Kulmbach

Unterbrücklein: Hier gibt es einen echten Ort des Grauens

Im Landkreis Kulmbach zwischen Brücklein und Eichberg gibt es eine Stelle, an der früher mehrere Gewalttaten verübt wurden.
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Etwa 100 Meter von der Bundesstraße 85 entfernt, stößt man auf diesen Stein. Foto: Erich Olbrich
Etwa 100 Meter von der Bundesstraße 85 entfernt, stößt man auf diesen Stein. Foto: Erich Olbrich

An der Bundesstraße 85 befinden sich zwischen Eichberg und Brücklein in der Gemeinde Neudrossenfeld zwei einander gegenüberliegende Parkplätze. Ganz in der Nähe befindet sich seit alten Zeiten ein recht gruseliger und unheimlicher Ort.

Vom Parkplatz auf der Eichberger Seite führt ein Weg direkt in den Wald. Nach etwa 100 Metern kommt man an einen Stein. Selbst zuverlässige und absolut glaubwürdige Personen wollen hier schon die sonderbarsten und haarsträubendsten Erlebnisse gehabt haben, so dass sie hernach zitternd und schweißgebadet dem häuslichen Herd zustrebten.

Herzklopfen im Vorübergehen

Vor Jahren, als auf der Strecke noch recht wenig Verkehr war, hat gar mancher Erwachsener das Stück zwischen Eichberg und Brücklein nur mit Herzklopfen passiert und war heilfroh, wenn er den finsteren Wald in dunklen Nächten unbeschadet hinter sich gebracht hatte. Kinder mieden die furchterregende Stätte sogar bei Tage.

Was dort manche Leute erlebt haben wollen, brachte wohl den ängstlichen Gemütern das Gruseln bei. So wird erzählt, dass oft in mondhellen Nächten aus der Lichtung links des Weges ein Reiter ohne Kopf herangebraust komme und dann im finsteren Wald wie aufgelöst verschwinde.

Sagen in Franken: Fürchterliche Tiere und zwergenhafte Männlein

Ein andermal wollte man ein fürchterliches kohlschwarzes Tier, so groß wie ein Kalb, gesehen haben. Die Zunge hing ihm voll Gier weit heraus, die Augen waren so groß wie Äpfel und hatten feurigen Glanz. Das Tier lief stets eine Zeit lang hinter dem einsamen und zitternden Wanderer her, und wenn dieser es nicht anredete, verschwand es spurlos am Waldrand.

Dann wieder sei es vorgekommen, dass urplötzlich ein zwergenhaftes Männlein auftauchte und den Menschen wie ein Schatten folgte.

Was war nun wohl der Anlass zu diesen Gruselgeschichten? Da berichtet zunächst der Volksmund folgende Sage: Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges war das Bauerngeschlecht der Ammon (auch Amon oder Aman) Besitzer eines Gutes in Brücklein. Der Bauer Hermann Aman aber konnte "bannen". Als im Herbst 1635 schwedische Reiter in sein Gehöft eindringen wollten, verwehrte er ihnen durch seine Kunst den Zugang.

 

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Kopfüber aufgehängt

Doch unter den Soldaten war einer mit noch stärkerer Zauberkraft, der befreite seine Kameraden von des Bauern Bann. Aman wurde gefangen genommen, an einen Pferdeschweif gebunden und bis an die oben genannte Waldstelle geschleppt beziehungsweise geschleift. An einem Baum, unter dem sich ein Ameisenhaufen befand, wurde er an den Beinen kopfüber aufgehängt. Die aufgestörten Ameisen überzogen den Körper des Gehenkten, der unter Qualen starb. Der Leichnam wurde später an Ort und Stelle vergraben. Ein Stein mit der Aufschrift "HERMAN AMAN LIGT DA BEGRABEN 1635" kennzeichnet heute noch das Grab.

Im Kirchspiel Neudrossenfeld gab es damals so viele Tote, dass sie im Friedhof nicht mehr beerdigt werden konnten. Im Sterberegister findet sich unter dem 7. September 1635 die kurze Notiz: "Eodem die Hermann Amnion zum Prücklein." Nach dem Geburtenregister war Hermann Ammon am 20. April 1607 als Sohn des Bauern Hans Ammon und dessen Ehefrau Barbara, geborene Kolb, zu Brücklein geboren. Dieser gewaltsame Tod hat sich also tatsächlich zugetragen.

Das Volk will aber von vielen weiteren Gräueltaten wissen, die sich an dieser unheimlichen Waldstelle zugetragen haben sollen. Tatsächlich sind allein in den Kirchenbüchern von Drossenfeld vier weitere Morde verzeichnet, die an jener Stelle verübt wurden. Es ist leicht möglich, dass sich dort noch mehr Untaten zugetragen haben und nicht aufgezeichnet wurden, weil die Stelle hart an der Kirchspielgrenze lag - Eichberg gehörte einst zur Pfarrei Hutschdorf.

Straßenräuber am Werk

Unter dem 14. Dezember 1621 finden wir im Drossenfelder Sterbebuch folgenden Eintrag: "Der Zimmermann Leonhardt Hofmann von Kulmbach auf dem Heimweg von Bayreuth bei der Einöde Eichberg von Dreien Straßenräubern jämmerlich erschossen und beraubet."

Ergänzend ist dazugeschrieben: "Leonhardt Hofmann von Lindau ein Zimmermann, damals zu Culmbach wohnhaft, ist von Bayreuth, da er gearbeitet anheim nach Culmbach beim Eychberg von dreyen Strasreubern erschossen und beraubt worden den 14. Dezembris, hernach zum Brücklein geführt und den 16. allhir begraben."

Im November 1632 ist aufgezeichnet: "Ein fremder Man von Coburg zwischen Eychberg und Brücklein erschlagen und zu Brücklein begraben, dessen Name nicht aufgezeichnet worden, seines Handwerks ein Hefner."

Behauenen Stein entdeckt

Vor einigen Jahren wurde bei Rodungsarbeiten in dieser Gegend ein behauener Stein gefunden, auf dem die Jahreszahl 1632 und die Buchstaben H und P eingemeißelt waren. Vielleicht besteht hier ein Zusammenhang?

Eine weitere Freveltat ereignete sich 1790: "Den 23. May als am Hl. Pfingstfest abends um 5 Uhr wurde eine ermordete Weibsperson in dem Wald bei Brücklein neben der Culmbacher Straße gefunden und nach geschehener gerichtlichen Besichtigung auf dem hiesigen Friedhof in der Stille begraben, als 25 bis 30 Jahre, der Täter ist noch unbekannt." Der letzte Mord wurde 1839 aufgezeichnet "Heinrich Wilhelm Albert Dorfmüller aus Kulmbach, verabschiedeter griechischer Soldat wurde hinter Unterbrücklein an der Straße nach Kulmbach erschossen und am 17. August abends in einem Wäldchen tot aufgefunden, Alter 25 Jahre."

So ist es wohl begreiflich, dass diese Stelle zwischen Eichberg und Brücklein wegen der vielen Bluttaten an dem einst abgelegenen Ort von Groß und Klein gerne gemieden wurde und dass mancher Schauergeschichte Tür und Tor geöffnet war.

Nun aber brausen unablässig die Fahrzeuge vorbei, und niemand denkt mehr an den einstigen Ort des Grauens. Aber auch heute lauern noch Gefahren im Wald, diesmal in Form von Abfällen und sonstigen menschliche Hinterlassenschaften.

 

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