Kulmbach
Politik

"UN-Botschafter" proben Ernstfall

Schüler am Kulmbacher MGF stellte n eine Sitzung des Sicherheitsrats nach. Und merkten, dass es gar nicht so einfach ist, den Weltfrieden zu retten.
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Martin Schunk studiert an der Universität Bayreuth, er brachte eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates ins Klassenzimmer am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium. Die Schüler schlüpften in die Rollen der Botschafter und Beobachter und merkten schnell, dass Politik komplex ist.
Martin Schunk studiert an der Universität Bayreuth, er brachte eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates ins Klassenzimmer am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium. Die Schüler schlüpften in die Rollen der Botschafter und Beobachter und merkten schnell, dass Politik komplex ist.
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Wenn die Menschen an Syrien denken, dann ist die Strategie für alle glasklar: Es muss endlich Frieden geben. Es ist menschenunwürdig, dass immer noch Hunderttausende sterben. Und dass Menschen in Ost-Ghouta, Yarmouk, Foua und Kefraya keine humanitäre Hilfe gewährt wird, ist ein Skandal. Der Giftgaseinsatz in Ost-Ghouta sowieso.

"Ich bin natürlich für einen sofortigen Waffenstillstand", sagt Hannah Topp (15). So weit liegt die 15jährige Schülerin des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium mit allen "Stammtischweisen" auf einer Wellenlänge. Doch schnell merkte sie, dass die Rolle eines UN-Botschafters ziemlich schwierig sein kann.


Neuland betreten

"Ich interessiere mich eigentlich nicht so sehr für Politik. Aber ich verstehe jetzt viel besser, warum alles nicht so einfach ist", erklärt Topp. Gewonnen hat sie diese Erkenntnis nicht durch theoretischen Politikunterricht, sondern durch das Spiel "UN im Klassenzimmer". Der ehemalige MGF-Schüler Martin Schunk studiert Medienkultur und Medienwissenschaften an der Universität Bayreuth. Er hat das UN-Projekt "UN im Klassenzimmer" nach Kulmbach gebracht.

Mit weiteren Studenten und mit Doris Leithner-Bisani, Betreuerin des Fachs Sozialkunde, nahmen rund 100 Schüler der zehnten Jahrgangsstufen am Planspiel teil. Die Klassenzimmer wurden zum Sitzungssaal des UN-Sicherheitsrats. Und die Schüler wurden zu Botschaftern, zu Diplomaten, zu Beobachtern oder zu Sprechern namhafter Organisationen wie "Ärzte ohne Grenzen".

"Uns geht es darum, dass sich die Schüler durch das Projekt die Grundkenntnisse der UN aneignen können und dass wir die Arbeit des UN-Sicherheitsrats erfahrbarer machen", erklärt Schunk. Florian Totzel vertritt Äquatorialguinea, also die Länder Äthiopien, Bolivien, die Elfenbeinküste, Peru und Kasachstan. Die Länder sind unterschiedlich. Doch in einem Punkt sind alle sich einig: Der politische Dialog soll ausgebaut werden, die syrische Bevölkerung soll humanitäre Hilfe bekommen.


Bündnispflichten

"Im Rahmen der Afrikanischen Union wurde bereits 2014 die verstärkte Terrorbekämpfung beschlossen, allerdings stehen die afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten einem direkten und unmittelbaren Eingreifen des Westens skeptisch gegenüber", lautet die Position, die Totzel bekommen hat. Hinzu kommt, dass Äthiopien und Kasachstan sehr enge Beziehungen zu Russland und China pflegen. Deshalb enthalten sich die Länder, wenn es darum geht, den Einsatz von Chemiewaffen zu verurteilen.

"Ich denke, es ist sehr hilfreich, wenn man einmal praktisch an den Verhandlungen teilnimmt. Denn dann merkt man schnell, dass die Konflikte nicht so schnell gelöst sind, wie das immer aussieht", so Totzel.

"Mir wurde Kuwait als Land zugewiesen", erzählt indes Leon Würffel. "Ich habe die UN vorher nur aus den Nachrichten gekannt. Und es ist schon überraschend, wie schwer es ist, sich für das Kriegsland einzusetzen."

Am Ende waren sich alle Teilnehmer einig: Politik ist schwieriger, je mehr Details man kennt.
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