Ziegelhütten

Umjubelte Neuaufführung von "A schöne Leich"

"A schöne Leich" - der intelligente, hintergründige und urkomische Blick auf das wahre Leben aus der Feder des Kulmbachers Rüdiger Baumann ist wieder da! Am Wochenende feierte das Stück im Theater "Das Baumann" vor jeweils ausverkauftem Haus seine vielumjubelte Neuaufführung.
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Vor ausverkauftem Haus fand die Neuaufführung des Stückes "A schöne Leich" von Rüdiger Baumann statt. Tochter Fränzi (Charis Hager/zweite von links) gesteht ihren Eltern (Birgit und Rüdiger Baumann), einen "Neger" zu lieben. Foto: Stephan Stöckel
Vor ausverkauftem Haus fand die Neuaufführung des Stückes "A schöne Leich" von Rüdiger Baumann statt. Tochter Fränzi (Charis Hager/zweite von links) gesteht ihren Eltern (Birgit und Rüdiger Baumann), einen "Neger" zu lieben. Foto: Stephan Stöckel
Die Handlung ist noch immer die gleiche, nur bei den Schauspielern hat sich eine Veränderung ergeben: Während im vergangenen Jahr die Familie Baumann (Vater Rüdiger, Mutter Birgit und Tochter Lisa) die Familie Meier verkörperte, musste beim Remake Tochter Lisa aus beruflichen Gründen ihre Rolle an Charis Hager, Tochter des Thurnauer Dekans Hans Hager, abgeben. Darüber unterhielt sich die BR mit Rüdiger und Lisa Baumann sowie Charis Hager.

Warum haben Sie sich für Charis Hager entschieden?
Rüdiger Baumann: Weil ich sie seit Jahren kenne und sie eine erstklassige Schauspielerin ist.
Bei der legendären Aufführung von Shakespeares berühmtem Stück "Viel Lärm ums nichts" auf der Kulmbacher Rathaustreppe durch die Theatergruppe "Buschklopfer" liefen wir uns erstmals über den Weg.

Charis Hager hat ihre Berufung zu ihrem Beruf gemacht. Vor ein paar Jahren sorgte sie mit dem provokanten Stück "Die Antrittsrede der amerikanischen Päpstin" für viel Gesprächsstoff. War die Vollblutschauspielerin erste Wahl?
Rüdiger Baumann: Auf jeden Fall. Mehrere Gründe sprachen für sie: Mit ihren 30 Jahren hat sie ein ähnliches Alter wie meine 28-jährige Tochter Lisa. Zweitens besteht ein fast schon familiäres Verhältnis zwischen uns und ihr. Schauspielerische Gründe sprachen ebenfalls dafür: Sie hat das Talent, auf der Bühne ganz andere Charakterzüge an den Tag zu legen als im wirklichen Leben. Zudem hat sie die Tiefe, die in der Rolle angelegt ist, gut herausgearbeitet: Auf der Bühne spielt sie eine energische, selbstbewusste und kritische junge Frau, die vom Publikum nicht kratzbürstig, sondern sympathisch wahrgenommen werden soll.

Fühlen Sie sich in der Charakterisierung von Herrn Baumann getroffen, Frau Hager?

Charis Hager: Er hat die Rolle, so wie ich sie umgesetzt habe, ganz gut beschrieben. Was der Zuschauer sieht, steht wieder auf einem ganz anderen Blatt. Jeder sieht in einer Rolle das, was er sehen will.

Wie haben Sie die Premiere empfunden: Waren Sie mit sich und Ihrer Rolle zufrieden?
Charis Hager: Als Schauspieler ist man nie mit sich zufrieden. Die Arbeit geht immer weiter. Man versucht jeden Abend besser zu werden. Wenn viele Menschen einer Aufführung beiwohnen, dann gibt einen das einen Energieschub. 76 Leute, so wie hier im "Baumann", beflügeln einen beim Spiel.

Was lieben Sie an der Rolle der Tochter Fränzi?
Charis Hager: Sie hat spannende und herausfordernde Momente. Fränzi ist in meinen Augen eine kluge, junge Frau. Sie hat große Probleme mit ihren Eltern: Sie fechtet einen Streit mit ihren Alten aus, beichtet ihnen, dass sie einen neuen, noch dazu dunkelhäutigen Partner hat. Als Schauspieler macht man das seelische Gefühlsleben der jungen Dame durch. Das dem Publikum mit Tonfall, Mimik und Gestik gut zu vermitteln, ist nicht ganz einfach.

Was schätzen sie an dem Stück ?

Charis Hager: Es ist unglaublich witzig und obendrein auch noch sehr geistreich. Den Menschen aus der Region wird aufs Maul geschaut. Ich denke, dass sich jeder darin ein bisschen wiederfindet.

Haben Sie das Original gesehen, in der Lisa Baumann die Tochter spielte? Wie fanden Sie ihre Schauspielkünste?
Charis Hager: Selbstverständlich. Lisa war richtig gut. Sie verkörperte die Rolle ganz anders als ich. Ich bin nicht ganz so cool und abgeklärt wie sie.

Haben Sie versucht, der Rolle ihren eigenen Stempel aufzudrücken oder haben Sie sich, Hand aus Herz, auch von Lisas Schauspielkunst inspirieren lassen?

Charis Hager: Ich blendete meine Schauspielkollegin ganz und gar aus. Ich habe versucht, die Rolle neu zu interpretieren, bis ich sie als authentisch für mich empfunden haben.

Wie fanden Sie, Frau Baumann, Charis Hager in der Rolle, der sie einmal Leben eingehaucht haben?
Lisa Baumann: Sie ist in ihrer Ausdrucksweise viel weicher: Sie zeigt viel mehr Emotionen auf der Bühne als ich.

Wenn man mitverfolgt, wie eine andere in die eigene Rolle schlüpft, vergleicht man sich da?
Lisa Baumann: Logisch. Weil man noch immer die Rolle vor Augen und den Text im Kopf hat. Beim Vergleich entdeckt man neue Aspekte an der Rolle.

In dem Stück "A Schöne Leich" haben sie eine Ärztin verkörpert. Inzwischen sind sie auch im richtigen Leben eine Ärztin. War die Ausbildung zur Medizinerin hilfreich für ihre Bühnenrolle?
Lisa Baumann: Durchaus. Was man selbst erlebt hat, kann man viel besser rüberbringen.

Was ist schöner: Ärztin im richtigen Leben oder auf der Bühne?
Lisa Baumann: Ganz klar: auf der Bühne! Im richtigen Leben macht es nicht so viel Spaß. Man hat zu wenig Zeit für die Patienten, es geht oft stressig zu. Auf der Bühne hat man es einfacher: Man weiß, was man machen muss, weil sich jede Aufführung des Stückes gleicht. Im wahren Leben hingegen, wird jeden Tag ein neues Stück aufgeführt.

Wie wäre es, wieder einmal Bühnenluft zu schnuppern?
Lisa Baumann: Das fände ich gut. Ich liebe es, in andere Charaktere zu schlüpfen. Was mir besonders gut gefallen hat, war die Tatsache, dass ich mit meinen Eltern auf einer Bühne stehen durfte. Wer kann schon von sich behaupten, mit seinen Eltern schauspielern zu dürfen?
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