Kulmbach
Uni

Uni-Campus: Standort-Debatte irritiert Gründungsdekan Stephan Clemens

Was ist der beste Standort für den Campus? Gründungsdekan Stephan Clemens favorisiert den Güterbahnhof - und findet Alternativdebatten wenig zielführend.
Artikel drucken Artikel einbetten
50 Hektar umfasst das Areal des Güterbahnhofs, ein Großteil gehört der Brauerei. Ursprünglich ist der Komplex als Standort für den Uni-Campus vorgesehen - doch es gibt eine viel beachtete Alternative in der Diskussion: das Kaufplatz-Gelände.Jochen Nützel
50 Hektar umfasst das Areal des Güterbahnhofs, ein Großteil gehört der Brauerei. Ursprünglich ist der Komplex als Standort für den Uni-Campus vorgesehen - doch es gibt eine viel beachtete Alternative in der Diskussion: das Kaufplatz-Gelände.Jochen Nützel

Über den toten Gleisen herrscht Ruhe, der Dornröschenschlaf des Areals bleibt vorerst ungestört. Dabei soll hier 2020 universitäres Leben in einer von Kulmbachs tristesten Ecken einziehen, sollen Studenten über Vorlesungsinhalte diskutieren und Professoren sich über die jüngsten Forschungen zur Lebensmitteltechnik austauschen. So weit jedenfalls die Planung. Doch die Diskussion um den besten Standort für den Uni-Campus hat - um im Bild zu bleiben - neue Nahrung erhalten, seit das Kaufplatz-Areal als Alternative auch bei den Kommunalpolitikern stärker in den Fokus gerückt ist.

"Beste Gründe für Plan A"

"Es gibt sicher nichts einzuwenden gegen Alternativpläne, aber es gibt beste Gründe, Plan A weiterzuverfolgen." Auf diesen Nenner bringt es Stephan Clemens, Leiter der Planungsgruppe und Gründungsdekan der Fakultät VII für "Life Sciences: Food, Nutrition and Health" der Uni Bayreuth. Plan A bedeutet: Güterbahnhof. Für Clemens bleibt es das favorisierte Gelände. "Es gibt mehrere sehr gute Gründe, die dafür sprechen. Der vielleicht wichtigste: Wir haben dort genügend Platz, damit in Kulmbach tatsächlich so etwas wie eine Campus-Atmosphäre entstehen kann. "

Ein weiterer Vorteil, der für das 50 Hektar große Areal spricht: "Die beste Voraussetzung für interdisziplinäres Arbeiten ist räumliche Nähe, sprich der Jurist sitzt unmittelbar neben dem Chemiker. Dazu aber muss ein Standort so gewählt sein, dass er wachsen kann. Denn wenn die Erfahrung aus vielen anderen Neugründungen eines lehrt, dann das: Solche Einrichtungen werden im Laufe der Jahre größer - weil neue Institutionen dazukommen, sich neue Forschungsrichtungen entwickeln etc. Die Optionen dafür bietet der Güterbahnhof. Das würden wir andernorts als Trumpf womöglich aus der Hand geben."

Gespräche verliefen positiv

Insofern kann Clemens die Diskussion um den Kaufplatz als Plan B sozusagen nicht nachvollziehen. "Angeblich soll der Campus dort schneller umsetzbar sein, aber das sehe ich so nicht." Er wisse natürlich um die Grundstücksverhandlungen zwischen der Stadt und der Kulmbacher Brauerei (der Kaufplatz gehört der Stadt bereits). Doch Clemens wertet die Gespräche mit den Beteiligten positiv. "Wir sind nach meinem Dafürhalten nicht so weit von einer Einigung entfernt."

Und selbst wenn die Verhandlungen noch scheitern sollten, lande man, so Clemens, nicht automatisch beim Kaufplatz. "Ich nenne nur einen Nachteil: Wir werden auf dem Campus auch biochemische Labore einrichten. Natürlich gibt es dafür Sicherheitsstandards. Dennoch gebe ich zu bedenken, ob es nicht größere Probleme bedeuten würde, solche Labore in der unmittelbaren Nähe von Wohnbebauung zu betreiben. Womöglich reagiert die Bevölkerung da sensibler drauf, als wenn genügend räumliche Distanz vorherrscht, wie das beim Güterbahnhof der Fall ist."

Zeit ist Fördergeld

Für den Gründungsdekan steht fest: Sollte sich die Lösung Güterbahnhof zerschlagen, müsste die Standortfrage für den Campus noch mal völlig neu diskutiert werden. Damit aber käme man zeitlich in die Bredouille. "Wir sind - wenn auch noch ohne konkrete Summe - drin im Doppelhaushalt des Freistaats. Das ist wichtig, den Campus hier schon mal als Bauvorhaben verankert zu wissen."

