Kulmbach
Entdecker-Tour (103)

Unbeachtet, aber hoch geehrt: Kulmbacher Bildhauer hinterlässt Spuren

Der Künstler Carl August Bachmann hat Spuren hinterlassen - nicht nur in Kulmbach.
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Der müde Wanderer auf dem Meußdoerfferschen Familiengrab. Foto: Erich Olbrich
Der müde Wanderer auf dem Meußdoerfferschen Familiengrab. Foto: Erich Olbrich
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In dieser und in der nächsten Entdecker-Tour richten wir den Blick auf einen großen Kulmbacher Künstler, den Bildhauer Carl August Bachmann, der Spuren hinterlassen hat - weit über seine Heimatstadt hinaus.

Vater war Holzbildhauer

1885 wurde Bachmann in Nürnberg geboren. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach Kulmbach. Sein Vater, ein Holzbildhauer, war ein Nürnberger, die Mutter eine Kulmbacherin.

In seiner Heimatstadt besuchte Carl August die Volks- und Realschule, in der Werkstatt seines Vaters im Oberhacken erlernte er die Grundzüge der Schnitzerei. Leider wurde die Werkstatt in den 60er Jahren abgerissen, heute steht dort das Anwesen Oberhacken 5.

Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Nürnberg begann Bachmann 1906 ein Studium an der Kunstakademie in München. 1912 schaffte er den künstlerischen Durchbruch. Seine plastischen Arbeiten wurden erstmals mit Akademiepreisen gewürdigt.

Brunnenfigur zerstört

Für die Kopfstudie seiner Figur "David" wurde er später, 1918/19, mit dem höchsten Akademiepreis überhaupt, dem "Rompreis", ausgezeichnet.

Die Brunnenfigur des David wurde 1927, also drei Jahre nach Bachmanns Tod in der Anlage neben dem damaligen "Alten Krankenhaus", der heutigen AOK-Pflegekasse, im Kulmbacher Stadtpark aufgestellt. Die biblische Darstellung war für einige NSDAP-nahe Fanatiker Grund genug, diese 1934 zu zerstören. In der Entdeckertour 59 haben wir bereits ausführlich über die Jünglingsfigur des David ausführlich berichtet.

Glücklicherweise besitzen wir auf unserem neuen Friedhof noch einige weitere Kunstwerke des 1924 im Alter von nur 39 Jahren verstorbenen Bildhauers Bachmann.

Verantwortungsvolle Aufgabe

Auf dem Meußdoerfferschen Familiengrab entdeckt man die Figur eines müden Wanderers. Die Familie des Kommerzienrats Meußdoerffer erteilte dafür 1916 einen privaten Auftrag zum Gedächtnis an den im Krieg gefallenen Sohn und Schwiegersohn. Bachmann wusste es auch noch Jahre später zu schätzen, dass ein Mann, der sich meist nach der öffentlichen Anerkennung richtete, einem jungen, unbekannten und in seiner Heimatstadt sogar unbeachteten Künstler ein solches Maß an Vertrauen entgegenbrachte, dass er die schöne und verantwortungsvolle Aufgabe in dessen Hände legte.

Bei der Gestaltung des Grabmals war dem Künstler volle Freiheit gewährt, was gewiss nicht der Harmonie und der Stimmung schadete. Die müde hingesunkene Jünglingsgestalt des Wanderers ist voller Friede und zeigt die ehrfürchtige Ergebung in das über den Verstorbenen verhängte Schicksal.

Auf dem erst später eingelassenen Bronze-Epitaph mit dem feinen Angelus-Köpfchen zeigen sich ein verklärtes Lächeln und ein gesenkter Blick, der in eine andere Welt einzutauchen scheint.

1920 folgte die große Grabmalfigurengruppe auf der Gruft der Familie Sprunner von Merz. In diesem Kunstwerk spiegeln sich die niederschmetternden Eindrücke des Ersten Weltkriegs wider. Es zeigt einen erschöpften Greis, dem eine Frauengestalt eine erquickende Schale reicht. Bachmann nannte die Darstellung "Labetrunk".

Die Schönheit des menschlichen Körpers

Während sich in früheren Arbeiten in der statischen Ausgeglichenheit und in der Hervorhebung der Schönheit des menschlichen Körpers Besinnlichkeit und Ruhe zeigten, beweist diese Gruppe im Aufbau eine Form von Aufgelöstheit der Flächen in Körpern und Gewandfalten.

Die ersten Ideenskizzen für die Figur, die für das Familiengrab Philipp Sauermann bestimmt war, entstanden schon um 1918/19. Die beginnende Geldentwertung rückte die Ausführung in weite Ferne und stellte die Materialausführung dieses Werks überhaupt in Frage. Auch mit diesem Auftrag verbanden sich für den Künstler die schmerzlichen Eindrücke des Ersten Weltkrieges.

Viele kleine Werke

Die Darstellung des Christus, sitzend als Schmerzensmann, zeigt uns den Ernst, die heilige Ehrfurcht vor den unerhörten Mysterien des Lebens.

In Kulmbach existieren noch weitere kleinere Werke von Bachmann, so die im feinsten Empire gehaltene Schrifttafel für das Familiengrab des Fabrikbesitzers Fritz Haas im Neuen Friedhof. Inzwischen ist alles von Efeu überwuchert, der Anblick hat aber trotzdem einen gewissen Reiz. Alle Grabdenkmäler befinden sich beim Haupteingang rechts an der Mauer.

Bereits 1905 hatte Bachmann ein für den Altar der Nikolaikirche in Kulmbach bestimmtes Kruzifix geschnitzt. Auch die Turnergedenktafel in Kulmbach hat er geschaffen. Leider haben wir noch nicht in Erfahrung bringen können, wo sich diese befindet. Wer kann uns hier weiterhelfen?



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