schluss damit. Denn die FWO will sich nicht länger durch den Kakao ziehen lassen und hält deshalb - wie gestern kurz berichtet - ihr Angebot, Untersteinach komplett mit Wasser zu versorgen, nicht länger aufrecht.


Druck im letzter Minute gestoppt


"Ich bitte um Verständnis, dass wir uns über die Pressemitteilung vom Mittwoch hinaus aktuell nicht äußern werden", teilt Verbandsdirektor Markus Rauh mit.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Untersteinacher Gemeinderäte festgelegt hatten, dass ein Bürgerentscheid den Willen der Einwohner ermitteln soll. "Wir konnten den Druck der Unterlagen für den Bürgerentscheid in letzter Minute noch stoppen. Generell ist es jetzt so, dass der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung den formellen Beschluss zurücknehmen muss", erklärt Verwaltungsleiter Martin Betz.

"Auch wenn es jetzt keine Alternativen mehr gibt. Die Bürgerversammlung kann trotzdem stattfinden", führt Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) aus. Er sieht die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit über das weitere Vorgehen zu informieren: "Wir werden sicher versuchen, weiter mit der FWO Kontakt zu halten - auch wegen der Löschwasserversorgung."


Löschwasserbehälter nötig?


Der aktuelle Vertrag mit der FWO lautet über 21 000 Kubikmeter. Möglicherweise bleibe jetzt nur der schnelle Bau eines ober- oder unterirdischen Löschwasserbehälters für das Industriegebiet. "Wir haben mit dieser Entscheidung der FWO in keiner Weise gerechnet. Wir brauchen ja die FWO, um den Spitzenwasserbedarf abzudecken - das können wir nicht aus der eigenen Quelle", sagt der Bürgermeister. Er nennt den Rückzug der FWO eine Niederlage für die Demokratie. "Den Bürgern ist die Chance genommen worden, selbst die Art der zukünftigen Wasserversorgung wählen zu können", bedauert er. Die Krux sei, dass die "teurere Variante" - der Erhalt des eigenen Brunnens - bislang als nicht förderfähig angesehen wurde.

Schmiechen weist schon jetzt jegliche Verantwortung für überproportionale Kostensteigerungen von sich, die durch den Erhalt des eigenen Brunnens auf die Untersteinacher zukommen könnten. "Wenn sich ein Eigenheimbesitzer beschweren möchte, muss er dies bei denen tun, die für den Rückzug der FWO gesorgt haben."


"Hätten ohnehin geklagt"


Helmut Bergmann von der Interessensgemeinschaft Pressecklein indes ist mit der Entwicklung der Dinge zufrieden: "Wir sind natürlich von dem Rückzug der FWO überrascht. Aber wir hätten ohnehin den Bürgerentscheid nicht akzeptiert und hätten gegen diesen, wenn er für den Anschluss an die FWO ausgegangen wäre, geklagt."

Aktuell läuft eine Klage seitens der WGU auf Herausgabe der Unterlagen, die in der Studie des Ingenieurbüros BaurConsult zusammengetragen worden seien. Bislang habe die WGU 500 Euro vorgeschossen. Insgesamt würden die Kosten, die eine solche Klage mit sich bringt, auf 5000 Euro geschätzt. "Aber wir wollen die nicht zahlen. Deshalb machen wir weiter."

"Wir haben immer sachlich diskutiert. Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Unser Ziel ist jetzt erst einmal erreicht", sagt Bergmann. "Aber wir werden die Lage weiter beobachten. Denn erst, wenn der Gemeinderat den Erhalt des eigenen Brunnens beschlossen hat, sind wir am Ziel", so Bergmann.


"Bürgerentscheid wäre besser gewesen"


Die Gemeinderäte bewerten die Lage anders. "Es wäre schon besser gewesen, wenn die Bürger hätten entscheiden können. Dann wäre die Entscheidung nicht an uns hängen geblieben", kommentiert Markus Weigel (WGU), der stets an der Seite der Interessensgemeinschaft stand. "Von meiner Seite war die Diskussion immer sachlich. Aber bei so einem großen Projekt muss man nachfragen", sagt Weigel. Er hatte in der jüngsten Gemeinderatssitzung noch erklärt, dass die FWO Millionenverluste habe, und deshalb vermutet, dass man mit einer dramatischen Erhöhung der Wasserpreise in den nächsten Jahren rechnen müsse.

Allerdings handelt es sich bei den in der Bilanz ausgewiesenen Zahlen um kumulierte rechnerische Bilanzverluste. Die FWO hat einen Wasserverkaufspreis von aktuell 70 Cent. 1997 lag der Wasserverkaufspreis bereits bei 79 Cent, er wurde dann 2002 erstmals um einen Cent angehoben - und im Jahr 2013 wieder um zehn Cent pro Kubikmeter gesenkt. Von dieser Senkung rührt der rechnerische Bilanzverlust her.

Die Wassergebühr, die die Verbraucher in den vollangeschlossenen FWO-Gemeinden im Durchschnitt zahlen müssen, liegt übrigens bei 1,70 Euro pro Kubikmeter - fast auf dem Untersteinacher Niveau von aktuell 1,41 Euro.
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