Er gehe davon aus, dass im Laufe des Jahres eine klare Lösung gefunden wird. Mitte Juli werde es nochmals ein großes Treffen bei der Regierung von Oberfranken mit vielen Beteiligten geben: dem Wissenschaftsministerium, dem Staatlichen Bauamt, der Stadt, der Universität und auch Vertretern des IMBY, der Immobilien Freistaat Bayern, ein kaufmännisch eingerichteter Staatsbetrieb.

"Wir bauen hier keine Schule"

Clemens verhehlt nicht, "dass uns die Debatten der vergangenen Tage in gewissem Maß verunsichern". Er könne sich des Eindrucks nicht erwehren, bei manchem sei die Ehrgeizigkeit des Projekts Campus noch immer nicht ganz angekommen. "Es ist essenziell, hier ein attraktives Umfeld aufzubauen, auch was die Gestaltung des Geländes angeht mit Schaugärten und vielem mehr. Wir wollen schließlich Studenten nach Kulmbach locken, die für ihre Weiterbildung Dutzende andere Optionen haben. Wir bauen hier keine Schule für Kinder, die schon da sind. Es geht darum, Menschen von einem Angebot zu überzeugen. Das ist höchst anspruchsvoll."

Gleiches gelte im Übrigen für die Menschen, die künftig in Forschung und Lehre tätig sein sollen. "Sie möchten zu Recht ein attraktives Arbeitsumfeld haben, auch das ist kein Selbstläufer. Ich erinnere nur an die Schwierigkeiten diverser Unternehmen in der Region, ihre Führungspositionen adäquat zu besetzen."

Das Optimum umsetzen

Eine Universität stehe hier nicht weniger vor Herausforderungen. "Deswegen gilt nichts weniger als das Optimum umzusetzen und nicht die zweit- oder drittbeste Lösung. Ein großer Wurf ist für die Stadt und die Region allemal besser, denn wir alle wollen doch, dass dieser Campus lebt und sich in viele Richtungen entwickeln kann. Dafür muss er sich aber auch räumlich ausdehnen können." So hätten auch andere Institutionen überhaupt die Chance, sich an den Campus anzugliedern. Das Landesamt für Lebensmittelgesundheit etwa trage sich schon mit dem Gedanken an ein neues Institut.

Man müsse, so Clemens, in jedem Fall prognostisch denken und beispielsweise Start-ups, die sich neu gründen werden, mit auf der Rechnung haben. "Diese weit verzweigte thematische Verwandtschaft trägt letztlich dazu bei, das sichtbar zu machen, was ein echtes Cluster für Lebensmittel und Ernährung auszeichnet. Der Bereich ist in ständiger Bewegung. Deswegen sollten wir in alle Richtungen denken, um ein Modell für viele Jahrzehnte aufzubauen."

Brauerei knüpft Flächenverkauf an Bedingungen

Der Kaufplatz weg, dafür den Uni-Campus hin? Nicht zuletzt bei einem Rundgang der CSU-Stadtratsfraktion am Montag (wir berichteten) fand der Vorschlag großen Anklang. Nun stellt der Pressesprecher der Stadt, Simon Ries, in einer Mitteilung klar: "Wir haben die Kaufplatz-Studie in Auftrag gegeben, um dem Freistaat - falls notwendig - eine Alternative bieten zu können. Das Wichtigste für uns ist, dass die Universität in die Innenstadt kommt. Das wäre bei beiden Varianten gegeben."

Beim Güterbahnhofsgelände habe, so Ries, die Brauerei "nachvollziehbarerweise gewisse Bedingungen für einen Verkauf gestellt". Unter anderem soll die Gummistraße dauerhaft gesperrt werden, um dort Erweiterungsmöglichkeiten für das Unternehmen zu schaffen. "Das muss auch im Sinne der Brauerei sorgfältig geprüft und abgewogen werden, da es nicht unerhebliche Auswirkungen auf die benachbarten Betriebe und die Wohnbebauung dort hätte."

Momentan prüften das Staatliche Bauamt und die IMBY (Immobiliengesellschaft des Freistaates Bayern) beide Varianten. Ries: "Wir hoffen sehr, dass es nun schnell geht, denn wir müssen dringend anfangen, um das vom Freistaat zur Verfügung gestellte Geld auch abrufen zu können, bevor es für andere Projekte verwendet wird."

Brauerei-Vorstandssprecher Markus Stodden hatte dazu verlautbart: "Es gibt im Leben immer einen Plan B. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, es gibt einen priorisierten Plan A - und das ist das Bahngelände!" Die Brauerei stehe nach wie vor zu ihrer Aussage, so Stodden, "dass wir das Bahngelände verkaufen, um den Weg für einen architektonisch und konzeptionell interessanten Uni-Campus freizumachen. Das wissen auch alle Entscheider."

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren